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AOK-Pflege-Report 2021: Belastung von Pflegekräften durch Corona weiter gestiegen

Kranken- und Altenpflege sind auch unter normalen Umständen herausfordernde Berufe: große Verantwortung, Schichtdienst und hoher Arbeitsdruck verstärken vorhandene Belastungen, sodass krankheitsbedingte Fehlzeiten häufig sind. Der neue Pflege-Report der AOK» zeigt nun, wie diese während der COVID-19-Pandemie zugenommen haben.

Corona führte einerseits zu erhöhtem Pflegeaufwand für schwer gefährdete oder bereits erkrankte Personen, andererseits zu einem hohen Risiko, sich selbst zu infizieren. Krankheits- oder risikobedingte Ausfälle bedeuteten zusätzlich eine weiter erhöhte Arbeitsverdichtung und –belastung. Die sogenannte erste Welle der Pandemie ist daher auch an den Arbeitsunfähigkeitstagen abzulesen: im März 2020 lagen diese für Pflegekräfte durchschnittlich 4,7 Tage höher, im April immer noch etwa 2,1 Tage.

Die AOK nennt neben Berufen in der Kinderbetreuung und –erziehung, die trotz Lockdown-Maßnahmen weiterhin Kontakt zu vielen Menschen hatten, die verschiedenen Bereiche der Pflege als am meisten Betroffene von COVID-19-Diagnosen: für die Altenpflege vermerkt der Report 2.083 Erkrankte pro 100.000 Versicherte, für die Gesundheits- und Krankenpflege 2.016 und für die Fachkrankenpflege 1.905. Der Durchschnitt aller Berufe liegt bei 1.183 Erkrankten pro 100.000 Mitgliedern.

Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist während der Pandemie weiter angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Vorjahren. Dennoch liegt sie weiterhin weit über dem Durchschnitt, wie sich anhand der Arbeitsunfähigkeitstage zeigt. Durchschnittlich fehlen Pflegekräfte 5,8 Tage pro Jahr aufgrund von psychischen Erkrankungen, für andere Berufe sind es nur 3,0 Tage.

In Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zeigt sich laut Pflege-Report ein deutlicher Unterschied zwischen größeren und kleineren Häusern: während erstere die entsprechenden Strukturen und Ressourcen vorhalten können und entsprechend aufbauen und weiterentwickeln, habe für kleinere Unternehmen das Tagesgeschäft oft Vorrang. Gerade während der Pandemie seien aber insgesamt viele Angebote zurückgestellt worden, wobei die Beschäftigten besonders BGF-Angebote zur Stressbewältigung oder Resilienz sowie psychosoziale Unterstützung nachfragen. Auch Führungskräfte wünschen sich laut Report mehr Unterstützung, unter anderem zu gesunder Führung, Kommunikation sowie Maßnahmen zur Förderung der Teamarbeit. Die Studie leitet daraus verschiedene Handlungsempfehlungen ab, darunter die vermehrte Form hybrider Formen der psychosozialen Entlastung, die bessere Unterstützung und Vorbereitung von Führungskräften sowie die Beteiligung von Pflegekräften an der Entwicklung digitaler oder hybrider Angebote, um diese passgenau aufzubauen. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten – das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle.

Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen

Die Digitalisierungsanforderungen im Gesundheitswesen sind enorm. Zur gleichen Zeit verändern sich die Geschäftsmodelle und Strukturen im Gesundheitswesen in nie gekannter Geschwindigkeit. Was dabei unabhängig von Statistiken relevant ist? Neben Trends und Prognosen der Märkte sind die Beweggründe von Unternehmern, Wissenschaftlern und Gesundheitsakteuren genau die Themen, für die sich die Öffentlichkeit interessiert.

Woran misst man Engagement und Mut zu neuen Wegen? Warum wird gerade zu einer bestimmten Zeit und gesellschaftlichen Situation das passende Start-Up auf den Weg gebracht? In der Regel sind der persönliche Hintergrund und Erfahrung sowie die Motivation für eine Gründungsidee und deren erfolgreiche Umsetzung entscheidend.

Im neu erschienenen Buch „Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen“ von Matthias Puls unter Herausgeberschaft von David Matusiewicz (MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft) geht es um persönliche Einblicke und Einschätzungen von 40 Healthcare Startup Gründern und „Digitalen Köpfen“, die einen Blick hinter die Kulissen von Digital Health erlauben und dabei sehr persönliche Einschätzungen mit den Lesern teilen.

Von der Präventionsarbeit, über Diagnostik und Therapie bis hin zur Rehabilitations- oder Pflegethematik – die verschiedenen Felder der Gesundheitsbranche ergeben in ihrer Vielfalt für digitale Transformationsaufgaben ein riesiges Aufgabengebiet. Was bleibt, was geht, was wird uns beschäftigen? 25 Fachexperten gehen auf die wesentlichen Trends der Digitalisierung im Gesundheitswesen ein. Die Digitale Gesundheit und Versorgung wird zunehmend personalisiert, sie wird agiler und vernetzt auf neue Art und Weise. Von Künstlicher Intelligenz in der Diagnose, über Wearables, neue Therapieverfahren oder den Einsatz von VR in der Patientenversorgung – traditionelle Ansätze werden zunehmend erweitert oder völlig auf den Kopf gestellt.

 

Nachgefragt

Herr Puls, was war die Motivation für das Buchprojekt?

Matthias Puls: Ich hatte nach gut neun Jahren als Unternehmensberater den Entschluss gefasst, den Schritt aus der Komfortzone des beruflichen Alltags zu wagen. Weg aus Düsseldorf und diversen Projektstandorten in Europa und dem Leben aus dem Koffer – ab nach Berlin. Dort wurde mir eine neue berufliche Perspektive eröffnet: Mit der Entwicklung neuer digitaler Produkte einen eigenständigen Beitrag für das Gesundheitswesen zu leisten. Vor ziemlich genau einem Jahr bin ich dann mit der Idee zu unserem Buch „Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen“ auf David Matusiewicz zugegangen. Unser Know-how hat sich hier perfekt ergänzt, um im Buch einerseits spannende Beiträge von Expertinnen und Experten zu versammeln, andererseits die Gründerpersönlichkeiten vorzustellen

Weshalb dieses Buch geschrieben werden musste? Ich wollte hier schlichtweg dazulernen und die Gestalter der „neuen“ Gesundheitswirtschaft kennenlernen. Das hat gut geklappt – inzwischen bin ich selbst an vorderster Front dabei und beschäftige mich in der Geschäftsführung von Kenkou mit KI-basierter Stress- und Burnoutprävention. Das Motiv zur Herausgabe und wie die Themenauswahl sich gestaltete? Es ist eine spannende, vernetzende Dokumentation für die Fachwelt und interessierte Leserschaft entstanden, die es in dieser aktuellen Form bisher nicht gab. Hierin liegt der eigentliche Wert unseres Buchprojektes. Das Team der Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft hat uns tatkräftig dabei unterstützt, einen neuartigen Blick auf die Digitalisierung unserer Branche binnen kürzester Zeit zu Papier zu bringen. Vielen Dank an alle Autoren, Interviewpartner und den Herausgeber.

Unter allen Teilnehmern verlosen wir insgesamt zwei Ausgaben von „Digitale Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen“.