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„Wer, wenn nicht wir?“

Die Digitalisierung aller Gesundheitsbereiche hat während der Pandemie nochmals Aufschwung bekommen. Digital Health-Anbieter wie Changers konnten sich nun erst recht beweisen. Wie auch KMU von ihren Angeboten profitieren und wie sich BGM und Klimaschutz verbinden lassen erklärt Geschäftsführerin Daniela Schiffer im Top Brand-Interview.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“

Na ganz klar „Jetzt erst recht”. Da bin ich eher eine Kämpferin. Wenn es schwierig wird, spornt mich das an. Mein Mit-Gründer sagt mir nach, ich hätte Nerven aus Stahl. Und um ganz ehrlich zu sein, für uns als “Digital Health”-Anbieter ist Corona eine Herausforderung, der wir uns prima stellen können. Wer, wenn nicht wir?

©Darius Ramazani
Changers-Geschäftsführerin Daniela Schiffer
©Darius Ramazani
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?

Wir haben den Mitarbeiter*innen bereits vor Corona die Möglichkeit gegeben, komplett im Home Office zu arbeiten. Diese Freiheit und das Vertrauen bekommen wir in Form von Engagement und großartigen kreativen Arbeitsergebnissen wieder zurück.

Der Digitalisierungs-Ruck im vergangenen Jahr sowie das zunehmende Interesse an nachhaltigen Lösungen wirken sich positiv auf unser Geschäft aus. Wenn Sie so möchten, zeigen die Pandemie und der Klimawandel, wie wichtig es ist, was wir tun.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Unsere Stärke liegt in einer modernen Software-Architektur, mit deren Hilfe wir Unternehmen jeglicher Größe ermöglichen, einfach, schnell und kostengünstig die eigene Gesundheitsplattform zu starten. Unsere Lösung ist unkompliziert und maximal flexibel. In unserem Starter Setup ist alles enthalten, was Sie benötigen, um am Morgen, die Entscheidung für Changers CO2 Fit zu treffen und am Nachmittag bereits zu starten. Dabei können Sie sozusagen im Laufen sämtliche Inhalte zu- oder abschalten und eigene Maßnahmen gemäß Ihren Vorstellungen hinzufügen. Sie können aber auch das gesamte Jahr bereits vorbereiten, den Knopf drücken und den Rest der Changers-Automatisierung überlassen.

Unsere Preise sind beispiellos. Sie zahlen lediglich für die teilnehmenden Mitarbeiter*innen. Es gibt keine versteckten Kosten und keine Vertragslaufzeiten. Sie können monatlich kündigen. Wir wollen, dass Sie zufrieden sind, zudem noch ein wenig Budget übrig haben, um mit Ihren Teilnehmer*innen gemeinsam Bäume zu pflanzen oder Ihre Mitarbeiter*innen mit spannenden Verlosungen motivieren, das Quäntchen mehr zu machen, auf das es ankommt. Wir sind 2015 mit unserem ersten Kunden gestartet, der die App für 2 Wochen einsetzen wollte und nun in seinem sechsten Jahr bei uns ist.

Changers lebt den Plattform-Gedanken. Wir wollen keinen der bestehenden Gesundheits-Partner vor Ort verdrängen. Ganz im Gegenteil, wir wissen: Häufig braucht es die persönliche Ansprache oder das Angebot vor Ort. Mit Changers können Unternehmen diese Partner vom Fitness-Studio, dem digitalen Gesundheits-Check Up bis zum Meditations-Seminar einfach einbinden. Und am Ende sind ihre bestehenden Angebote nicht mehr auf vielen Medien verteilt, sondern in der Hosentasche des Mitarbeiters, in ihrer App. Dort können Sie sie auch erreichen, per Push-Nachricht, in der App-eigenen Gesundheits-Community oder über das Changers-Daten-Dashboard auf Ihrer Website.

Und zu guter Letzt liegt unsere Stärke in der Verbindung aus Gesundheitsförderung, Gamification und Klimaschutz. Damit treffen wir die Interessen von deutlich mehr Mitarbeiter*innen als eine reine Fokussierung auf Gesundheits-Themen. Gerade jüngere und gesunde Mitarbeiter*innen können wir so frühzeitig erreichen und für Ihre Themen sensibilisieren.

Zusammengefasst steigern Sie Ihr Arbeitgeber-Image, reduzieren Fehlzeiten, sparen messbar CO2-Emissionen ein und erhöhen die Bindung Ihrer Mitarbeiter*innen zu Ihrem Unternehmen.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Unsere Vision ist es, die beste Plattform für Gesundheitsförderung und Klimaschutz als Impact as a Service anzubieten. Zum günstigsten Preis, ohne Vertragslaufzeiten, individuell anpassbar und mit dem geringsten Zeitaufwand über den Browser zu managen. Wir wollen, dass auch die kleine Unternehmen sich das leisten können, was wir für Konzerne wie Allianz, EY oder Lidl entwickelt haben.

Wir entwickeln die Software ständig weiter. Daher ist unsere Projekt-Pipeline immer gut gefüllt. Zur Zeit arbeiten wir an weiteren Gamification-Elementen, genauer gesagt am Nudging von positiven Verhaltensweisen, die man gerne häufiger tun würde, aber leider allzu schnell vergisst. Über Push-Nachrichten, die sich die Teilnehmer*innen selbst einstellen können, kann man sich den kleinen „Schubs geben” zum richtigen Zeitpunkt, um es dann auch wirklich zu tun.

Ein anderes Feature wird die Einführung von persönlichen Anerkennungen in der App sein, die mit unseren Coins verbunden werden können. Damit kann dann der Vorgesetzte dem Messe-Team für deren tollen Stand-Einsatz in der App-Community danken und diese mit einer ordentlichen Portion Coins versehen, für die es dann im Prämien-Bereich einen neuen Fahrrad-Helm oder ein Sportgerät gibt.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Es gibt ganz viele schöne Feedbacks unserer Kunden. Eine Reaktion jedoch,freut mich immer besonders. Wenn ein Kunde seine erste Baumpflanzung erreicht hat und sich von da an die Welt in seinerApp verändert. Das darauf folgende Feedback ist dann meist auch emotional und sehr persönlich. Mit diesem ersten Baum wird die Intention der App, Gesundheitsförderung und Klimaschutz miteinander zu verbinden, greifbar. Das kann einen dann auch schon mal stolz werden lassen.

Was macht Changers anders als andere Anbieter?

Wir hatten vor einigen Jahren auf der Corporate Health Messe einen Changers-Stand und wurden von einer BGM-Verantwortlichen aus einem KMU-Unternehmen angesprochen, warum wir als Startup denn immer nur auf die großen Unternehmen zielen würden. Diese hätten die großen Budgets und könnten Preise zahlen, die für die kleinen Unternehmen wie sie selbst meist viel zu hoch sind.

Wir haben uns dieses Feedback damals sehr zu Herzen genommen und sahen darin auch eine Marktlücke. Unser Ziel ist seither, durch konsequente Automatisierung und die Möglichkeiten einer “Software as a Service”- Lösung (SaaS) den kleinen und mittleren Unternehmen das bieten zu können, was wir mit Unternehmen wie einer Allianz, EY oder H&M entwickelt haben. Und das ab 89 Euro im Monat ohne Einrichtungskosten und zudem auch noch monatlich kündbar.

„Mittelstand im Mittelpunkt“: Studie zeigt aktuelle Herausforderungen

Eine repräsentative Umfrage» der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken hat die aktuellen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand erhoben. Zwar ist die Pandemie natürlich noch nicht vorbei, die Unternehmen schauen jedoch überwiegend positiv in die Zukunft: so ist die Investitionsneigung mit 77% mittlerweile höher als das Vorkrisenniveau, nachdem sie zwischenzeitlich auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen war.

Außerdem planen 27% der befragten Mittelständler im nächsten halben Jahr Einstellungen. Vorreiter sind die Elektroindustrie mit 44% und die Kunststoffindustrie mit 33%. Der gesamte Mittelstand hatte im letzten Jahr überwiegend Personal abgebaut, 9% der Betriebe planen das auch weiterhin; vor allem die Agrarbranche setzt weiterhin auf Stellenabbau. Dennoch ist hier eine deutlich optimistischere Zukunftsstimmung zu sehen.

Diese zieht allerdings weitere Herausforderungen nach sich, namentlich den Fachkräftemangel: 73% der mittelständischen Unternehmen sorgen sich um die Einstellungsmöglichkeiten qualifizierter Mitarbeiter*innen, insbesondere Baubranche, Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie. Weitere Problemfelder sind die Bürokratie, deren Anstieg laut Studienautor*innen vor allem auf die aufwändige Beantragung der staatlichen Corona-Hilfen zurückgehen dürfte, sowie steigende Rohstoff-, Material- und Energiekosten. Verantwortlich dafür sind globale Verknüpfungen: steigende Preise, höhere Transportkosten und Engpässe bei Vorprodukten.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert einen stärkeren Bürokratieabbau», zuletzt angesichts der Vorstellung der Konjunkturprognose durch das ifo-Institut.

©DZ Bank und BVR

Corona-Impfung im Betrieb: Gute Vorbereitung, wenige Impfdosen

Nachdem am 07. Juni die Betriebsärzt*innen in die Corona-Impfungen starten konnten, ergibt sich ein gemischtes Bild. Laut Tagesschau» haben viele Unternehmen eine großartige Infrastruktur aufgebaut, beispielsweise die Deutsche Telekom, die bundesweit 18 eigene Impfstraßen eingerichtet hat und damit etwa 10.000 Impfungen pro Woche durchführen könnte. Insgesamt haben 6.300 Betriebsärzt*innen Impfstoff bestellt, nach deren Anzahl pro Unternehmen sich auch die Verteilung der Dosen richtet. Allerdings berichtete bereits das Handelsblatt» über die geringen Lieferungen: so erhielt die Allianz statt der bestellten 12.500 Dosen nur 3.200, Bayer 3.000 anstatt der bestellten 20.000. BMW konnte in der ersten Woche immerhin etwa 5.000 Mitarbeiter*innen impfen. In der zweiten Woche kam noch weniger Impfstoff bei den Unternehmen an.

Die weiterhin starke Verknappung setzt das auch außerhalb der Betriebsimpfungen bestehende Verteilungsproblem nun fort und stellt die Unternehmen vor die Herausforderung, unter den impfwilligen Mitarbeiter*innen auswählen zu müssen. Der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, plädiert daher für die Orientierung anhand des individuellen Risikos, beispielsweise durch notwendige Reisen im Außendienst oder vielen Kontakten. Unternehmen wie die Deutsche Post oder RWE haben allerdings keine Priorisierung mehr vorgesehen. Der Immobilienkonzern Vonovia wiederum setzt auf einen Zufallsgenerator für die Impfangebote, der allerdings Mitarbeiter*innen mit direktem Kontakt hervorhebt.

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) führt im Rahmen des Projekts „Gesund arbeiten in Thüringen“ gemeinsam mit der BARMER derzeit Impfaktionstage an drei Standorten durch, an denen kleine und mittlere Betriebe ihre Mitarbeiter*innen impfen lassen können, die nicht über eigene Betriebsärzt*innen verfügen. Insgesamt haben sich 30 Unternehmen und über 600 Beschäftige für die Aktion angemeldet. „Die deutsche Wirtschaft ist stark durch den Mittelstand mit vielen kleinen Betrieben und mittelgroßen Unternehmen geprägt. Umso wichtiger ist es, gerade die Beschäftigten dort in die Impfkampagne einzubeziehen und im größten Präventionssetting unserer Gesellschaft, der Arbeitswelt, durch niederschwellige Angebote einen großen Teil der Bevölkerung zu erreichen,“ kommentiert DGAUM-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Nesseler».

Das hohe Interesse an der Impfung durch die Betriebsärzt*innen, ob im eigenen Unternehmen oder im Rahmen von Netzwerken wie in Thüringen, zeigt die hohe Relevanz von Gesundheitsbewusstsein und –kommunikation im betrieblichen Rahmen. Trotz aller Schwierigkeiten mit der ausreichenden Versorgung mit Impfstoffdosen oder beunruhigenden Einzelfällen von unseriöser Geschäftemacherei» sind das Vertrauen in die medizinische Versorgung vor Ort sowie die Praktikabilität des Angebots wichtige Faktoren in der Herausforderung, möglichst viele Menschen mit Gesundheitsangeboten zu erreichen.

Bitkom-Studie: Wunsch nach Home Office bleibt

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich eine Pflicht zum Home Office für geeignete Tätigkeiten bis zum vollständigen Ende der Pandemie wünscht. 51 Prozent wollen auch darüber hinaus ganz oder teilweise von zuhause aus arbeiten. Die verschärften Regelungen dazu, die im Januar im Zuge des Corona-Lockdowns beschlossen wurden, haben demnach nicht nur zu einer höheren Zahl an Home Office-Arbeitenden geführt – während es Ende 2020 noch 45 Prozent waren, waren es Ende Mai schon 58 Prozent – sondern auch die Akzeptanz bei den Beschäftigten verstärkt.

Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen sich noch stärker in die Weiterentwicklung flexibler Arbeitsweisen einbringen können. So wird die technische Ausstattung des Home Office von 45 Prozent der Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt, was zu Beginn der Pandemie für einen reibungslosen Ablauf der Umstellung die unkomplizierteste Lösung war, darüber hinaus aber eine finanzielle und organisatorische Mehrbelastung für Beschäftigte darstellt. Zudem besteht jedes dritte Unternehmen nachdrücklich auf Präsenzarbeit, trotz entsprechender Anordnung und technischer Möglichkeit.

Mit entsprechender organisationaler Einbindung in die Unternehmensabläufe, Unterstützung bei der Einrichtung und bei der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit können Home Office und andere Formen von remote work auch über den konkreten Schutz in der Pandemie hinaus zu flexibleren Arbeitsformen und einer besseren Work-Life-Balance beitragen. Nicht nur Arbeitgeber und Beschäftigte müssen dafür vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch steuerliche Anreize, wie von Bitkom-Präsident Achim Berg vorgeschlagen, können zu weiterer Akzeptanz und besseren Bedingungen beitragen.

Überstunden und Gesundheitsrisiko

Eine aktuelle Auskunft der Bundesregierung» zeigt die hohe Zahl an Überstunden, die Beschäftigte im letzten Jahr trotz der pandemiebedingten Einschränkungen für Unternehmen erbracht haben: nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kamen in 2020 1,67 Milliarden Überstunden zusammen, über die Hälfte davon – 892 Millionen – unbezahlt. Im Jahr 2019 waren es 1,86 Milliarden Überstunden.

Dabei zeigt eine weltweite Untersuchung der World Health Organization (WHO) und der International Labour Organization (ILO)», dass verschiedene Gesundheitsrisiken bei langen Arbeitszeiten merklich steigen. Im Vergleich zu Menschen mit 35-40 Wochenstunden erhöht eine Wochenarbeitszeit von 55 und mehr Stunden pro Woche das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 35 bzw. 17 Prozent. Insgesamt ist die gesamte Arbeitszeit seit dem Jahr 2000 um 29% angestiegen. Zwar gelten in Europa Arbeitsschutzgesetze, die zumindest in nichtselbstständiger Beschäftigung solche Arbeitszeiten gemeinhin ausschließen. Die Studie bezieht jedoch die sogenannte Care-Arbeit, also beispielsweise Hausarbeit, Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger, nicht mit ein, die dennoch zur Belastung beiträgt.

Betrachtet man beide Untersuchungen, wird klar, dass Work-Life-Balance nicht nur ein Modewort sein kann, sondern – wie es in vielen Unternehmen bereits gelebt wird – Grundlage für eine nachhaltig gesunde Arbeitsweise ist. Nur motivierte Beschäftigte mit angemessenem Workload können langfristig den erforderlichen Einsatz für das Unternehmen bringen, ohne Burn-out oder innere Kündigung. Gerade im Home Office ist es daher wichtig, die Mitarbeiter*innen bei klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu unterstützen, Rücksicht auf die individuelle Situation zu nehmen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die unbedingt weitergeführt werden sollten, entsprechend anzupassen. Führungskräfte sollten sich regelmäßig fortbilden und überprüfen, ob Strukturen, Strategie, Arbeitsaufteilung und natürlich auch die Teamgröße den anfallenden Aufgaben noch gewachsen sind oder einer Weiterentwicklung bedürfen. Auch Maßnahmen zum Talentmanagement sowie die für viele Unternehmen gesetzlich vorgeschriebene Psychische Gefährdungsanalyse können helfen, übermäßige Belastungen zu identifizieren, abzufangen und Teams besser und resilienter aufzustellen.

Gesundheit erlebbar machen

Wissenschaftlich fundierte und praxiserprobte Gesundheitsförderungskonzepte bilden die Arbeitsgrundlage von IDAG. Gesundheit soll auch in der Unternehmenswelt erlebbar gemacht werden. Warum eine Zertifizierung gerade im BGM-Bereich so wichtig ist und welche Auswirkungen die Pandemie auf die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Kunden hatte, berichtet Geschäftsführer Dr. Patrick Anstett im Top Brand-Interview.

Dr. Patrick Anstett (links) und Dr. Pascal Senn, Geschäftsführer der IDAG GmbH

Sie wurden Anfang des Jahres als Top-Brand ausgezeichnet. Wie stehen Sie grundsätzlich zu einer derartigen Zertifizierung und welchen Benefit erhoffen Sie sich langfristig?

Wir wurden informiert, dass wir durch BGM-zertifizierte Unternehmen für die Nominierung empfohlen wurden. Dies war dann letztlich für uns eine gute Möglichkeit, uns von zahlreichen BGM-Anbietern, die mittlerweile auf dem Markt sind, ein Stück weit abzuheben. Für Unternehmen wird die Anbieterlandschaft mehr und mehr undurchsichtig und eine derartige Auszeichnung demonstriert unsere Anbieterqualität in vielerlei Hinsicht nach Außen – u.a. die Qualifikation der MitarbeiterInnen, die Qualität unserer Leistungen sowie auch die Professionalität unserer eigenen Firmenstruktur.

Langfristig werden solche Zertifizierungen immer mehr notwendig sein, um den Anbietermarkt etwas transparenter für die BGM-aktiven Unternehmen zu gestalten. Gerade auch im Sinne der Nachhaltigkeit sowie des BGM-Nutzens für Arbeitgeber sowie für die Belegschaft sollte auf seriöse Dienstleister und Berater zurückgegriffen werden, die nachweislich gewisse Qualitätsstandards einhalten.

Was haben Sie als schönstes Feedback von Kunden oder Partnern während des letzten Jahres bekommen?

Im Herbst letzten Jahres haben wir bei einer Firma den jährlich stattfindenden Gesundheitstag zum ersten Mal „coronabedingt“ digital umgesetzt. Inhaltlich war dieser bereits längerfristig geplant, wir haben lediglich das Format angepasst. Die BGM-Verantwortliche war als Moderatorin den ganzen Tag zugeschaltet und war zum einen dankbar und glücklich, dass der Tag trotz Pandemie stattfinden konnte, zum anderen war sie begeistert von den Möglichkeiten und der Rückmeldung bzgl. der digitalen Variante. Dies hat sie dann auch überaus positiv an uns zurückgespiegelt.

Bei welchen Herausforderungen können Sie Ihre Kunden unterstützen?

Wir geben beratend Hilfestellungen für BGM-Projektverantwortliche und bieten gezielte Mitarbeiter-Programme an zur Bewältigung von arbeitsplatzspezifischen Belastungen (z.B. werden gewerbliche MitarbeiterInnen überwiegend vor Ort erreicht, Home-Office-MitarbeiterInnen dagegen per digitaler Lösung). Dies können beispielsweise individuelle Screenings zum Thema Rücken, Ergonomie, Stress oder Ernährung sein, aber auch Vorträge, Workshops sowie Mitmachprogramme zu unterschiedlichen Gesundheitsthemen – unter Berücksichtigung der jeweiligen Zielgruppe, der betrieblichen Rahmenbedingungen sowie abgestimmter Nachhaltigkeitskonzepte. Wir erarbeiten darüber hinaus in Workshops Lösungsstrategien zur Förderung des Wohlbefindens und zur Stärkung der Leistungsfähigkeit. Dies kann auch im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen erfolgen – eine gesetzliche Pflichtaufgabe für jedes Unternehmen.

Worauf sind Sie in Ihrem Umgang mit den Auswirkungen der Corona-Krise besonders stolz?

Sehr viele Dienstleister im BGM-Bereich sind, wie auch wir, von der Krise betroffen, da sich bei unseren Kunden – den Unternehmen, Ämtern und anderen Organisationen – viel verändert hat (z.B. Kurzarbeit, andere Prioritäten, zu viel Tagesgeschäft). Wir haben als Team geschlossen auf die Krise reagiert, haben unser Portfolio stark erweitert sowie überwiegend selbst im Home-Office gearbeitet. Entscheidend war, dass wir unsere neuen digitalen Lösungen schnell umgesetzt haben und diese von unseren Kunden und Kooperationspartnern auch angenommen wurden. Unsere analogen Maßnahmen haben wir jedoch nie völlig eingestellt. In unterschiedlichen Einrichtungen wurden hier gemeinsam Hygienekonzepte entwickelt, die die Umsetzung von gezielten Maßnahmen auch vor Ort möglich gemacht haben. Ein Dank gilt an dieser Stelle auch unseren Kooperationspartnern und Kunden, die mit uns gemeinsam die Herausforderungen gemeistert haben.

Was möchten Sie beibehalten, was nicht?

Selbstverständlich werden wir zukünftig wieder mehr Präsenzaktionen umsetzen. Unsere digitalen Lösungen bleiben bestehen, dies betrifft nicht nur die BGF-Maßnahmenebene sondern auch diverse Abstimmungstermine und andere Meetings im Rahmen des BGM-Prozesses. Letztlich muss man zukünftig auch immer abwägen, welche Modelle (analog, digital oder hybrid) für welche Organisationsstruktur und Zielgruppe zielführend und nachhaltig sind – auch unter Berücksichtigung der jeweiligen Vor- und Nachteile analoger und digitaler Maßnahmen.

Wie schon erwähnt, haben Sie in dieser speziellen „Corona-Zeit“ unterschiedliche digitale Lösungen für Unternehmen entwickelt. Könnten Sie auf ein BGM-Projekt näher eingehen, dass Sie erst kürzlich im digitalen Format umgesetzt haben?

Ende April dieses Jahres haben wir mit unserem Kooperationspartner AOK Mittlerer Oberrhein sowie BGM-Top-Experten Prof. Dr. Volker Nürnberg einen digitalen BGM-Kongress konzipiert und umgesetzt. Wir konnten rund 150 Unternehmensvertreter aus dem gesamten Bundesgebiet (u.a. GeschäftsführerInnen, BGM-ManagerInnen) erreichen, was das große Interesse vieler Firmen an den Themen Mitarbeitergesundheit sowie analogen und digitalen Lösungsansätzen auch in Pandemiezeiten verdeutlicht. Wir erhielten im Nachgang viel positives Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auf diesen Erfahrungen werden wir aufbauen und weitere derartige digitale Veranstaltungen anbieten.

Gesundheitskompetenz und Corona

Das Leben in einer modernen Informations- und Wissensgesellschaft erfordert die tägliche Filterung von relevanten Fakten aus einer riesigen Flut an Wissen und Informationsquellen. Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie spielen die Informationen zu Gesundheitsthemen, wie beispielsweise gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, Krankheitssymptome oder Behandlungsmöglichkeiten und Therapien eine zunehmend größere Rolle. Das Interdisziplinäre Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) und die Universität Bielefeld haben in diesem Zusammenhang eine repräsentative Bevölkerungserhebung zur Gesundheitskompetenz in Deutschland und eine Zusatzbefragung zur Gesundheitskompetenz vor und während der Corona-Pandemie durchgeführt.

Im Vergleich zu der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2014 konnte in der HLS-GER 2 und auch der Zusatzstudie HLS-GER 2 eine gesamtdeutsche Verschlechterung der Gesundheitskompetenz festgestellt werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (58,8%) besitzt demnach eine geringe Gesundheitskompetenz. Allerdings konnte dieser Wert im Laufe der Corona-Pandemie leicht nach unten korrigiert werden.
Die Studie zeigt außerdem eine soziale Ungleichverteilung der Gesundheitskompetenz und bekräftigte die Bedeutung vulnerabler Gruppen. Besonders deutlich werden die Unterschiede im Bereich der navigationalen Gesundheitskompetenz, also dem Umgang mit der Organisation des Gesundheitssystems, der Verständlichkeit von Reformen, sowie Patientenrechten und Qualitätsfragen. Aufgrund dieser Ergebnisse steigt die Bedeutung von differenzierten und zielgruppengerechten Interventionskonzepten.

Im Zuge der Informationsverarbeitung stellt die Beurteilung von Informationen die Menschen vor die größte Herausforderung. Die zunehmende Anzahl an Gesundheitsinformationen, aber auch an Fehl- und Falschinformationen, bedeutet daher eine zunehmende Schwierigkeit. Im Laufe der Corona-Pandemie verbesserte sich die Einschätzung der Befragten in diesem Bereich am meisten, befindet sich jedoch immer noch auf einem kritischen Niveau. Neben der Beurteilung wird auch das Auffinden von Informationen zur Gesundheitsförderung, aber auch beispielsweise zu notwendigen Auffrischungen von Impfungen oder die Verständlichkeit von Beipackzetteln als schwierig eingeschätzt.

Einen großen Entwicklungsrückstand zeigte die Studie im Bereich der digitalen Gesundheitskompetenz. Während die Beurteilung von digitalen Informationen vor der Corona-Pandemie als sehr schwierig eingeschätzt wurde und die Nutzung digitaler Angebote nur einen kleinen Anteil ausmachte, verbesserte sich die digitale Gesundheitskompetenz durch die Pandemie leicht. Dennoch gilt es hier, Möglichkeiten der Intervention zu nutzen, um den Anforderungen der zunehmenden Digitalisierung gerecht zu werden.

Die HLS-GER 2 und die Zusatzstudie HLS-GER 2 zeigen einen dringenden politischen Handlungsbedarf hinsichtlich der Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Dabei wird besonders deutlich, dass die umfangreiche Nutzung verschiedenster Kanäle zur Streuung von Gesundheitsinformationen durchaus wirksam ist, sofern eine passgenaue Zielgruppenansprache erreicht wird. Diese Erkenntnisse aus der Pandemiezeit sollten auf die zukünftige barrierefreie, zielgruppengerechte, verständliche und zuverlässige Gestaltung von Maßnahmen übertragen werden.

Die eigene Erfolgsgeschichte schreiben

WW, ehemals Weight Watchers, inspiriert Menschen weltweit dazu, gesunde Gewohnheiten in ihren Alltag zu integrieren. Neben dem bekannten Gewichtsmanagement setzt WW auch auf digitale Angebote und fachkundige Coaches. Wie Stefan Ryme, CEO von WW Deutschland, die Herausforderungen der Pandemie erlebt hat, erzählt er im Top Brand-Interview.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

 

Die letzten zwölf Monate waren ohne Frage eine echte Herausforderung – sowohl für uns als Unternehmen und Team als auch für mich persönlich. Die Pandemie hat uns vor die Situation gestellt, einige tragende Angebote von WW – unsere physischen Workshops sowie die WW At Work Kurse in Unternehmen – innerhalb kürzester Zeit ins Digitale bringen zu müssen. Ziel dessen war, neben unseren grundsätzlich digitalen Produkten wie der App auch unsere persönlichen Services aufrecht erhalten zu können und gleichzeitig die nötige Sicherheit für Teilnehmer*innen und Coaches zu gewährleisten.

Innerhalb von sechs Tagen konnten wir diese Umstellung durch geballte Kraft und mit gemeinsamen Anstrengungen sehr schnell realisieren, was mich vor allem im Rückblick unheimlich stolz auf mein Team macht. Mir persönlich hat es gezeigt, dass auch solch herausfordernde Zeiten echte Chancen bieten können – wenn man sich gegenüber neuen Möglichkeiten nicht verstellt und agil seiner Strategie folgt. Denn was uns das Jahr 2020 auch noch einmal deutlich gemacht hat: WW ist mit der bereits vor der Pandemie angestoßenen Entwicklung in Richtung digitales Tech-Unternehmen exakt auf dem richtigen Kurs.

Ich persönlich musste in der Pandemie ganz neue Fitnessroutinen entwickeln. Vorher bin ich immer gerne joggen oder ins Fitnessstudio gegangen. Dann kam der Lockdown und aufgrund einer Muskelverletzung konnte ich auch nicht mehr joggen gehen. Die mangelnde Bewegung hat sich nicht nur auf meine körperliche, sondern auch auf meine geistige Fitness ausgewirkt. Ende vergangenen Jahres habe ich dann Radfahren für mich entdeckt und es macht mir großen Spaß. Im Winter habe ich mit Zwift trainiert, einem virtuellen Training in den Bereichen Rad- und Laufsport. Auch virtuelle Wettkämpfe können über die Plattform ausgetragen werden. Mir gefällt diese Form von Gamification sehr, weil sie Teilnehmer*innen hilft, mit Spaß gesunde Gewohnheiten zu etablieren.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Bei WW haben wir sehr schnell auf die durch die Pandemie hervorgerufenen Umstände reagiert: Die Herausforderung der Kontaktreduktion hat Menschen wie Dienstleister dazu gebracht, sich verstärkt virtuell zu orientieren. Um für unsere Kund*innen auch in dieser Zeit bereit zu stehen,  haben wir in kürzester Zeit unsere digitalen Services ausgebaut. Sei es durch die Umstellung unserer physischen Workshops auf virtuelle Treffen oder über zusätzliche Angebote in unserer App, wie zum Beispiel Audio-Coachings, Meditations-Einheiten oder Fitness-Videos. Wir haben also das letzte Jahr intensiv damit verbracht, die Marke WW zu stärken und zum Teil auch neu zu positionieren, virtuelle Angebote zu forcieren, weiterzuentwickeln und das Studio-Erlebnis vor Ort neu zu denken.

Als Organisation sind wir zudem – genau wie viele unserer Unternehmenskunden auch – seit Beginn der Pandemie im März 2020 im Home Office. Ein Arbeiten, das zum einen innerhalb kürzester Zeit technisch möglich gemacht, aber auch in der täglichen Zusammenarbeit ganz neu gelernt werden musste. Enorm wichtig ist uns dabei insbesondere im Home Office, unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei einem gesunden Lebensstil zu unterstützen und ihre Resilienz zu stärken. Heute, gut ein Jahr später, kennen und schätzen wir viele Vorteile dieser unerwarteten Entwicklung: Zum Beispiel, dass sich dadurch ganz neue Möglichkeiten und Benefits im Recruiting neuer Mitarbeiter*innen ergeben oder dass gemeinsame Unternehmensführung und vertrauensvolle Zusammenarbeit keine permanente Vor-Ort-Präsenz brauchen. 

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Für mich ist WW vor allem ein Unternehmen, das einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, mit dem jeder – ob im privat familiären sowie im Arbeitsumfeld – sein persönliches Wohlbefinden selbst gestalten kann. Dies beginnt bei der Ernährung, geht über die tägliche Aktivität und einen erholsamen Schlaf bis hin zum eigenen Mindset. Das bedeutet: WW ist kein Diätprogramm, sondern die Inspiration zu einem gesunden Lebensstil, der unsere Teilnehmer in jeder Lebenslage stärkt.

Insbesondere jetzt, wo unser Alltag verstärkt zur täglichen Herausforderung wird sowie Privates und Berufliches nicht nur räumlich immer mehr miteinander verschmelzen, braucht es Arbeitgeber*innen, die Verantwortung für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter*innen übernehmen und diese proaktiv, körperlich wie mental, fördern. WW ist dafür ein starker, lebensnaher Partner, der jeden dort abholt, wo er steht und von dort zu gesunden Gewohnheiten führt.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Wir wollen auch in Zukunft Menschen weiterhin dabei unterstützen, ihre eigene Erfolgsgeschichte zu schreiben und ihr persönliches Wohlbefinden selbst zu gestalten. Dazu verbessern wir unser Programm sowie unsere Services immer weiter, indem wir aktuelle Erkenntnisse der Ernährungswissenschaft und Verhaltensforschung sowie die Wünsche unserer Teilnehmer*innen einfließen lassen.

Auf eben dieser Basis beruht zum Beispiel auch unser neuestes Produkt, das wir kürzlich in Deutschland gelauncht haben: Digital 360 – ein neuartiges Erlebnis, speziell zugeschnitten auf die Bedürfnisse digital-affiner Menschen, deren Alltag sehr aktiv und “always on” ist. Die Teilnehmer*innen können neben allen Features der WW App zudem individuelle Unterstützung erwarten und sich ihr eigenes virtuelles Support Team aus WW Pros zusammenstellen. Digital 360 bietet tägliche Live Sessions, interaktive Digital-Events zu Ernährung, Bewegung oder Mindset sowie exklusive Inhalte wie Podcasts mit internationalen Gästen und Wellbeing-Expert*innen – live und on demand. In Kürze wird dieses neue Produkt übrigens auch für unseren Unternehmenskunden verfügbar sein.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Insbesondere unsere Corporate Kunden haben uns gespiegelt, dass sie derzeit vor allem die persönliche Unterstützung durch ihren Coach und den regelmäßigen Austausch in der Community vermissen. Daher nehmen vor allem viele berufstätige Mitglieder die neuen virtuellen Workshops als eine ungeahnte Bereicherung wahr. Dank der vielen Terminangebote des deutschlandweiten Kalenders können sie individuell und flexibel teilnehmen – so wie es ihr Zeitplan zulässt.

„Aufgeben war nie eine Option“

Die Betriebliche Suchtprävention Miehle ist auf die Entwicklung nachhaltiger struktureller und individueller Faktoren spezialisiert, die der Entwicklung von Suchterkrankungen entgegentreten. Im Interview spricht Geschäftsführer Patrick Durner über die Herausforderungen, die Pandemie und Home Office für eine erfolgreiche Suchtprävention darstellen, aber auch den eigenen Umgang mit den Einschränkungen.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

 

Die größte Herausforderung war, fehlende Planbarkeit auszuhalten. Selbst ein Jahr später ist ja noch nicht wirklich klar, wann es wieder eine Form von „Normalität“ geben kann. Und auf einige meiner großen Leidenschaften verzichten zu müssen, wie z.B. Snowboarden, fiel mir enorm schwer. 

Der inzwischen schon traditionelle jährliche Winterurlaub mit meinem Vater war die letzten Jahre immer ein Highlight für mich. Dass auch dieser leider nicht stattfinden konnte, fand ich schon sehr traurig.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Der erste Lockdown war schon eine Herausforderung. Von jetzt auf gleich alle Seminare abgesagt und keine Perspektive, wann und wie es weitergehen kann. Mir hat es unheimlich geholfen, nach wie vor täglich in mein Büro zu fahren und mich intensiv mit den Möglichkeiten der digitalen Welt zu beschäftigen. Aufgeben war nie eine Option, sodass ich viel Arbeit in unsere digitalen Angebote gesteckt habe, die sich nun langsam auch auszahlt.

Das Portfolio hat sich erweitert und temporär gibt es aufgrund der Gegebenheiten wohl hauptsächlich Onlineveranstaltungen. Perspektivisch ist das aber nicht meine Zielsetzung, nur noch Onlinetrainings anzubieten. Dafür liebe ich den direkten Kontakt mit den Teilnehmenden zu sehr. Zwischenmenschlich passiert doch deutlich mehr in Präsenz, als online. Alles kann und wird die digitale Welt nicht ersetzen können. Zum Glück 😉

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Für diese Auszeichnung bin ich sehr dankbar, denn das bestätigt meinen unermüdlichen Einsatz, unser Angebot zu modernisieren und noch besser an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Meine Steckenpferde sind die Themen Suchtprävention und digitale Balance. Beides Themen, die uns in Gegenwart und Zukunft weiter beschäftigen werden. Durch Homeoffice und remote working fallen Mitarbeitende mit problematischem Konsum deutlich weniger auf. Heißt Suchtprobleme können sich in aller Ruhe entwickeln, ohne dass KollegInnen oder Vorgesetzte irgendetwas merken. Genau deshalb ist jetzt der Zeitpunkt, sich mit Suchtprävention zu beschäftigen, um frühzeitig die schweren Verläufe mit langen Ausfallzeiten oder drastischen Konsequenzen zu verhindern. Und auch die Digitale Balance ist in einer volldigitalisierten Welt eine notwendige Kompetenz um langfristig gesund zu bleiben. Wir unterstützen Behörden und Unternehmen mit einem breiten Angebot zu den Themen Suchtprävention und digitale Balance. Von den klassischen Trainings für Azubis, Führungskräfte, Betriebs- oder Personalräte bis in die Managementebene über die Ausbildung von betrieblichen Ansprechpersonen Suchtprävention bis hin zur  Unterstützung bei der Entwicklung eines Gesamtkonzepts zur betrieblichen Suchtprävention. Unsere Stärke ist, dass wir auf vielfältigste Erfahrungen mit verschiedensten Kundentypen zurückgreifen können. Von kleinen und mittelständischen Unternehmen über bayerische oder Bundesbehörden bis hin zu internationalen Großkonzernen ist so ziemlich alles dabei. Dadurch können wir die unterschiedlichen Bedürfnisse absolut zielgerichtet bedienen.

Eine Stärke ist auch die Fokussierung auf das Thema Suchtprävention. Heißt wir sind sowohl im Thema Sucht als auch im Thema Prävention Experten. Nur weil jemand sich im Thema Sucht auskennt, heißt das nicht automatisch, dass er auch Prävention gut kann. Denn Prävention lebt von den Methoden, von den Emotionen. Sucht hat immer mit Emotionen zu tun. Emotionen, die erzeugt oder die betäubt werden sollen. Prävention muss deshalb ebenfalls an den Emotionen andocken. Reine Informationsvermittlung ist als Präventionsmaßnahme erwiesenermaßen unwirksam.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Da gibt es Einiges. Die Ideen gehen mir irgendwie nie aus 😉

Konkret auf der Agenda steht die Optimierung des begleitenden E-Learnings zu unserer Ausbildung zur betrieblichen Ansprechperson Suchtprävention. Die Ausbildung besteht aus dem E-Learning und den Präsenzterminen, sodass digitale Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb durch Anwenden, Üben und Verinnerlichen sich ideal ergänzen.

Das E-Learning wird sukzessive wachsen und weiterentwickelt, auch auf Basis der Rückmeldung der Teilnehmenden. Ich möchte gerne die maximale Nutzerfreundlichkeit und Freude am Lernen für das Selbststudium erreichen und dabei die wachsenden Möglichkeiten der digitalen Informationsvermittlung optimal nutzen.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Eigentlich bin ich dankbar für jedes einzelne Seminar, das letztes Jahr stattfinden konnte. Egal ob digital oder in Präsenz. Das Vertrauen unserer Kunden und die Offenheit, sich auch auf unsere digitalen Angebote einzulassen sind tatsächlich das schönste Feedback. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

„Für so ein Team kann man nur dankbar sein“

VisionGesund ist ein mehrfach ausgezeichneter Gesundheitsdienstleister mit den Kernthemen BGM, BGF und Gefährdungsbeurteilung Psyche, der sich für maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen einsetzt. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Michael Bode und Lukas Loewe über die Auswirkungen der Digitalisierung und ihren Fokus auf hohe Qualität.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden – welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Michael Bode: Ich freue mich immer, wenn jemand das Wort Vision benutzt – schließlich steckt es nicht umsonst in unserem Unternehmensnamen. Die Visionen sind riesig. Wir wollen weiterhin zu den Top-Qualitätsdienstleistern gehören. Kleinunternehmen haben es nicht leicht, den Riesen der Branche mit ihren großen Marketing-Budgets die Aufmerksamkeit abzunehmen. Die Digitalisierung stellt weiterhin eine große Chance dar, um flexibel in kleinen Projektgruppen zu arbeiten. Kurze, zielgerichtete und online moderierte Treffen werden lange, halbtägige Projektsitzungen ablösen.

Lukas Loewe: Dafür haben wir alle Beratungs- und Dienstleistungen inzwischen digitalisiert, ein eigenes Videostudio und mehrere Videokonferenz-Arbeitsplätze eingerichtet. Die so angebotene Qualität werden wir kontinuierlich verbessern und reduzierte Kosten durch bspw. wegfallende Übernachtungen und Fahrten eins zu eins an unsere Kund*innen weitergeben. Wir sind in Gesprächen mit einigen großen Konzernen, welche in unterschiedlichen Kontexten Gesundheitsprojekte umsetzen wollen – auch hier bremst die Pandemie leider etwas aus.

Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Lukas Loewe: Die schon angesprochene Digitalisierung ist ein riesiger Treiber bei uns. Wir können beispielsweise den Prozess der Gefährdungsbeurteilung psychicher Belastung zu 100% digital moderieren – das bietet ganz neue Chancen und Möglichkeiten für zum Beispiel Außendienstler oder dezentrale Organisationen. Aktuell laufen viele dieser psychichen Gefährdungsbeurteilungen fehlerhaft oder die internen Projektleitungen sind schlichtweg von der Fülle der Informationen überrascht.

Michael Bode: Genau, dazu haben wir sieben kurze Tutorial-Videos» auf unsere Website gestellt, in denen wir die wichtigen Schritte einfach und kurzatmig skizzieren. Wir hoffen, damit auch denjenigen einen einfachen Einstieg zu geben, die bei dem Thema noch unsicher sind. Außerdem planen wir zusammen mit dem Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement eine Veranstaltung, um die Qualität in der Umsetzung der GB Psyche zu stärken. Aus unseren Projekten wird uns gespiegelt, dass unsere Art und Methodik einen tatsächlichen Erfolg bietet – Erfolge für Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen werden ermöglicht, wenn man nicht alleine das gesetzliche Minimum erfüllen will.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kund*innen während des letzten Jahres?

Michael Bode: Wenn am Ende eines langen Workshops alle Teilnehmer*innen ihre Zufriedenheit äußern und die Ziele erreicht wurden, dann ist das ein prima Feedback. Die Krone wurde dem Ganzen aufgesetzt, als wir vor Kurzem durch die Wirtschaftswoche in einer Befragung von über 12.000 Entscheider*innen, Einkäufer*innen und Nutzer*innen zum besten Mittelstands-Dienstleister deutschlandweit in der Branche Gesundheitsmanagement ausgezeichnet wurden. Ehrlicherweise haben wir erst bemerkt, dass es diese Befragung und Auswertung gab, als wir aus unserem Netzwerk darauf aufmerksam gemacht wurden.

Lukas Loewe: Wir sind dankbar für diese großartige Auszeichnung und auch ein kleines bisschen stolz. Die Qualität unserer Dienstleistungen ist bei uns mehr als ein Lippenbekenntnis und das kommt scheinbar gut an. Jede*r im Team VisionGesund brennt für die eigene Arbeit – für so ein Team kann man nur dankbar sein. Es gibt auch Niedrigpreis- und Massenanbieter in unserer Branche. Die Auszeichnungen bestätigen uns aber, wenn es um die Gesundheit geht, sind hohe Qualität und eine empathische, umfassende Beratung wichtiger, als das günstigste Angebot abzugeben.