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Studie der IKK classic zur Wirkung von Diskriminierung und Vorurteilen

Vorurteile und Diskriminierungen sind ein großes gesellschaftlichen Problem – und ein medizinisches: Sie können zu psychischer Belastung führen, zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln und daher auch zu Ängsten oder Depressionen. Schlafstörungen, Migräne oder Essstörungen sind ebenfalls verbreitete Folgeerscheinungen.

Das rheingold Insitut hat im Auftrag der IKK classic eine Grundlagenstudie verfasst, die die Entstehung und Verbreitung von Vorurteilen und ihre Folgen untersucht und erstmals den direkten Zusammenhang zwischen Diskriminierungserfahrungen und den Auswirkungen auf die Gesundheit aufzeigt. Auf dieser Basis will die Krankenkasse ihr langfristiges Engagement für einen wertschätzenden gesellschaftlichen Umgang miteinander stärken. Außerdem sollen Menschen, Medien und Unternehmen aufgeklärt und sensibilisiert werden.

Denn das Problem ist allgegenwärtig: So sind oder waren rund 60 Prozent der Menschen in Deutschland bereits von Diskriminierung oder Vorurteilen betroffen. Dabei weisen die Studienautoren darauf hin, dass Vorurteile selbst ein natürlicher psychischer Prozess sind und uns helfen, unsere komplexe Umwelt in Kategorien zu sortieren und somit schneller reagieren zu können. Diese „Schubladen“ werden jedoch schnell unflexibel und erzeugen generalisierte Bilder von Menschen, die wir bestimmten Gruppen zuordnen und entsprechend behandeln – eine Grundlage für diskriminierendes Verhalten. Während offene Anfeindungen seit den 1980er Jahren seltener geworden sind, nehmen subtilere Formen und Mobbing zu. Hier ist besonders die Veränderung der Kommunikation durch die sozialen Medien zu nennen, die als „enthemmte“ Räume Gelegenheit auch zu anonymen Handlungen bieten. Die Problematik von Vorurteilen und Diskriminierung ist den Befragten der Studie bewusst, wie die folgende Grafik zeigt:

© IKK classic

Die Verbreitung von Vorurteilen wird jedoch deutlich unterschätzt. So werden sie zwar bei der Hälfte aller Menschen vermutet, ein Fünftel der Befragten geht aber davon aus, dass weniger als 50 Prozent Vorurteile haben. Dabei geben durchschnittlich 40 Prozent an, gelegentlich vorurteilsbedingt zu handeln.

© IKK classic

Dabei haben selbst Betroffene häufig Schwierigkeiten, Diskriminierungen als solche zu erkennen. Bei offensichtlichen Handlungen wie Belästigung oder Körperverletzung oder Kontaktabbrüchen ist die Einordnung noch leicht, Benachteiligung bei der Job- oder Wohnungssuche oder sogenannte Mikroaggressionen führen dagegen oft zu großer Unsicherheit in der Wahrnehmung. Gerade letztere werden aber besonders häufig erlebt:

© IKK classic

Unsicherheit, Irritation, Scham und Hilflosigkeit sind oft die ersten Reaktionen auf das Erlebte. Die Fremdbestimmung durch die Reduzierung auf bestimmte Merkmale oder Zugehörigkeiten kann dann zu Minderwertigkeitsgefühlen und Selbstzweifeln führen, die in einer Angstspirale enden und die zwischenmenschliche Interaktion langfristig prägen. Schwächere Formen von Diskriminierung führen häufig auch zu Wut und Ungerechtigkeitsempfinden bei den Betroffenen, stärkere rufen eher Gefühle von Demütigung, Ausgrenzung und Entsetzen hervor. Positive Entwicklungen sind selten, auch wenn gerade Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund in der Studie angeben, durch das Erlebte „abgehärtet“ zu sein. Verdrängung und längerfristiges Vermeidungsverhalten in Bezug auf bestimmte Situationen oder Menschen prägen anschließend mehrheitlich den Umgang mit dem Erlebten.

© IKK classic

„Diskriminierung führt zu Rückzug führt zu Isolation führt zu Depression“ – diese Zwischenüberschrift der Studie spiegelt sich in den Ergebnissen wieder. So sind Menschen, die unter Diskriminierung leiden, zweieinhalb mal so oft von Depressionen betroffen wie Nicht-diskriminierte. Angststörungen kommen sogar 2,8-mal so häufig vor, Zusammenbrüche oder Burn-out gar 3,4-mal. Verständlicherweise folgt daraus oft ein grundsätzliches Krankheitsgefühl, die Lebenszufriedenheit und –qualität sinkt.

© IKK classic

Wie kann in dieser Situation neuer Halt, neue Stärke gefunden werden? Die Befragten nennen vor allem Partner, Familie und Freunde, aber auch die eigene Kraft – Selbstbehauptungswille, Durchsetzungskraft oder eigene Erfolge – sind eine wichtige Ressource. Zudem spielen Vorbilder sowohl im realen Leben als auch in den Medien eine Rolle, die auch beim Abbau von Vorurteilen helfen können: Sichtbare Diversität erweitert den Horizont dessen, was als „normal“ und als „fremd“ empfunden wird und regt zu Perspektivwechseln an. Im Sozialleben ist der Kontakt zu Menschen einer sozialen Gruppe, der wir mit Vorurteilen begegnen, der stärkste Hebel im Kampf gegen Vorurteile: Das Verfolgen gemeinsamer Ziele, beispielsweise in gemischten Arbeitsteams und mit entsprechender Unterstützung, stärkt diesen Effekt zusätzlich.

Die Ergebnisse dieser Studie sollen der Startschuss für ein langfristiges Engagement der IKK classic gegen Vorurteile und Diskriminierung sein. Dazu gehören neben den Maßnahmen, die bereits jetzt für Betroffene angeboten werden – wie eine 24 Stunden-Hotline oder die Unterstützung bei der Therapeutensuche – die gesellschaftliche Sensibilisierung und die Entwicklung weiterer Maßnahmen. Denn es sollen nicht nur die Symptome, sondern vor allem die Ursachen bekämpft werden – damit es uns allen gemeinsam besser geht.

Die gesamte Grundlagenstudie des rheingold Instituts im Auftrag der IKK classic finden Sie hier:

www.ikk-classic.de/gesund-machen/vorurteile-machen-krank

Geringer Krankenstand – hohe psychische Belastung: Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse nach einem Jahr Corona-Pandemie

Mehr als ein Jahr hat die Corona-Pandemie Deutschland schon im Griff und beeinflusst maßgeblich das Leben der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen wieder viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben wurden, zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse», dass der Dauerlockdown bei den Menschen Spuren hinterlassen hat.

Für die Ergebnisse des Gesundheitsreports wurden die Arzneimittelverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitut Forsa, welche 1.000 Menschen im Mai 2020 und März 2021 telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt haben, mit in die Auswertung einbezogen.

Im März dieses Jahres fühlten sich demnach 42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stark oder sogar sehr stark von der Corona-Situation belastet. Ein Jahr zuvor bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent.  Auffällig ist, dass sich vor allem die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überproportional mehr durch die Corona-Pandemie belastet fühlten als die durchschnittliche Bevölkerung. Fehlende persönliche Treffen mit Verwandten oder Freunden und Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken, wurden als Hauptbelastungsfaktoren empfunden. Bei Berufstätigen wurde zudem auch häufig über vermehrten Stress am Arbeitsplatz berichtet.

Besonders gestresst fühlten sich Eltern mit mindestens einem Kind, die im Home Office arbeiten. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe gaben im März an, stark oder sehr stark durch die Pandemie belastet zu sein. Bei der ersten Erhebung im Mai 2020 waren es 45 Prozent. Berufstätige im Home Office ohne Kinder fühlten sich hingegen weniger gestresst. An beiden Befragungszeitpunkten gaben nur 31 Prozent der Beschäftigten an, stark oder sehr stark durch die Corona-Situation belastet zu sein. Von den Berufstätigen, welche in Präsenz arbeiten, gaben knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an durch die Pandemie belastet zu sein. Das gilt sowohl für die Beschäftigten mit als auch diejenigen ohne Kinder.

Essentiell ist daher weiterhin das Schaffen einer gesunden Arbeitsumgebung, ob im Büro oder im Home Office. Unternehmen können sich dabei auch von der TK Unterstützung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements holen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dabei geht es nicht nur um einen ergonomischen Arbeitsplatz und eine reibungslose IT. Die viel größere Herausforderung ist es, auch auf die Entfernung eine wertschätzende, vertrauensvolle und transparente Arbeitskultur zur verankern. Das sind entscheidende Faktoren für Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die zunehmende Belastung in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie wurde auch von einer Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität Chemnitz, die in Kooperation mit der TK durchgeführt wurde, festgestellt. Die sozialen und beruflichen Herausforderungen haben den Stress der Menschen dauerhaft erhöht; gleichzeitig war es durch die Maßnahmen im Lockdown kaum möglich, die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Reisen, Sport- und Kulturveranstaltungen oder Treffen im Freundeskreis. Laut Studienleiter Professor Dr. Bertholt Meyer» kann dieses Ungleichgewicht auf Dauer zur Erschöpfung und in schweren Fällen zum Burnout führen. Auch Angebote zu Stressmanagement und individueller Ressourcennutzung sind Bestandteil eines umfassenden und nachhaltigen Gesundheitsmanagements in Unternehmen und helfen bei der Prävention von Erschöpfungszuständen.

AOK-Pflege-Report 2021: Belastung von Pflegekräften durch Corona weiter gestiegen

Kranken- und Altenpflege sind auch unter normalen Umständen herausfordernde Berufe: große Verantwortung, Schichtdienst und hoher Arbeitsdruck verstärken vorhandene Belastungen, sodass krankheitsbedingte Fehlzeiten häufig sind. Der neue Pflege-Report der AOK» zeigt nun, wie diese während der COVID-19-Pandemie zugenommen haben.

Corona führte einerseits zu erhöhtem Pflegeaufwand für schwer gefährdete oder bereits erkrankte Personen, andererseits zu einem hohen Risiko, sich selbst zu infizieren. Krankheits- oder risikobedingte Ausfälle bedeuteten zusätzlich eine weiter erhöhte Arbeitsverdichtung und –belastung. Die sogenannte erste Welle der Pandemie ist daher auch an den Arbeitsunfähigkeitstagen abzulesen: im März 2020 lagen diese für Pflegekräfte durchschnittlich 4,7 Tage höher, im April immer noch etwa 2,1 Tage.

Die AOK nennt neben Berufen in der Kinderbetreuung und –erziehung, die trotz Lockdown-Maßnahmen weiterhin Kontakt zu vielen Menschen hatten, die verschiedenen Bereiche der Pflege als am meisten Betroffene von COVID-19-Diagnosen: für die Altenpflege vermerkt der Report 2.083 Erkrankte pro 100.000 Versicherte, für die Gesundheits- und Krankenpflege 2.016 und für die Fachkrankenpflege 1.905. Der Durchschnitt aller Berufe liegt bei 1.183 Erkrankten pro 100.000 Mitgliedern.

Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist während der Pandemie weiter angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Vorjahren. Dennoch liegt sie weiterhin weit über dem Durchschnitt, wie sich anhand der Arbeitsunfähigkeitstage zeigt. Durchschnittlich fehlen Pflegekräfte 5,8 Tage pro Jahr aufgrund von psychischen Erkrankungen, für andere Berufe sind es nur 3,0 Tage.

In Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zeigt sich laut Pflege-Report ein deutlicher Unterschied zwischen größeren und kleineren Häusern: während erstere die entsprechenden Strukturen und Ressourcen vorhalten können und entsprechend aufbauen und weiterentwickeln, habe für kleinere Unternehmen das Tagesgeschäft oft Vorrang. Gerade während der Pandemie seien aber insgesamt viele Angebote zurückgestellt worden, wobei die Beschäftigten besonders BGF-Angebote zur Stressbewältigung oder Resilienz sowie psychosoziale Unterstützung nachfragen. Auch Führungskräfte wünschen sich laut Report mehr Unterstützung, unter anderem zu gesunder Führung, Kommunikation sowie Maßnahmen zur Förderung der Teamarbeit. Die Studie leitet daraus verschiedene Handlungsempfehlungen ab, darunter die vermehrte Form hybrider Formen der psychosozialen Entlastung, die bessere Unterstützung und Vorbereitung von Führungskräften sowie die Beteiligung von Pflegekräften an der Entwicklung digitaler oder hybrider Angebote, um diese passgenau aufzubauen. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten – das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle.

Das Handwerk ist gesund

Eine aktuelle Studie der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigen, dass Handwerker*innen auch abseits vom Beruf aktiv und gesund leben. Der Ausgleich und gute Ressourcen im Arbeitsleben ermöglichen eine hohe Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden.

Seltenes Sitzen, gesundes Essen und viel Bewegung: Handwerker*innen sind auch abseits der Arbeit aktiv unterwegs und leben gesund. Das zeigt die aktuelle Studie» der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule Köln. Insgesamt 2.000 Personen deutschlandweit wurden dabei auf ihre psychische und körperliche Gesundheit untersucht. Die Ergebnisse» haben auch Studienleiter Professor Ingo Froböse überrascht: „Unbestritten ist das Handwerk einer der körperlich anspruchsvollsten Berufszweige – umso mehr hat es mich begeistert, dass dies nicht zu weniger Sport und körperlicher Aktivität in der Freizeit führt. Ganz im Gegenteil: Handwerkerinnen und Handwerker bewegen sich viel. Und sie nutzen Sport und Bewegung als Ausgleich zu ihrem bereits körperlich anstrengenden Alltag.“

So geben über 40% der Befragten an, sich zum Stressabbau sportlich zu betätigen oder an die frische Luft zu gehen, auch Familienzeit oder Hobbies wie Gartenarbeit stehen mit 25 bzw. 23% hoch im Kurs. Passive Erholungsarten wie Fernsehen, Lesen oder Computerspiele sind dagegen nicht so beliebt. Zusätzlich ziehen Handwerkerinnen und Handwerker Kraft aus einer hohen Arbeitszufriedenheit: 92% empfinden ihren Beruf als sinnhaft, 85% sind stolz auf ihren Beruf. Auch die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit sowie die starke Wertschätzung, die ihnen von Kund*innen entgegengebracht wird, tragen stark dazu bei. Insgesamt sind Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden deutlich höher als im Durchschnitt der deutschen Gesamtbevölkerung, auch mitten in der Corona-Pandemie.

Zusätzlich stellt die Studie ein hohes Gesundheitsbewusstsein der Befragten fest, dem allerdings selten entsprechende Angebote der Betriebe gegenüberstehen: 73% gaben an, dass keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung durchgeführt werden. IKK-Vorstand Kai Swoboda findet die Ergebnisse der Umfrage ermutigend: „Dieses Ergebnis motiviert uns, das Handwerk noch stärker für die Betriebliche Gesundheitsförderung zu sensibilisieren und zu zeigen, wie erfolgreich diese Maßnahmen sein können.“

„Mittelstand im Mittelpunkt“: Studie zeigt aktuelle Herausforderungen

Eine repräsentative Umfrage» der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken hat die aktuellen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand erhoben. Zwar ist die Pandemie natürlich noch nicht vorbei, die Unternehmen schauen jedoch überwiegend positiv in die Zukunft: so ist die Investitionsneigung mit 77% mittlerweile höher als das Vorkrisenniveau, nachdem sie zwischenzeitlich auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen war.

Außerdem planen 27% der befragten Mittelständler im nächsten halben Jahr Einstellungen. Vorreiter sind die Elektroindustrie mit 44% und die Kunststoffindustrie mit 33%. Der gesamte Mittelstand hatte im letzten Jahr überwiegend Personal abgebaut, 9% der Betriebe planen das auch weiterhin; vor allem die Agrarbranche setzt weiterhin auf Stellenabbau. Dennoch ist hier eine deutlich optimistischere Zukunftsstimmung zu sehen.

Diese zieht allerdings weitere Herausforderungen nach sich, namentlich den Fachkräftemangel: 73% der mittelständischen Unternehmen sorgen sich um die Einstellungsmöglichkeiten qualifizierter Mitarbeiter*innen, insbesondere Baubranche, Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie. Weitere Problemfelder sind die Bürokratie, deren Anstieg laut Studienautor*innen vor allem auf die aufwändige Beantragung der staatlichen Corona-Hilfen zurückgehen dürfte, sowie steigende Rohstoff-, Material- und Energiekosten. Verantwortlich dafür sind globale Verknüpfungen: steigende Preise, höhere Transportkosten und Engpässe bei Vorprodukten.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert einen stärkeren Bürokratieabbau», zuletzt angesichts der Vorstellung der Konjunkturprognose durch das ifo-Institut.

©DZ Bank und BVR

Bitkom-Studie: Wunsch nach Home Office bleibt

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich eine Pflicht zum Home Office für geeignete Tätigkeiten bis zum vollständigen Ende der Pandemie wünscht. 51 Prozent wollen auch darüber hinaus ganz oder teilweise von zuhause aus arbeiten. Die verschärften Regelungen dazu, die im Januar im Zuge des Corona-Lockdowns beschlossen wurden, haben demnach nicht nur zu einer höheren Zahl an Home Office-Arbeitenden geführt – während es Ende 2020 noch 45 Prozent waren, waren es Ende Mai schon 58 Prozent – sondern auch die Akzeptanz bei den Beschäftigten verstärkt.

Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen sich noch stärker in die Weiterentwicklung flexibler Arbeitsweisen einbringen können. So wird die technische Ausstattung des Home Office von 45 Prozent der Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt, was zu Beginn der Pandemie für einen reibungslosen Ablauf der Umstellung die unkomplizierteste Lösung war, darüber hinaus aber eine finanzielle und organisatorische Mehrbelastung für Beschäftigte darstellt. Zudem besteht jedes dritte Unternehmen nachdrücklich auf Präsenzarbeit, trotz entsprechender Anordnung und technischer Möglichkeit.

Mit entsprechender organisationaler Einbindung in die Unternehmensabläufe, Unterstützung bei der Einrichtung und bei der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit können Home Office und andere Formen von remote work auch über den konkreten Schutz in der Pandemie hinaus zu flexibleren Arbeitsformen und einer besseren Work-Life-Balance beitragen. Nicht nur Arbeitgeber und Beschäftigte müssen dafür vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch steuerliche Anreize, wie von Bitkom-Präsident Achim Berg vorgeschlagen, können zu weiterer Akzeptanz und besseren Bedingungen beitragen.

Gesundheitskompetenz und Corona

Das Leben in einer modernen Informations- und Wissensgesellschaft erfordert die tägliche Filterung von relevanten Fakten aus einer riesigen Flut an Wissen und Informationsquellen. Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie spielen die Informationen zu Gesundheitsthemen, wie beispielsweise gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, Krankheitssymptome oder Behandlungsmöglichkeiten und Therapien eine zunehmend größere Rolle. Das Interdisziplinäre Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) und die Universität Bielefeld haben in diesem Zusammenhang eine repräsentative Bevölkerungserhebung zur Gesundheitskompetenz in Deutschland und eine Zusatzbefragung zur Gesundheitskompetenz vor und während der Corona-Pandemie durchgeführt.

Im Vergleich zu der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2014 konnte in der HLS-GER 2 und auch der Zusatzstudie HLS-GER 2 eine gesamtdeutsche Verschlechterung der Gesundheitskompetenz festgestellt werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (58,8%) besitzt demnach eine geringe Gesundheitskompetenz. Allerdings konnte dieser Wert im Laufe der Corona-Pandemie leicht nach unten korrigiert werden.
Die Studie zeigt außerdem eine soziale Ungleichverteilung der Gesundheitskompetenz und bekräftigte die Bedeutung vulnerabler Gruppen. Besonders deutlich werden die Unterschiede im Bereich der navigationalen Gesundheitskompetenz, also dem Umgang mit der Organisation des Gesundheitssystems, der Verständlichkeit von Reformen, sowie Patientenrechten und Qualitätsfragen. Aufgrund dieser Ergebnisse steigt die Bedeutung von differenzierten und zielgruppengerechten Interventionskonzepten.

Im Zuge der Informationsverarbeitung stellt die Beurteilung von Informationen die Menschen vor die größte Herausforderung. Die zunehmende Anzahl an Gesundheitsinformationen, aber auch an Fehl- und Falschinformationen, bedeutet daher eine zunehmende Schwierigkeit. Im Laufe der Corona-Pandemie verbesserte sich die Einschätzung der Befragten in diesem Bereich am meisten, befindet sich jedoch immer noch auf einem kritischen Niveau. Neben der Beurteilung wird auch das Auffinden von Informationen zur Gesundheitsförderung, aber auch beispielsweise zu notwendigen Auffrischungen von Impfungen oder die Verständlichkeit von Beipackzetteln als schwierig eingeschätzt.

Einen großen Entwicklungsrückstand zeigte die Studie im Bereich der digitalen Gesundheitskompetenz. Während die Beurteilung von digitalen Informationen vor der Corona-Pandemie als sehr schwierig eingeschätzt wurde und die Nutzung digitaler Angebote nur einen kleinen Anteil ausmachte, verbesserte sich die digitale Gesundheitskompetenz durch die Pandemie leicht. Dennoch gilt es hier, Möglichkeiten der Intervention zu nutzen, um den Anforderungen der zunehmenden Digitalisierung gerecht zu werden.

Die HLS-GER 2 und die Zusatzstudie HLS-GER 2 zeigen einen dringenden politischen Handlungsbedarf hinsichtlich der Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Dabei wird besonders deutlich, dass die umfangreiche Nutzung verschiedenster Kanäle zur Streuung von Gesundheitsinformationen durchaus wirksam ist, sofern eine passgenaue Zielgruppenansprache erreicht wird. Diese Erkenntnisse aus der Pandemiezeit sollten auf die zukünftige barrierefreie, zielgruppengerechte, verständliche und zuverlässige Gestaltung von Maßnahmen übertragen werden.

Personalmanagement in Familienunternehmen: Stark auch während Corona

Die Stiftung Familienunternehmen hat eine »zweijährige Forschungsarbeit zum Abschluss gebracht, die sich mit Recruiting, Arbeitsbedingungen und Weiterbildung von Beschäftigten in Familienbetrieben auseinandersetzt. Dabei zeigt sich die gute Arbeitsatmosphäre als größter Vorteil.

Für die Studie der gemeinnützigen Stiftung haben Wissenschaftler*innen der Technischen Universität München über 5.000 Personen befragt, darunter Bewerber*innen, Mitarbeiter*innen, Personalverantwortliche und Geschäftsführer*innen. Neben der Arbeitsatmosphäre und dem Teamgeist werden auch die Möglichkeiten zum eigenverantwortlichen Arbeiten sowie die flachen Hierarchien von Familienunternehmen positiv hervorgehoben. Gegenseitiges Vertrauen zwischen dem Unternehmen und potenziellen Bewerber*innen wird laut der Arbeit vor allem durch die Wertekongruenz mit der Eigentümerfamilie geschaffen, für die diese mit ihrem Namen steht. Diese persönliche Beziehung könne zwar auch Konfliktpotential mit sich bringen, insgesamt aber sehen die Befragten sie als Vorteil.

Diese Einschätzung findet Bestätigung in den vielen Aktionen von familiengeführten Unternehmen während der Corona-Pandemie: so »weist der Geschäftsführer der Stiftung Familienunternehmen, Stefan Heidbreder, auf die eingerichteten Solidaritätsfonds für die Beschäftigten und auf aufgestockte Kurzarbeitsgelder hin. Auch die persönliche Entwicklung komme nicht zu kurz, das habe man aus der Finanzmarktkrise 2008 gelernt: das weitere Verfolgen nachhaltiger Personalpolitik auch unter widrigen Bedingungen sichere einen besseren Start, wenn es wieder aufwärts geht.