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„Ein Rückblick ist kein Ausblick“

company bike mobilisiert bereits seit 2012 Unternehmen mit Dienstfahrrädern und einem Rundum-Sorglos-Service aus digitaler Abwicklung, individualisiertem Portal und mobilem Reparaturservice. Im Interview spricht CEO Maximilian Acht über Mobilität im Corona-Lockdown, die Gleichstellung von Mobilitätsangeboten und gelebte Strukturen als Grundlage für individualisierte Lösungen.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Das letzte Jahr war geprägt von einer gesellschaftlichen Verunsicherheit, welche auch in meinem privaten Umfeld stark spürbar war. Es wurde viel geredet, spekuliert und diskutiert. Das alltägliche Leben wurde hierbei auf eine ernste Probe gestellt. Letztlich hat es mich in meinem 

Handeln bestärkt, Dinge sachlich zu erörtern und mich an den positiven Entwicklungen zu orientieren. Durch ständige Kritik schaffen wir keine Lösungen und ein Rückblick ist kein Ausblick. Ich schaue konsequent nach vorne und gestalte eine bessere Zukunft.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war Ihr Umgang mit der Pandemie? Hat sich Ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Bereits wenige Tage nach dem ersten Lockdown haben wir die zusätzliche Nachfrage an unseren nachhaltigen Mobiltitätsangeboten deutlich gespürt. Somit fühlen wir uns in unserem Handeln bestätigt und sehen die Erfahrungen aus der Pandemie als weiteren Ansporn. Mit unserer eigenen Supply Chain und unseren volldigitalisierten Prozessen konnten wir von Beginn der Pandemie an auf eine stabile Infrastruktur vertrauen. Unser junges Team hat die neue Situation sehr verantwortungsbewusst und offen angenommen, sodass wir jederzeit voll handlungsfähig gewesen sind.

 

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Das gewohnte Mobilitätsverhalten im Berufsalltag beeinflusst häufig auch die Fortbewegung in der Freizeit. Wir unterstützen den Mobilitätswandel in großen und mittelständischen Unternehmen und fördern die Nutzung des Fahrrads/E-Bikes als weitreichende Alternative zum Auto. Das Resultat sind gesündere Mitarbeiter mit einer hohen Identifikation zu ihrem Arbeitgeber. Durch eine aufwandsarme Administration und maßgeschneiderte Servicelösungen schaffen wir erhebliche Mehrwerte für alle Beteiligten.

 

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

In zahlreichen Unternehmen und Branchen gibt es weiterhin Barrieren bei der Gleichstellung von Firmenwagen und Firmenrad. Wir engagieren uns daher in verschiedenen Interessensverbänden, damit Arbeitnehmer aller Branchen in den Genuss der nachhaltigen Subventionierung kommen. Darüber hinaus analysieren wir aufkommende Bedürfnisse im Markt, der durch das veränderte Mobilitätsverhalten eine sehr große Dynamik erlebt und sich täglich weiterentwickelt. Wir reagieren mit innovativen Lösungsansätzen und setzen hierbei stets neue Maßstäbe.

 

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Wir freuen uns sehr, dass wir reihenweise glückliche Rückmeldungen von unseren Kunden erhalten. Häufig stehen hierbei die wiedererkannte Freude am Radfahren und der große Radius mit elektrischer Unterstützung im Vordergrund. Besonders während des Lockdowns konnten wir zudem viele Kunden mit unserem mobilen Service und unserer persönlichen (coronakonformen) Nähe begeistern. Unser hybrides Geschäftsmodell (digitale Auswahl & physischer Service) ist für viele die perfekte Synergie der Gegenwart.

 

Was macht Company Bike anders als andere Anbieter?

Wir gestalten ein sinnvolles Angebot ohne unnötige Preistreiber, getreu dem Motto „die schönsten Blumen statt den ganzen Strauß“. In der Zusammenarbeit mit großen und mittelständischen Unternehmen sehen wir dies als unsere Verantwortung gegenüber den verschiedenen Personengruppen. Zudem passen wir unsere Dienstleistung bis ins Detail an die gelebten Strukturen an und ermöglichen einzigartige Services. Hierbei bieten wir alle Leistungsbestandteile aus einer Hand an, sodass Vorgaben in jedem Prozessabschnitt berücksichtigt werden können. Individualisierte Lösungen sind für uns der Schlüssel zu einer langfristigen Zusammenarbeit mit sämtlichen Geschäftspartnern.

Geringer Krankenstand – hohe psychische Belastung: Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse nach einem Jahr Corona-Pandemie

Mehr als ein Jahr hat die Corona-Pandemie Deutschland schon im Griff und beeinflusst maßgeblich das Leben der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen wieder viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben wurden, zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse», dass der Dauerlockdown bei den Menschen Spuren hinterlassen hat.

Für die Ergebnisse des Gesundheitsreports wurden die Arzneimittelverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitut Forsa, welche 1.000 Menschen im Mai 2020 und März 2021 telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt haben, mit in die Auswertung einbezogen.

Im März dieses Jahres fühlten sich demnach 42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stark oder sogar sehr stark von der Corona-Situation belastet. Ein Jahr zuvor bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent.  Auffällig ist, dass sich vor allem die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überproportional mehr durch die Corona-Pandemie belastet fühlten als die durchschnittliche Bevölkerung. Fehlende persönliche Treffen mit Verwandten oder Freunden und Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken, wurden als Hauptbelastungsfaktoren empfunden. Bei Berufstätigen wurde zudem auch häufig über vermehrten Stress am Arbeitsplatz berichtet.

Besonders gestresst fühlten sich Eltern mit mindestens einem Kind, die im Home Office arbeiten. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe gaben im März an, stark oder sehr stark durch die Pandemie belastet zu sein. Bei der ersten Erhebung im Mai 2020 waren es 45 Prozent. Berufstätige im Home Office ohne Kinder fühlten sich hingegen weniger gestresst. An beiden Befragungszeitpunkten gaben nur 31 Prozent der Beschäftigten an, stark oder sehr stark durch die Corona-Situation belastet zu sein. Von den Berufstätigen, welche in Präsenz arbeiten, gaben knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an durch die Pandemie belastet zu sein. Das gilt sowohl für die Beschäftigten mit als auch diejenigen ohne Kinder.

Essentiell ist daher weiterhin das Schaffen einer gesunden Arbeitsumgebung, ob im Büro oder im Home Office. Unternehmen können sich dabei auch von der TK Unterstützung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements holen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dabei geht es nicht nur um einen ergonomischen Arbeitsplatz und eine reibungslose IT. Die viel größere Herausforderung ist es, auch auf die Entfernung eine wertschätzende, vertrauensvolle und transparente Arbeitskultur zur verankern. Das sind entscheidende Faktoren für Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die zunehmende Belastung in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie wurde auch von einer Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität Chemnitz, die in Kooperation mit der TK durchgeführt wurde, festgestellt. Die sozialen und beruflichen Herausforderungen haben den Stress der Menschen dauerhaft erhöht; gleichzeitig war es durch die Maßnahmen im Lockdown kaum möglich, die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Reisen, Sport- und Kulturveranstaltungen oder Treffen im Freundeskreis. Laut Studienleiter Professor Dr. Bertholt Meyer» kann dieses Ungleichgewicht auf Dauer zur Erschöpfung und in schweren Fällen zum Burnout führen. Auch Angebote zu Stressmanagement und individueller Ressourcennutzung sind Bestandteil eines umfassenden und nachhaltigen Gesundheitsmanagements in Unternehmen und helfen bei der Prävention von Erschöpfungszuständen.

Geteilte Meinungen zu unbezahlter Quarantäne für Ungeimpfte

Mehrere Bundesländer lehnen die weitere Lohnfortzahlung für Beschäftigte, die nicht gegen COVID-19 geimpft sind und in Quarantäne müssen, ab. Dazu gehören unter anderem Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Während Gewerkschaften eine inoffizielle Impfpflicht und viele innerbetriebliche Konflikte befürchten, begrüßen Arbeitgeber diesen Schritt als Weg zu Fairness und besserem Gesundheitsschutz.

Normalerweise erhalten Arbeitnehmer*innen eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz, wenn sie aufgrund des Kontakts zu Corona-Erkrankten in behördlich angeordnete Quarantäne müssen. Da mittlerweile ausreichend Impfstoff zu Verfügung steht, wollen die Länder den Druck auf Ungeimpfte erhöhen und keine Lohnfortzahlung mehr leisten. Ausnahmen sollen für medizinische Ausschlussgründe gelten.

„Wir bieten allen Bürgerinnen und Bürgern ein kostenloses Impfangebot. Möchte man dieses Angebot nicht wahrnehmen, so ist das für jede Person ihr Recht. Aber dann muss man auch die Verantwortung für sein Tun beziehungsweise sein Unterlassen tragen“, erklärt Clemens Hoch, Gesundheitsminister von Rheinland-Pfalz, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland».

Die Gewerkschaften stehen dieser Entwicklung kritisch gegenüber. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke», es werde offenbar versucht, eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ einzuführen. Stattdessen solle weiterhin verstärkt für Impfungen geworben werden, so wie die Gewerkschaften es seit Monaten täten – auch durch die Arbeitgeber.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wiederum verweist auf die Anstrengungen der Arbeitgeber, ihre Beschäftigten auch in der Pandemie bestmöglich zu schützen. Dafür seien allerdings die entsprechenden Instrumente nötig, beispielsweise die Abfrage des Impfstatus der Mitarbeiter*innen. Dies ist nach einem Kompromiss der Bundesregierung bisher nur in einzelnen Branchen möglich, um sensible Gesundheitsdaten zu schützen. Der Status anderer Impfungen, zum Beispiel gegen Infektionskrankheiten wie Masern, darf allerdings bereits jetzt für Beschäftigte in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen abgefragt werden. Für sensible Bereiche wie Altenpflege und Kinderbetreuung soll diese Regelung auch für die Impfung gegen COVID-19 gelten. BDA-Präsident Dr. Rainer Dulger fürchtet», dass diese „Mini-Ausweitung des Fragerechts beim Arbeitgeber“ dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter*innen Steine in den Weg lege. Das Fragerecht solle auf alle Branchen und Betriebe ausgeweitet werden. In Bezug auf die wegfallende Lohnfortzahlung im Quarantänefall sagte Dulger dem RND», Menschen, die sich trotz entsprechender Möglichkeit nicht impfen ließen, müssten auch die entsprechenden Konsequenzen tragen. Er könne sich allerdings staatliche Anreize» wie Geldprämien oder Fußballtickets vorstellen, um das Impftempo zu erhöhen.

„Wir legen den Schalter auf ON!“

prevent.on bietet bereits seit über zwanzig Jahren stetig weiterentwickelte Gesundheitsdienstleistungen an und arbeitet dafür mit einem Netzwerk aus über 800 Ärzt*innen, Therapeut*innen und Coaches zusammen. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Dr. Nadine Schuster und Dr. Jochen Haack über die Vollbremsung durch die Pandemie, die nachhaltige Pflege des Immunsystems und die digitale Weiterentwicklung von prevent.on.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Ich differenziere diesen Zeitraum einmal in „Beginn der Pandemie“ und „weiterer Verlauf der Pandemie“. Meine größte Herausforderung zu Beginn der Pandemie war es, mit der radikalen Vollbremsung des privaten und öffentlichen Lebens zurechtzukommen. Von heute auf morgen war der Kindergarten geschlossen, durften wir unsere Eltern und Großeltern nicht mehr besuchen, kamen die Patient*innen nicht mehr in die Praxis, fanden Meetings nur noch virtuell statt. Auch für mich, einen Menschen, der mit Veränderungen gut umgehen kann, sie sogar unbedingt im Leben braucht, war diese erste Phase der Pandemie eine Herausforderung. Vor allem deswegen, weil die zeitliche Planbarkeit in Frage gestellt war. Wie lange wird das so sein? Ein paar Wochen? Monate? Vielleicht für immer? Im Verlauf dieser Pandemie wurde mir zudem bewusst, wie unterschiedlich die Menschen mit dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung umgehen, wie wichtig Sicherheit für viele ist und wie vermeintlich gering die Risikokompetenz in unserer Bevölkerung ausgeprägt ist. Das war vielleicht mein größter Lernprozess und auch einer, der in die Weiterentwicklung unserer Dienstleistungen mit eingeflossen ist. Denn die letzten 12 Monate haben uns gezeigt, dass gewisse Risiken im Leben nicht unbedingt vorhersehbar sind und wir dennoch damit umgehen müssen.

Dr. Nadine Schuster, Geschäftsführerin von prevent.on

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war Ihr Umgang mit der Pandemie? Hat sich Ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Wir haben das Motto „Jetzt erst recht!“ für uns verinnerlicht – oder mit unserem Slogan gesprochen: „Wir legen den Schalter auf „ON“. Wir haben schnell zu Beginn der Pandemie mit unseren Kund*innen Kontakt aufgenommen und die Bedürfnisse oder besonderen Herausforderungen erfragt. Durch die Verbote der Dienstreisen der Firmen gab es im medizinischen Bereich natürlich zunächst weniger Untersuchungen an unseren Standorten. Nach Aufhebung dieser Verbote wurde der Checkup auch vor dem Hintergrund der Identifikation eigener Risikofaktoren wieder vermehrt in Anspruch genommen. Auch hier zählt wieder unser Motto „Schalter auf ON umlegen“: was kann ich heute dafür tun, damit ich mich fit und resilient mache? Das heißt natürlich nicht, dass ich durch meinen Lebensstil eine Erkrankung komplett vermeiden kann. Aber ich kann meinen Beitrag zu einer besseren Immunkompetenz und zu einer optimistischen Lebenseinstellung leisten.

Und hier spielt ein anderer wichtiger Aspekt eine Rolle, denn der psychomentale Bereich, der andere Schwerpunkt der prevent.on GmbH, hat in den vergangenen mittlerweile 15 Monaten einen besonderen Zulauf erfahren. Menschen haben aufgrund der Pandemie Angehörige verloren, der Arbeitsplatz ist oder war bedroht, sie haben eine Covid-19-Erkrankung überstanden und waren auf Intensivstation, sie haben eine Verschlimmerung einer vorhandenen depressiven Erkrankung erfahren und so weiter. Die Pandemie wirkte wie ein Brennglas für die Entstehung oder Beschleunigung von psychomentalen Beanspruchungsfolgen und hat uns darin bestärkt, mit unseren Angeboten für Firmen und Krankenkassen auf dem richtigen Weg zu sein. Mit einigen unserer Bestandskund*innen aus dem Checkup-Bereich haben wir schnelle psychologische Unterstützungsangebote für Mitarbeiter*innen ins Leben gerufen und unsere bundesweit über 850 Psychotherapeut*innen aktiviert, schnell und unkompliziert Beratung und Therapie zur Verfügung zu stellen. So konnten wir unmittelbar reagieren und in manchen Fällen Chronifizierung vorbeugen.

Wir decken als Unternehmen mit unserem Portfolio einige aktuelle Bedarfe von Unternehmen im Bereich Gesundheit ab. Die Pandemie hat zudem ein Brennglas auf den Megatrend der Digitalisierung gelegt – und auch wir haben unser Portfolio in diesem Kontext angepasst. Ab Januar 2021 gibt es einen rein digitalen Checkup für Mitarbeiter*innen aus Unternehmen jeglicher Größe. Dies ist zum einen ökonomisch für viele Firmen sinnvoll, zum anderen löst es auch Probleme, die durch Themen wie zeitliche und räumliche Flexibilisierung der Arbeit neu aufgetreten sind.

Und abschließend: wir haben uns auch als Organisation neu aufgestellt. Wir sind gewachsen, haben Mitarbeiter*innen eingestellt, unsere Prozesse optimiert, um noch schneller auf kundenseitige Veränderungen reagieren zu können. Wir haben mittlerweile eine Tugend aus der virtuellen Kommunikation gemacht und „sehen“ uns seither sogar häufiger als vorher, da wir an unterschiedlichen Standorten arbeiten. Aber dieser Prozess hat am eigenen Leib die Herausforderungen großer Unternehmen gezeigt: die Corona-Pandemie hat Homeoffice zunächst zur Regel erklärt, aber den individuellen Umgang damit offen gelassen. Die völlige Entgrenzung der Arbeit, die sich schon seit einigen Jahren anbahnte, hat in den letzten 15 Monaten den Zenit erreicht und deutlich gemacht, wie unterschiedlich Menschen darin sind, Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu brauchen oder sogar gänzlich ablehnen. „Führen und geführt werden im digitalen Zeitalter“ und deren Auswirkungen wurde schneller als gedacht zur Hauptaufgabe der Unternehmen und wird uns noch lange beschäftigen.

Dr. Jochen Haack, Geschäftsführer von prevent.on

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Die Corona-Pandemie hat unsere Kernkompetenz als Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen tangiert, denn Stress und Belastungen, und dazu gehören auch die verschiedenartigen beruflichen und privaten Belastungsfaktoren im Rahmen der Corona-Pandemie, können dazu beitragen, dass unser Immunsystem anfällig wird für Infektionen. Ein starkes Immunsystem wiederum kann dazu beitragen, dass die Chance einer Infektion geringer ist und dass eine allfällige Infektion weniger schwerwiegend verläuft. Die eigenen Abwehrkräfte können mit verschiedenen Maßnahmen gestärkt werden: Eine ausgewogene Ernährung mit einer genügenden Aufnahme von Flüssigkeit wird bereits breit empfohlen. Daneben gibt es weitere vorbeugende Maßnahmen, die im Alltag helfen können, das Immunsystem gesund zu erhalten: kein Vitamin D-Mangel, mäßiger Alkoholkonsum, nicht Rauchen, ausreichend Bewegung, insbesondere an der frischen Luft, und genügend Schlaf sind für ein gesundes Immunsystem ebenso wichtig. Des Weiteren sollte auch lange andauernder (chronischer) Stress vermieden werden. Diese Tipps für einen gesunden Lebensstil gelten nicht nur für die Stärkung des Immunsystems, sondern sind auch zur Prävention von nicht übertragbaren Krankheiten wie Übergewicht, Diabetes oder Krebs wirksam.

Und hier liegt die Stärke von prevent.on: Schon vor der Pandemie waren die Identifikation von Risikofaktoren zur Ausbildung von körperlichen und psychischen Erkrankungen und die Stärkung von Schutzfaktoren unsere täglichen Arbeitsschwerpunkte. Wir führen an mittlerweile 9 Checkup-Standorten und in über 850 psychotherapeutischen Praxen Untersuchungen und Beratungen auf höchstem Niveau durch und sind Experten in Stärkung individueller und organisationaler Resilienz. Resilienz heißt, nach widrigen Erfahrungen der Vergangenheit wieder aufzustehen und positive Schlüsse für die Zukunft zu ziehen. Unsere Haltung der Ressoucenorientierung macht uns zu wichtigen Partnern für unsere Kundenunternehmen, gerade weil es jetzt um die Übertragung von „Lessons learned“ auf die Zukunft geht.

 

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Zwei große Projekte, die beide mit dem Megatrend der Digitalisierung bzw. Konnektivität zu tun haben, stehen in der Pipeline. Die Pandemie bietet die Grundlage für zahlreiche Veränderungen: Möglicherweise werden wir weiterhin vermehrt mobiler arbeiten, dabei weniger reisen und uns somit häufiger in einer Videokonferenz besprechen. Wir haben uns vielleicht auch in einigen Bereichen an das Online-Shopping gewöhnt und können uns gut damit identifizieren, dass wir uns im wahrsten Sinne des Wortes in virtuellen Räumen bewegen, um Sport zu treiben. Alles wird digitaler und exakt diese Digitalisierung ermöglicht es uns, gewisse Dinge zu vereinfachen.

Zum einen möchten wir unsere Kund*innen und Klient*innen zukünftig smart und komfortabel durch den prevent.on-Checkup führen: Von der Einladung über die Terminauswahl, der Beantwortung von Fragen zu der medizinischen und psychischen Gesundheit bis zur Ergebnisdarstellung wird alles digital stattfinden. Auch die Nachverfolgbarkeit vereinbarter Ziele und die Darstellung von Veränderungen über die verschiedenen Checkups werden Bestandteil des neuen prevent.on-Gesundheitsportals sein.

Wir stehen zum anderen kurz vor dem Launch unseres rein digitalen Checkups, worauf wir schon gespannt sind und auf dessen Markteinführung wir uns sehr freuen! Was erwartet die Kund*innen bei einem (fast) rein digitalen Checkup? Die Klient*innen erhalten von ihrem Arbeitgeber einen anonymisierten Code, loggen sich mit diesem in unser System ein, registrieren sich und füllen zunächst zwei Fragebögen mit medizinischen und psychologischen Fragen aus. Sie drucken sich im Anschluss einen Voucher aus und vereinbaren einen Termin mit ihrem Betriebs-oder Hausarzt, um körperlich untersucht zu werden und diagnostisch und präventivmedizinisch wichtige Werte zu ermitteln (Blutabnahme, Blutdruck, Größe, Gewicht, Bauchumfang). Der Arzt schickt diese Werte zurück an prevent.on. Der Klient vereinbart darauf online ein telemedizinisches Abschlussgespräch mit einem Gesundheitsberater, bei dem die Ergebnisse der Fragebögen, eventuellen „red flags“ und die Ergebnisse der körperlichen Untersuchung besprochen sowie Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden. Der Klient hat jederzeit Zugang zu seinen Ergebnissen und erhält in seinem Bereich Tipps und Tricks zur Verhaltensänderung. Hier schließt auch unsere Vision für die kommenden Jahre an: wir wollen der Veränderungsbegleiter für unsere Kundenunternehmen und Klient*innen sein und die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie in eine gesunde Zukunft tragen. Wir wollen Menschen und ganze Unternehmen in ihrer Gesundheit stärken, Führungskräfte zu gesunden Vorbildern entwickeln, sowohl in ihrer Haltung als auch in ihrem Verhalten. Dazu investieren wir gerade in den extrem spannenden Bereich der Künstlichen Intelligenz, um noch besser und individueller diagnostizieren und beraten zu können.

 

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Ein Klient sagte zu einer meiner Mitarbeiter*innen an unserer Hotline, die sich um die schnelle Vermittlung in Psychotherapie oder Beratung kümmert, folgendes: „Endlich habe ich eine Beratung gefunden, die mir hilft. Ich kann mich sortieren, habe wieder den Eindruck „hinter dem Ball zu sein“ und das Spiel mitzugestalten. Ich kann mich wieder konzentrieren und bin zuversichtlich, dass ich die Herausforderungen meistern werde. Innerhalb von wenigen Tagen hatte ich einen Termin bei einer Psychologin. Ich bin froh, dass mein Arbeitgeber das ermöglicht. Naja, er hat ja auch etwas davon 😊.“

AOK-Pflege-Report 2021: Belastung von Pflegekräften durch Corona weiter gestiegen

Kranken- und Altenpflege sind auch unter normalen Umständen herausfordernde Berufe: große Verantwortung, Schichtdienst und hoher Arbeitsdruck verstärken vorhandene Belastungen, sodass krankheitsbedingte Fehlzeiten häufig sind. Der neue Pflege-Report der AOK» zeigt nun, wie diese während der COVID-19-Pandemie zugenommen haben.

Corona führte einerseits zu erhöhtem Pflegeaufwand für schwer gefährdete oder bereits erkrankte Personen, andererseits zu einem hohen Risiko, sich selbst zu infizieren. Krankheits- oder risikobedingte Ausfälle bedeuteten zusätzlich eine weiter erhöhte Arbeitsverdichtung und –belastung. Die sogenannte erste Welle der Pandemie ist daher auch an den Arbeitsunfähigkeitstagen abzulesen: im März 2020 lagen diese für Pflegekräfte durchschnittlich 4,7 Tage höher, im April immer noch etwa 2,1 Tage.

Die AOK nennt neben Berufen in der Kinderbetreuung und –erziehung, die trotz Lockdown-Maßnahmen weiterhin Kontakt zu vielen Menschen hatten, die verschiedenen Bereiche der Pflege als am meisten Betroffene von COVID-19-Diagnosen: für die Altenpflege vermerkt der Report 2.083 Erkrankte pro 100.000 Versicherte, für die Gesundheits- und Krankenpflege 2.016 und für die Fachkrankenpflege 1.905. Der Durchschnitt aller Berufe liegt bei 1.183 Erkrankten pro 100.000 Mitgliedern.

Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist während der Pandemie weiter angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Vorjahren. Dennoch liegt sie weiterhin weit über dem Durchschnitt, wie sich anhand der Arbeitsunfähigkeitstage zeigt. Durchschnittlich fehlen Pflegekräfte 5,8 Tage pro Jahr aufgrund von psychischen Erkrankungen, für andere Berufe sind es nur 3,0 Tage.

In Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zeigt sich laut Pflege-Report ein deutlicher Unterschied zwischen größeren und kleineren Häusern: während erstere die entsprechenden Strukturen und Ressourcen vorhalten können und entsprechend aufbauen und weiterentwickeln, habe für kleinere Unternehmen das Tagesgeschäft oft Vorrang. Gerade während der Pandemie seien aber insgesamt viele Angebote zurückgestellt worden, wobei die Beschäftigten besonders BGF-Angebote zur Stressbewältigung oder Resilienz sowie psychosoziale Unterstützung nachfragen. Auch Führungskräfte wünschen sich laut Report mehr Unterstützung, unter anderem zu gesunder Führung, Kommunikation sowie Maßnahmen zur Förderung der Teamarbeit. Die Studie leitet daraus verschiedene Handlungsempfehlungen ab, darunter die vermehrte Form hybrider Formen der psychosozialen Entlastung, die bessere Unterstützung und Vorbereitung von Führungskräften sowie die Beteiligung von Pflegekräften an der Entwicklung digitaler oder hybrider Angebote, um diese passgenau aufzubauen. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten – das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle.

Keine Alibi-Aktionen mehr

Der Hilfsmittelhersteller Bauerfeind AG nutzt langjähriges Know-How aus Sportmedizin und Reha für fundierte Präventions- und umfassende Gesundheitsangebote. Christian Weyer, Leiter des Bereichs Betriebliche Prävention, spricht im Interview über die wichtige Vernetzung von Gesundheitsthemen und -akteuren und die Frage, warum Gesundheitsmanagement nicht nur Luxus, sondern auch Wert ist.

An Sie als Mensch und nicht als Leiter eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Christian Weyer, Leiter Betriebliche Prävention Bauerfeind AG

So wichtig das Planen und Kalkulieren mit dem „spitzen Bleistift“ auch ist – es kann jederzeit passieren, dass ein dicker Strich durch die Rechnung gemacht wird. Damit muss man leben lernen und auch die Chancen darin sehen: Mehr Abstand zum Tagesgeschäft, mehr Zeit für Dinge, die weniger dringlich, aber ebenfalls wichtig sind.

Erstaunt hat mich, wie unterschiedlich viele Unternehmen das Thema BGM in den letzten Monaten angegangen sind: Manche haben alle Aktivitäten eingestellt, andere zumindest Notfallpläne entwickelt und wieder andere die Zeit des Lockdowns genutzt, um alternative und langfristige Präventionskonzepte zu entwickeln.

Welche Vision haben Sie?

Betriebliche Prävention muss mehr Beschäftigte erreichen und mehr leisten als nur Beratung oder die Bereitstellung von Messdaten: Wir haben in Deutschland eines der besten Gesundheitssysteme – doch betriebs- und hausärztliche Betreuung greifen nur wenig ineinander, und „Dr. Google“ spielt bei vielen Mitarbeitern eine unverhältnismäßig große, teils riskante Rolle.

Um Abhängigkeiten von Schmerzmedikamenten, chronifizierten Beschwerden und vorzeitiger Berufsunfähigkeit zu begegnen, sollte mehr KnowHow z.B. aus der Orthopädie, Psychologie und anderen Disziplinen wie auch dem Arbeitsschutz in das Gesundheitsmanagement einfließen.

Die Bauerfeind AG wird weiterhin an einer entsprechenden Vernetzung und Fokussierung der Akteure im Gesundheitswesen arbeiten, der Erfolg erster Pilotprojekte bestärkt uns darin.

Werden BGM-Maßnahmen nach der Krise eher ein Luxusthema sein?

BGM war schon immer ein kostspieliger Luxus, wenn es zum reinen Selbstzweck und ohne ausreichende Nachhaltigkeit betrieben wurde. Das Kosten-/Nutzenverhältnis hängt stark davon ab, wie sehr Gesundheitsmanagement als „Chefsache“ verstanden wird und die Maßnahmen in die betriebliche Struktur integriert sind:

Vorteile für das Personalmarketing daraus zu ziehen ist absolut legitim, wenn zugleich auch die Mitarbeiter spürbar für ihre persönliche Gesundherhaltung profitieren. Alibi-Aktionen kann sich kein Unternehmen mehr leisten, eine gute Präventionskultur jedoch manch wirtschaftlich wertvollen Vorsprung sichern – gerade in so besonderen Zeiten.

Holpriger Start: Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt

Am ersten August sind viele Auszubildende in ihre Lehre gestartet. Trotz entsprechender Bemühungen von Betrieben, Politik und Handelskammern bleiben jedoch viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Bereits 2020 fiel die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, in diesem Jahr gibt es laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag» nur ein leichtes Plus von 1,4 Prozent.

Umfragen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)» zeigen, dass jeder zehnte Ausbildungsbetrieb sein Lehrstellenangebot aus finanziellen Gründen sowie aufgrund unsicherer Geschäftserwartungen einschränken oder sogar ganz beenden will. Zusätzlich nennt etwa ein Drittel der Unternehmen auch Rekrutierungsprobleme als Ausbildungshindernis, was das IAB einerseits auf die weiterhin zunehmende Studierneigung von Jugendlichen als auch mangelnde Praktikumsmöglichkeiten und Beratungsangebote aufgrund der Corona-Pandemie zurückführt. Die IG Metall» hingegen wirft Arbeitgebern vor, trotz Rekordgewinnen an der Ausbildung zu sparen und damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachzukommen.

Die Jugendberufsagentur Berlin erwartet in ihrem neuesten Bericht» zudem den Fachkräftemangel zurück, der einige Branchen bereits vor der Pandemie betroffen hat, darunter Gastronomie und Hotellerie. Herausfordernde Arbeitszeiten, verhältnismäßig niedrige Löhne und hohe Ansprüche an die eigene Belastbarkeit haben sowohl in diesen als auch in anderen Branchen zu einem Ausbleiben von Auszubildenden geführt. Neben der offensiven Ansprache und Beratung von Schulabgänger*innen ist also auch die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen in vielen Bereichen nötig, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben und dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken.

„Aufgeben ist für mich ein denkunmöglicher Ansatz“

Das zertifizierte Gesundheitswandern des Tourismusverbands Wipptal verbindet Bewegung an der frischen Luft, professionelle Physiotherapie und Entspannungseinheiten. Unter der Corona-Pandemie hat der Tourismus allerdings stark gelitten. Im Interview spricht Obmann Kurt Hasenbacher über persönliche Belastungen, seine Prognosen für die nächste Zeit und die Kraft, die der Kontakt mit den Stammkunden immer wieder schenkt.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Sachlich und nicht zu überhastet sich neuen Herausforderungen zu stellen. Durch das „Kennenlernen“ vieler psychisch belasteter Partner im beruflichen Umfeld in teilweise stundenlangen Telefonaten muss die Zusammenarbeit neu belebt werden.

Die Betreuung meiner hochbetagten Eltern in ihrem gemeinsamen Haushalt in Innsbruck war privat die größte Herausforderung für mich und meine Geschwister.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

„AUFGEBEN“ ist für mich ein denkunmöglicher Ansatz. Mindestens bis Ende 2022 ist aus meiner Sicht mit ständigen Neuanpassungen vor allem im Tourismusmarkt zu rechnen. Ich habe mich bereits definitiv ab 17.3.2019 festgelegt:

Die Pandemie wird unser Tourismusumfeld bis mind. Ende 2022 stark beeinflussen, der Budgetrahmen wird um ca. 50% eingeengt.

Durch unser Stammpersonal hat sich im Organisationsaufbau erfreulicherweise nichts geändert, Homeoffice usw. konnten wir mit kleineren Schrammen problemlos bewältigen. Diverse finanzielle Zuwendungen vom Land –  der Tourismusverband Wipptal ist eine Körperschaft öffentlichen Rechts – konnten zur Beruhigung beitragen.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Hilfe für Betriebe:

  • vor Ort: Verbesserung der Qualität in der Hotellerie und Gastronomie, z.B. Schulung des Personals in Hotelküchen durch unsere Diätologinnen.
  • Steigerung der Auslastung in den Hotels durch das Angebot „Gesundheitswandern“
  • überregional: Das Angebot „Gesundheitswandern“ soll Betrieben dabei helfen, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben. Bei den Kursen der Aktivwochen lernen die Gäste, wie wichtig Bewegung und gesunde Ernährung im Alltag sind.

Unsere größte Stärke ist der hohe Qualitätsanspruch für unser Produkt Gesundheitswandern sowie die persönliche Betreuung der Gäste vor Ort durch qualifiziertes Personal (Gesundheitswanderführer, Diätologinnen).

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Eine notwendige Steigerung der Gästezahlen für die Aktivwoche bis Ende 2023, um das Qualitätsniveau (Mobilität, Schauküche – Ernährung, Gesundheitswanderführerinnen) schon allein aus Kostengründen aufrechterhalten zu können.

Ein breiterer Marktauftritt und eine Intensivierung der hervorragenden Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern ist dabei bereits in Umsetzung.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kund*innen während des letzten Jahres?

Die ständigen immer wiederkehrenden Telefonate mit vielen Stammkunden (vor allem von der Aktivwoche/Gesundheitswandern) haben uns viel Kraft und die dringend notwendigen Motivationsschübe auch für unsere Mitgliedsbetriebe gegeben. Die beeindruckende Tiroler Kultur- und Naturlandschaft mit den fünf Heimattälern sowie den beliebten Gastgebern war dabei immer der Aufhänger.

„Kein back to normal“

Seit über 30 Jahren unterstützt das Fürstenberg Institut Führungskräfte und Beschäftigte dabei, ihre Gesundheit nachhaltig zu verbessern. Der Fokus liegt dabei auf der Reduzierung von psychischen Belastungen, auf EAP- und Organisationsberatung sowie der Begleitung von Changeprozessen. Im Interview spricht Reinhild Fürstenberg, Gründerin und Geschäftsführerin des Instituts, über die Entwicklung der Arbeitswelt nach Corona, die Rolle von Führungskräften und die Wichtigkeit von Prävention.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheits-dienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Wie schnell wir reagieren und neue Ideen entwickeln können, sozusagen agiles Leben und Arbeiten at its best – das hat mich begeistert.
Die Corona-Pandemie hat aber auch gezeigt, wie wichtig die eigene Resilienzfähigkeit ist. Sie entscheidet letztlich darüber, wie glücklich wir sind – relativ unabhängig davon, ob im Außen alles okay ist oder nicht.

Reinhild Fürstenberg
©Verena Reinke

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

In der Pandemie hat sich von jetzt auf gleich gezeigt, wie gut die Zusammenarbeit auch auf Distanz klappt – und im Verlauf der Pandemie: wie gut es trotz all der digitalen Möglichkeiten ist, auch im direkten Kontakt zu bleiben. Hybrides Arbeiten ist das Arbeitsmodell der Zukunft. Das hat natürlich Einfluss auf unser eigenes Arbeiten, aber auch auf die Angebote für Kunden-Unternehmen. Wir setzen schon seit einiger Zeit auch auf digitale Formate und waren daher bestens vorbereitet, die Präsenzangebote gleich zu Beginn der Pandemie umzustellen. Unser Portfolio wird noch digitaler werden, aber auch Face-to-Face wird es künftig unbedingt weiter geben – wir leben vom persönlichen Kontakt.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Mit unserem Mental Health Program unterstützen wir Beschäftigte und Unternehmen, präventiv ihre mentale Gesundheit zu stärken und leisten damit einen wichtigen, auch gesamtgesellschaftlichen Beitrag. Weil die psychischen Probleme und Erkrankungen durch die Pandemie sehr zugenommen haben, und gleichzeitig die Versorgung durch das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt, ist unsere Arbeit wichtiger denn je. Unsere Kunden bescheinigen uns bereits viele Jahre in Folge eine sehr hohe Zufriedenheit, und 80 Prozent unserer Klient*innen geben an, sich nach nur einer Beratung bereits besser und gestärkt zu fühlen.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Ganz klar: Wir nehmen hybrides Arbeiten mit all seinen Chancen und Herausforderungen für jede/n einzelne/n Mitarbeiter*in und die Teamsynergien in den Fokus. Ein back to normal wie vor Corona ist weder realistisch noch wünschenswert. Dazu bieten wir zahlreiche Angebote, auch gesetzliche Verpflichtungen wie die GBU Psyche und BEM. Die werden nach Corona neu gedacht und ergänzt. Insgesamt hat sich durch die Erfahrung von Homeoffice und hybriden Modellen die Kultur des Arbeitens verändert. Das bedarf in den Firmen sowohl in der Führungsarbeit als auch unternehmensübergreifend künftig einer weiteren Ausgestaltung und Stärkung.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kund*innen während des letzten Jahres?

Wir haben viel tolles, sehr vielfältiges Feedback bekommen und konnten wirklich helfen: Zum Beispiel der berufstätigen Mutter, die durch die Beratung gewappnet war für die Doppelbelastung mit Homeoffice und Homeschooling. Oder dem Mann mittleren Alters, der von seinen Ängsten vor Arbeitsplatzverlust wie gelähmt war und letztlich sogar ein neues Projekt übernehmen konnte. Besonders erfreulich war auch ein digitaler Führungskräfteworkshop, aus dem die Teilnehmer*innen als echte Stakeholder für Mental Health rausgingen. Ein weiteres sehr großes Kompliment: Wir haben im Corona-Jahr sehr viele neue Kunden gewonnen, die aufgrund unseres Angebots auf uns zugekommen sind.

Sie haben einen eigenen Podcast zu guter Führung gestartet. Was hat den Ausschlag dazu gegeben?

Ich möchte, dass Führungskräfte mehr gesehen werden mit all den großartigen Dingen, die sie jeden Tag leisten. Mit dem, was sie ausmacht in ihrer Führung, was sie beschäftigt und herausfordert. Und vor allem mit dem, was sie menschlich bewegt. Letztlich sind es doch gerade die Führungskräfte, die maßgeblich dazu beitragen, dass die Wirtschaft aufrecht erhalten bleibt. Aus dieser tiefen Motivation heraus, habe ich meinen eigenen Podcast „Die besten Chef*innen“ gestartet, in dem ich alle zwei Wochen mit Top-Manager*innen über gute Führung spreche.

Gastronomieöffnung – ohne Personal?

Bereits vor der Pandemie war die Personalfluktuation in der Gastronomie hoch: eher niedrige Löhne sowie Arbeit unter Zeitdruck und zu schwierigen Zeiten boten oft keine langfristige Perspektive für Beschäftigte. Während der verschiedenen Lockdowns haben sich viele Arbeitnehmer*innen der Branche daher umorientiert oder wurden sogar gezielt abgeworben, beispielsweise vom Einzelhandel. Angesichts der niedrigen Inzidenzen dürfen Restaurants, Bars und Kneipen nun wieder öffnen – oder würden gern, können aber mangels Personal nicht. So berichtet der NDR», dass zum Start der Hauptsaison den Betrieben an der Nordsee zwischen 30 und 50 Prozent Mitarbeiter*innen fehlen, letzteres insbesondere auf den Ostfriesischen Inseln. Teilweise werden trotz entsprechender touristischer Nachfrage Ruhetage eingeführt.

Dabei wird intensiv nach Fachkräften gesucht: so verzeichnet die Stellenbörse Indeed» ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vormonat in Bezug auf Stellenangebote in der Gastronomie, im Bereich Hotel und Tourismus sind es 23 Prozent. Fast 30 Prozent der Betriebe, die noch nicht öffnen können, nennen einer Blitzumfrage des Branchenverbandes DEHOGA zufolge» fehlende Mitarbeiter*innen als Grund. Tatsächlich mussten allerdings nur 26,3 Prozent der Unternehmen überhaupt Kündigungen aussprechen, der Großteil konnte mithilfe des Kurzarbeitergeldes ihr Personal halten.

Wie geht es nun weiter für die Gastronomie? DEHOGA-Präsident Guido Zöllick fordert eine dauerhafte Öffnungsgarantie, um Unternehmen und Beschäftigten eine Perspektive zu bieten. Grundsätzlich hilft nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, deren Grundpfeiler bereits seit langem klar sind: Lohnerhöhungen sowie Planbarkeit. Zu letzterem kann insbesondere die sich stetig weiterentwickelnde Digitalisierung beitragen, beispielsweise durch den Einsatz entsprechender Tools in der Personalplanung. Da ein häufiger Grund für Jobwechsel auch in der Reibung zwischen einem eher rauhen Umgangston, beispielsweise in der Küche, und dem anspruchsvollen Service mit Kundenkontakt liegt, ist auch die gezielte Entwicklung der Unternehmenskultur unabdingbar, um Beschäftigte langfristig nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Beruf zu halten sowie neu zu gewinnen.