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Überstunden und Gesundheitsrisiko

Eine aktuelle Auskunft der Bundesregierung» zeigt die hohe Zahl an Überstunden, die Beschäftigte im letzten Jahr trotz der pandemiebedingten Einschränkungen für Unternehmen erbracht haben: nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kamen in 2020 1,67 Milliarden Überstunden zusammen, über die Hälfte davon – 892 Millionen – unbezahlt. Im Jahr 2019 waren es 1,86 Milliarden Überstunden.

Dabei zeigt eine weltweite Untersuchung der World Health Organization (WHO) und der International Labour Organization (ILO)», dass verschiedene Gesundheitsrisiken bei langen Arbeitszeiten merklich steigen. Im Vergleich zu Menschen mit 35-40 Wochenstunden erhöht eine Wochenarbeitszeit von 55 und mehr Stunden pro Woche das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 35 bzw. 17 Prozent. Insgesamt ist die gesamte Arbeitszeit seit dem Jahr 2000 um 29% angestiegen. Zwar gelten in Europa Arbeitsschutzgesetze, die zumindest in nichtselbstständiger Beschäftigung solche Arbeitszeiten gemeinhin ausschließen. Die Studie bezieht jedoch die sogenannte Care-Arbeit, also beispielsweise Hausarbeit, Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger, nicht mit ein, die dennoch zur Belastung beiträgt.

Betrachtet man beide Untersuchungen, wird klar, dass Work-Life-Balance nicht nur ein Modewort sein kann, sondern – wie es in vielen Unternehmen bereits gelebt wird – Grundlage für eine nachhaltig gesunde Arbeitsweise ist. Nur motivierte Beschäftigte mit angemessenem Workload können langfristig den erforderlichen Einsatz für das Unternehmen bringen, ohne Burn-out oder innere Kündigung. Gerade im Home Office ist es daher wichtig, die Mitarbeiter*innen bei klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu unterstützen, Rücksicht auf die individuelle Situation zu nehmen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die unbedingt weitergeführt werden sollten, entsprechend anzupassen. Führungskräfte sollten sich regelmäßig fortbilden und überprüfen, ob Strukturen, Strategie, Arbeitsaufteilung und natürlich auch die Teamgröße den anfallenden Aufgaben noch gewachsen sind oder einer Weiterentwicklung bedürfen. Auch Maßnahmen zum Talentmanagement sowie die für viele Unternehmen gesetzlich vorgeschriebene Psychische Gefährdungsanalyse können helfen, übermäßige Belastungen zu identifizieren, abzufangen und Teams besser und resilienter aufzustellen.