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Verlängerung des Lockdowns: Wie geht es weiter?

Der Bund-Länder-Gipfel hat beschlossen, den Lockdown bis zum 7. März zu verlängern, um die Infektionen mit dem Coronavirus weiter einzudämmen. Dennoch gibt es Ausnahmen. Was kommt jetzt auf die Unternehmen zu?

Vieles bleibt zunächst, wie es ist. Die einzige flächendeckende Ausnahme bilden Friseursalons, die mit entsprechenden Hygienemaßnahmen bereits zum 1. März wieder öffnen dürfen. Weitere körpernahe Dienstleistungen bleiben jedoch weiterhin untersagt. Ab einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen sollen aber auch diese sowie der Einzelhandel, Galerien und Museen wieder öffnen dürfen.

Einige Bundesländer haben zudem eigene Regelungen angekündigt; so will Schleswig-Holstein auch Zoos und Gartenbaucenter sowie bestimmte Sportmöglichkeiten zum 1. März öffnen, Niedersachsen will bereits zum 13. Februar – rechtzeitig zum Valentinstag – Blumenläden und Gartencenter den Betrieb wieder erlauben.

Für Hotels und Gastronomie gibt es bisher keine weiteren Ankündigungen; private und geschäftliche Reisen sollen weiterhin so stark wie möglich eingeschränkt werden, Arbeitgeber*innen sollen, wo immer möglich, Home Office ermöglichen.

Über die Präsenzangebote von Schulen und Kindergärten treffen die Bundesländer eigene Regelungen.

Welche Folgen hat der „Lockdown light“ für Unternehmen in Deutschland?

Mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass wir uns mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie befinden. Mit 15.000 Corona-Neuinfektionen meldete das Robert-Koch-Institut im Oktober sogar den bislang höchsten Wert während der gesamten Pandemie. Ab dem 2. November steht uns nun der „Lockdown light“ bevor, den Bund und Länder am Mittwoch beschlossen» haben. Dieser beinhaltet weitreichende Beschränkungen für das gesamte gesellschaftliche Leben. Insbesondere Unternehmen sind von den Maßnahmen stark betroffen.

Beschlüsse des Bund-Länder-Gipfels

Da, wo es möglich ist, sollen Mitarbeiter*innen ins Home Office geschickt werden. Kulturelle Einrichtungen wie Theater, Opern, Konzerthäuser, Clubs und Kinos, aber auch Fitnessstudios, Restaurants und Bars müssen zunächst bis Ende November schließen, um durch die Kontakteinschränkungen die Pandemie einzudämmen; Gastronom*innen dürfen immerhin noch Essen zum Mitnehmen anbieten. Auch wenn den Unternehmen zugesagt wurde, dass sie 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 als Entschädigung von der Bundesregierung erhalten, sind die Maßnahmen sehr umstritten. Schließlich kann niemand vorhersagen, ob die Maßnahmen Ende November tatsächlich fruchten oder eine Verlängerung des Lockdowns erforderlich ist.

So sprachen sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Virologen Streeck und Chanasit in einem gemeinsamen Positionspapier gegen einen Lockdown und schärfere Maßnahmen» aus. Stattdessen sollte auf Eigenverantwortung und Kontrolle der Einhaltung der Maßnahmen gesetzt werden. Die Schutzmaßnahmen sollten sich nur auf Risikogruppen konzentrieren und nicht nach dem Gießkannenprinzip erfolgen.

Unternehmen stark von der Pandemie betroffen

Vor einigen Tagen veröffentlichte die staatliche Förderbank KfW ihr jährliches Mittelstandspanel», bei dem ein düsteres Fazit für die kleinen und mittelständischen Unternehmen in Deutschland gezogen wurde.

Die Corona-Krise hinterlässt nicht nur tiefe Spuren in den Bilanzen mittelständischer Firmen, sondern hat auch Folgen für die Beschäftigung: mehr als eine Million Jobs stehen infolge der Pandemie auf dem Spiel. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Untersuchung der KfW. Demnach planen 16 Prozent der kleinen und mittleren Firmen in diesem Jahr die Zahl der Mitarbeiter*innen zu reduzieren, um Kosten zu senken. Die Zahl der Erwerbstätigen im Mittelstand könnte um rund 3,3 Prozent abnehmen – dies würde einem Verlust von fast 1,1 Millionen Arbeitsplätzen entsprechen.

Noch im vergangenen Jahr hatten die etwa 3,8 Millionen mittelständischen Firmen sowohl Umsatz als auch Mitarbeiter*innenzahl steigern können. Die Zahl der Beschäftigten erreichte der KfW zufolge mit 32,3 Millionen einen historischen Höchststand und die Umsätze stiegen im Vergleich zu 2018 um 3,5 Prozent.

Aktuelle Betroffenheit im Mittelstand durch die Corona-Krise
(Stand: 14. September 2020)

In einer aktuellen Sondererhebung der KfW, die von April bis September durchgeführt wurde, wird zudem deutlich, dass die Unternehmen auch ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie und dem ersten Lockdown mit den wirtschaftlichen Konsequenzen zu kämpfen haben.

Psychische Belastungen für Mitarbeiter*innen

Für viele Unternehmen und deren Mitarbeiter*innen dürfte der erneute Lockdown eine große psychische Belastung darstellen. In den vergangenen Monaten waren ganze Branchen damit beschäftigt, sich von den ersten Lockdown-Maßnahmen einigermaßen zu erholen und nun stehen die gleichen Probleme aus dem Frühjahr erneut bevor. Für viele Unternehmensinhaber*innen und deren Mitarbeiter*innen bedeutet dies Existenzängste und Unsicherheit, wie es beruflich in den kommenden Wochen weitergehen wird.