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„Wir legen den Schalter auf ON!“

prevent.on bietet bereits seit über zwanzig Jahren stetig weiterentwickelte Gesundheitsdienstleistungen an und arbeitet dafür mit einem Netzwerk aus über 800 Ärzt*innen, Therapeut*innen und Coaches zusammen. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Dr. Nadine Schuster und Dr. Jochen Haack über die Vollbremsung durch die Pandemie, die nachhaltige Pflege des Immunsystems und die digitale Weiterentwicklung von prevent.on.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Ich differenziere diesen Zeitraum einmal in „Beginn der Pandemie“ und „weiterer Verlauf der Pandemie“. Meine größte Herausforderung zu Beginn der Pandemie war es, mit der radikalen Vollbremsung des privaten und öffentlichen Lebens zurechtzukommen. Von heute auf morgen war der Kindergarten geschlossen, durften wir unsere Eltern und Großeltern nicht mehr besuchen, kamen die Patient*innen nicht mehr in die Praxis, fanden Meetings nur noch virtuell statt. Auch für mich, einen Menschen, der mit Veränderungen gut umgehen kann, sie sogar unbedingt im Leben braucht, war diese erste Phase der Pandemie eine Herausforderung. Vor allem deswegen, weil die zeitliche Planbarkeit in Frage gestellt war. Wie lange wird das so sein? Ein paar Wochen? Monate? Vielleicht für immer? Im Verlauf dieser Pandemie wurde mir zudem bewusst, wie unterschiedlich die Menschen mit dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung umgehen, wie wichtig Sicherheit für viele ist und wie vermeintlich gering die Risikokompetenz in unserer Bevölkerung ausgeprägt ist. Das war vielleicht mein größter Lernprozess und auch einer, der in die Weiterentwicklung unserer Dienstleistungen mit eingeflossen ist. Denn die letzten 12 Monate haben uns gezeigt, dass gewisse Risiken im Leben nicht unbedingt vorhersehbar sind und wir dennoch damit umgehen müssen.

Dr. Nadine Schuster, Geschäftsführerin von prevent.on

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war Ihr Umgang mit der Pandemie? Hat sich Ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Wir haben das Motto „Jetzt erst recht!“ für uns verinnerlicht – oder mit unserem Slogan gesprochen: „Wir legen den Schalter auf „ON“. Wir haben schnell zu Beginn der Pandemie mit unseren Kund*innen Kontakt aufgenommen und die Bedürfnisse oder besonderen Herausforderungen erfragt. Durch die Verbote der Dienstreisen der Firmen gab es im medizinischen Bereich natürlich zunächst weniger Untersuchungen an unseren Standorten. Nach Aufhebung dieser Verbote wurde der Checkup auch vor dem Hintergrund der Identifikation eigener Risikofaktoren wieder vermehrt in Anspruch genommen. Auch hier zählt wieder unser Motto „Schalter auf ON umlegen“: was kann ich heute dafür tun, damit ich mich fit und resilient mache? Das heißt natürlich nicht, dass ich durch meinen Lebensstil eine Erkrankung komplett vermeiden kann. Aber ich kann meinen Beitrag zu einer besseren Immunkompetenz und zu einer optimistischen Lebenseinstellung leisten.

Und hier spielt ein anderer wichtiger Aspekt eine Rolle, denn der psychomentale Bereich, der andere Schwerpunkt der prevent.on GmbH, hat in den vergangenen mittlerweile 15 Monaten einen besonderen Zulauf erfahren. Menschen haben aufgrund der Pandemie Angehörige verloren, der Arbeitsplatz ist oder war bedroht, sie haben eine Covid-19-Erkrankung überstanden und waren auf Intensivstation, sie haben eine Verschlimmerung einer vorhandenen depressiven Erkrankung erfahren und so weiter. Die Pandemie wirkte wie ein Brennglas für die Entstehung oder Beschleunigung von psychomentalen Beanspruchungsfolgen und hat uns darin bestärkt, mit unseren Angeboten für Firmen und Krankenkassen auf dem richtigen Weg zu sein. Mit einigen unserer Bestandskund*innen aus dem Checkup-Bereich haben wir schnelle psychologische Unterstützungsangebote für Mitarbeiter*innen ins Leben gerufen und unsere bundesweit über 850 Psychotherapeut*innen aktiviert, schnell und unkompliziert Beratung und Therapie zur Verfügung zu stellen. So konnten wir unmittelbar reagieren und in manchen Fällen Chronifizierung vorbeugen.

Wir decken als Unternehmen mit unserem Portfolio einige aktuelle Bedarfe von Unternehmen im Bereich Gesundheit ab. Die Pandemie hat zudem ein Brennglas auf den Megatrend der Digitalisierung gelegt – und auch wir haben unser Portfolio in diesem Kontext angepasst. Ab Januar 2021 gibt es einen rein digitalen Checkup für Mitarbeiter*innen aus Unternehmen jeglicher Größe. Dies ist zum einen ökonomisch für viele Firmen sinnvoll, zum anderen löst es auch Probleme, die durch Themen wie zeitliche und räumliche Flexibilisierung der Arbeit neu aufgetreten sind.

Und abschließend: wir haben uns auch als Organisation neu aufgestellt. Wir sind gewachsen, haben Mitarbeiter*innen eingestellt, unsere Prozesse optimiert, um noch schneller auf kundenseitige Veränderungen reagieren zu können. Wir haben mittlerweile eine Tugend aus der virtuellen Kommunikation gemacht und „sehen“ uns seither sogar häufiger als vorher, da wir an unterschiedlichen Standorten arbeiten. Aber dieser Prozess hat am eigenen Leib die Herausforderungen großer Unternehmen gezeigt: die Corona-Pandemie hat Homeoffice zunächst zur Regel erklärt, aber den individuellen Umgang damit offen gelassen. Die völlige Entgrenzung der Arbeit, die sich schon seit einigen Jahren anbahnte, hat in den letzten 15 Monaten den Zenit erreicht und deutlich gemacht, wie unterschiedlich Menschen darin sind, Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu brauchen oder sogar gänzlich ablehnen. „Führen und geführt werden im digitalen Zeitalter“ und deren Auswirkungen wurde schneller als gedacht zur Hauptaufgabe der Unternehmen und wird uns noch lange beschäftigen.

Dr. Jochen Haack, Geschäftsführer von prevent.on

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Die Corona-Pandemie hat unsere Kernkompetenz als Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen tangiert, denn Stress und Belastungen, und dazu gehören auch die verschiedenartigen beruflichen und privaten Belastungsfaktoren im Rahmen der Corona-Pandemie, können dazu beitragen, dass unser Immunsystem anfällig wird für Infektionen. Ein starkes Immunsystem wiederum kann dazu beitragen, dass die Chance einer Infektion geringer ist und dass eine allfällige Infektion weniger schwerwiegend verläuft. Die eigenen Abwehrkräfte können mit verschiedenen Maßnahmen gestärkt werden: Eine ausgewogene Ernährung mit einer genügenden Aufnahme von Flüssigkeit wird bereits breit empfohlen. Daneben gibt es weitere vorbeugende Maßnahmen, die im Alltag helfen können, das Immunsystem gesund zu erhalten: kein Vitamin D-Mangel, mäßiger Alkoholkonsum, nicht Rauchen, ausreichend Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, und genügend Schlaf sind für ein gesundes Immunsystem ebenso wichtig. Des Weiteren sollte auch lange andauernder (chronischer) Stress vermieden werden. Diese Tipps für einen gesunden Lebensstil gelten nicht nur für die Stärkung des Immunsystems, sondern sind auch zur Prävention von nicht übertragbaren Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder Krebs wirksam.

Und hier liegt die Stärke von prevent.on: Schon vor der Pandemie waren die Identifikation von Risikofaktoren zur Ausbildung von körperlichen und psychischen Erkrankungen und die Stärkung von Schutzfaktoren unsere täglichen Arbeitsschwerpunkte. Wir führen an mittlerweile 9 Checkup-Standorten und in über 850 psychotherapeutischen Praxen Untersuchungen und Beratungen auf höchstem Niveau durch und sind Experten in Stärkung individueller und organisationaler Resilienz. Resilienz heißt, nach widrigen Erfahrungen der Vergangenheit wieder aufzustehen und positive Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Unsere Haltung der Ressoucenorientierung macht uns zu wichtigen Partnern für unsere Kundenunternehmen, gerade weil es jetzt um die Übertragung von „Lessons learned“ auf die Zukunft geht.

 

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Zwei große Projekte, die beide mit dem Megatrend der Digitalisierung bzw. Konnektivität zu tun haben, stehen in der Pipeline. Die Pandemie bietet die Grundlage für zahlreiche Veränderungen: Möglicherweise werden wir weiterhin vermehrt mobiler arbeiten, dabei weniger reisen und uns somit häufiger in einer Videokonferenz besprechen. Wir haben uns vielleicht auch in einigen Bereichen an das Online-Shopping gewöhnt und können uns gut damit identifizieren, dass wir uns im wahrsten Sinne des Wortes in virtuellen Räumen bewegen, um Sport zu treiben. Alles wird digitaler und exakt diese Digitalisierung ermöglicht es uns, gewisse Dinge zu vereinfachen.

Zum einen möchten wir unsere Kund*innen und Klient*innen zukünftig smart und komfortabel durch den prevent.on-Checkup führen: Von der Einladung über die Terminauswahl, der Beantwortung von Fragen zu der medizinischen und psychischen Gesundheit bis zur Ergebnisdarstellung wird alles digital stattfinden. Auch die Nachverfolgbarkeit vereinbarter Ziele und die Darstellung von Veränderungen über die verschiedenen Checkups werden Bestandteil des neuen prevent.on-Gesundheitsportals sein.

Wir stehen zum anderen kurz vor dem Launch unseres rein digitalen Checkups, worauf wir schon gespannt sind und auf dessen Markteinführung wir uns sehr freuen! Was erwartet die Kund*innen bei einem (fast) rein digitalen Checkup? Die Klient*innen erhalten von ihrem Arbeitgeber einen anonymisierten Code, loggen sich mit diesem in unser System ein, registrieren sich und füllen zunächst zwei Fragebögen mit medizinischen und psychologischen Fragen aus. Sie drucken sich im Anschluss einen Voucher aus und vereinbaren einen Termin mit ihrem Betriebs-oder Hausarzt, um körperlich untersucht zu werden und diagnostisch und präventivmedizinisch wichtige Werte zu ermitteln (Blutabnahme, Blutdruck, Größe, Gewicht, Bauchumfang). Der Arzt schickt diese Werte zurück an prevent.on. Der Klient vereinbart darauf online ein telemedizinisches Abschlussgespräch mit einem Gesundheitsberater, bei dem die Ergebnisse der Fragebögen, eventuellen „red flags“ und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung besprochen sowie Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Der Klient hat jederzeit Zugang zu seinen Ergebnissen und erhält in seinem Bereich Tipps und Tricks zur Verhaltensänderung. Hier schließt auch unsere Vision für die kommenden Jahre an: wir wollen der Veränderungsbegleiter für unsere Kundenunternehmen und Klient*innen sein und die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie in eine gesunde Zukunft tragen. Wir wollen Menschen und ganze Unternehmen in ihrer Gesundheit stärken, Führungskräfte zu gesunden Vorbildern entwickeln, sowohl in ihrer Haltung als auch in ihrem Verhalten. Dazu investieren wir gerade in den extrem spannenden Bereich der Künstlichen Intelligenz, um noch besser und individueller diagnostizieren und beraten zu können.

 

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Ein Klient sagte zu einer meiner Mitarbeiter*innen an unserer Hotline, die sich um die schnelle Vermittlung in Psychotherapie oder Beratung kümmert, folgendes: „Endlich habe ich eine Beratung gefunden, die mir hilft. Ich kann mich sortieren, habe wieder den Eindruck „hinter dem Ball zu sein“ und das Spiel mitzugestalten. Ich kann mich wieder konzentrieren und bin zuversichtlich, dass ich die Herausforderungen meistern werde. Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich einen Termin bei einer Psychologin. Ich bin froh, dass mein Arbeitgeber das ermöglicht. Naja, er hat ja auch etwas davon 😊.“