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Neueinstellungen – gerade jetzt?

Die Überbrückungshilfen der Bundesregierung und das Kurzarbeitergeld sollen Unternehmen dabei unterstützen, ihre Mitarbeiter*innen trotz coronabedingter Geschäftseinbrüche halten zu können. Neueinstellungen werden bisher nicht gefördert, obwohl auch in der Krise wichtige Stellen nachbesetzt werden müssten. Zwar scheint der deutsche Arbeitsmarkt seit der weltweiten Finanzkrise deutlich resistenter gegenüber Schwankungen» geworden zu sein, die unabsehbaren Dynamiken der Pandemie stellen die Unternehmen aber vor andere Herausforderungen. So sagt zum Beispiel Tobias Hahn, Teamleader Human Resources bei stellenanzeigen.de», dass viele Personaler momentan mit ganz anderen Themen beschäftigt» seien als der Begleitung von Einstellungsverfahren, beispielsweise Koordination der hygienekonformen Bürobesetzung oder der Begleitung der Umstellung aufs Home Office. Bereits laufende Bewerbungen würden so verzögert oder die Nachbesetzung von Stellen erst einmal ausgesetzt.

Auch für Start-ups, die sich gerade in der Gründungsphase befinden, ist die Situation sehr schwierig. Zwar weist Deutschland startet», eine Initiative für Existenzgründer, darauf hin, dass es insbesondere im digitalen Bereich eigentlich ein guter Zeitpunkt für Gründer*innen» ist, um neue Wege und Produkte auszutesten und nachhaltige Geschäftsmodelle zu etablieren. Dennoch ist es natürlich sehr schwierig, unter diesen Bedingungen sichere Arbeitsverhältnisse zu schaffen.

Auf dieser Grundlage fordert der Arbeitsmarktforscher Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) auch in dieser Hinsicht Bemühungen der Bundesregierung, einen „Rettungsschirm für Neueinstellungen“». Damit soll ein Einbrechen des Arbeitsmarktes während und nach der Corona-Krise verhindert werden. Webers Vorschläge beinhalten unter anderem die Übernahme von Lohnkostenzuschüssen durch einen Regierungsfonds sowie die Möglichkeit, Kurzarbeit auch für gerade neu geschlossene Arbeitsverhältnisse übergangsweise anordnen zu können.

Für Unternehmen wie für Bewerber*innen ist nun Transparenz das oberste Gebot, wenn keine sicheren Aussagen mehr möglich sind. Während eines laufenden Einstellungsverfahrens sollten sich alle Beteiligten regelmäßig über den jeweiligen Stand und mögliche Verzögerungen informieren, um die Verbindlichkeit zu bewahren und Planungssicherheit weitestgehend zu ermöglichen.

Zahl der Woche

Erste Lockerungen in Sicht, staatliche Unterstützungen greifen, die Kommunikation in Tbit/s. Welche Zahlen uns in dieser Woche begleitet haben, soll hier kurz aufgezeigt werden.

Internet Traffic

Die Wichtigkeit einer funktionierenden Internetinfrastruktur und Investitionen in den Breitbandausbau zweifelt niemand mehr an: der steigende Datenverkehr in den letzten Wochen durch zusätzliche Kommunikationskanäle und quantitative Nutzung des Netzes (Cloud, Datentransfer, Video- und virtuelle Meetings plus Social Media Verstärkung) sowie digitaler Weiterbildung in B2B, Schule und Lehre spricht für sich. Nun rechnen wir also in Terabit pro Sekunde.

Was bedeutet das konkret für den wichtigsten Verkehrsknoten in Deutschland? Schon im März wurden am Internetknoten DE-CIX in Frankfurt am Main neue Spitzenwerte beim Datendurchsatz gemessen, Tendenz steigend. Das Datenvolumen von 9,1 Terabit pro Sekunde – das ergibt im Vergleich wieviel? Die folgende Grafik klärt auf:

Bildrechte: DeCIX

Das Volumen der deutschen Finanzhilfen entspricht 60 Prozent der Wirtschaftsleistung des vergangenen Jahres. Bund und Länder mobilisieren hier sehr viel mehr Mittel als andere Staaten. Der deutsche Schutzschirm setzt sich aus 236 Milliarden Euro Soforthilfen, 500 Milliarden Euro Stundungen von Steuern und Abgaben sowie 1.322 Milliarden Euro sonstigen Finanzhilfen und -Garantien (u.a. Kreditgarantien der KfW in Höhe von 811 Milliarden Euro) zusammen.

Vorgezogener Verlustvortrag und Steuererleichterungen für Unternehmen

Von der Corona-Krise betroffene Unternehmen sollen ihre 2020 anfallenden Verluste bereits im laufenden Jahr mit Gewinnen aus 2019 verrechnen können. Auf diesen Schritt, der die Betriebe um rund 4,5 Milliarden Euro entlasten kann, haben sich am Mittwoch Bundesfinanzminister und die Finanzministerien der Länder geeinigt. Für den vorgezogenen Verlustrücktrag hatte sich der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) stark gemacht.

Die Details regelt der gemeinsame Bund-Länder-Erlass. Der vorgezogene Verlustrücktrag sei ein „gutes Signal für die betriebliche Liquidität“, so die DIHK. Unternehmen können demnach in diesem Jahr absehbare Verluste mit bis zu 15 Prozent ihres früheren Jahresgewinns verrechnen. Damit könnten sie schon 2020 eine Rückerstattung von Finanzamt erhalten, die sonst erst im Frühjahr 2021 möglich gewesen wäre.

Weitere Übersichten zu steuerfreien Leistungen für Arbeitnehmer, Fristverlängerungen und Steuererleichterungen hier

 

Lockerungen in Sicht?

Seit dem 20.4. gibt es erste Lockerungen für Firmen und Handel. Nun wollen die Wirtschaftsministerien in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weitere und vor allem einheitliche Lockerungen der Vorgaben durchsetzen.