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„Aufgeben war nie eine Option“

Die Betriebliche Suchtprävention Miehle ist auf die Entwicklung nachhaltiger struktureller und individueller Faktoren spezialisiert, die der Entwicklung von Suchterkrankungen entgegentreten. Im Interview spricht Geschäftsführer Patrick Durner über die Herausforderungen, die Pandemie und Home Office für eine erfolgreiche Suchtprävention darstellen, aber auch den eigenen Umgang mit den Einschränkungen.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

 

Die größte Herausforderung war, fehlende Planbarkeit auszuhalten. Selbst ein Jahr später ist ja noch nicht wirklich klar, wann es wieder eine Form von „Normalität“ geben kann. Und auf einige meiner großen Leidenschaften verzichten zu müssen, wie z.B. Snowboarden, fiel mir enorm schwer. 

Der inzwischen schon traditionelle jährliche Winterurlaub mit meinem Vater war die letzten Jahre immer ein Highlight für mich. Dass auch dieser leider nicht stattfinden konnte, fand ich schon sehr traurig.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Der erste Lockdown war schon eine Herausforderung. Von jetzt auf gleich alle Seminare abgesagt und keine Perspektive, wann und wie es weitergehen kann. Mir hat es unheimlich geholfen, nach wie vor täglich in mein Büro zu fahren und mich intensiv mit den Möglichkeiten der digitalen Welt zu beschäftigen. Aufgeben war nie eine Option, sodass ich viel Arbeit in unsere digitalen Angebote gesteckt habe, die sich nun langsam auch auszahlt.

Das Portfolio hat sich erweitert und temporär gibt es aufgrund der Gegebenheiten wohl hauptsächlich Onlineveranstaltungen. Perspektivisch ist das aber nicht meine Zielsetzung, nur noch Onlinetrainings anzubieten. Dafür liebe ich den direkten Kontakt mit den Teilnehmenden zu sehr. Zwischenmenschlich passiert doch deutlich mehr in Präsenz, als online. Alles kann und wird die digitale Welt nicht ersetzen können. Zum Glück 😉

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Für diese Auszeichnung bin ich sehr dankbar, denn das bestätigt meinen unermüdlichen Einsatz, unser Angebot zu modernisieren und noch besser an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Meine Steckenpferde sind die Themen Suchtprävention und digitale Balance. Beides Themen, die uns in Gegenwart und Zukunft weiter beschäftigen werden. Durch Homeoffice und remote working fallen Mitarbeitende mit problematischem Konsum deutlich weniger auf. Heißt Suchtprobleme können sich in aller Ruhe entwickeln, ohne dass KollegInnen oder Vorgesetzte irgendetwas merken. Genau deshalb ist jetzt der Zeitpunkt, sich mit Suchtprävention zu beschäftigen, um frühzeitig die schweren Verläufe mit langen Ausfallzeiten oder drastischen Konsequenzen zu verhindern. Und auch die Digitale Balance ist in einer volldigitalisierten Welt eine notwendige Kompetenz um langfristig gesund zu bleiben. Wir unterstützen Behörden und Unternehmen mit einem breiten Angebot zu den Themen Suchtprävention und digitale Balance. Von den klassischen Trainings für Azubis, Führungskräfte, Betriebs- oder Personalräte bis in die Managementebene über die Ausbildung von betrieblichen Ansprechpersonen Suchtprävention bis hin zur  Unterstützung bei der Entwicklung eines Gesamtkonzepts zur betrieblichen Suchtprävention. Unsere Stärke ist, dass wir auf vielfältigste Erfahrungen mit verschiedensten Kundentypen zurückgreifen können. Von kleinen und mittelständischen Unternehmen über bayerische oder Bundesbehörden bis hin zu internationalen Großkonzernen ist so ziemlich alles dabei. Dadurch können wir die unterschiedlichen Bedürfnisse absolut zielgerichtet bedienen.

Eine Stärke ist auch die Fokussierung auf das Thema Suchtprävention. Heißt wir sind sowohl im Thema Sucht als auch im Thema Prävention Experten. Nur weil jemand sich im Thema Sucht auskennt, heißt das nicht automatisch, dass er auch Prävention gut kann. Denn Prävention lebt von den Methoden, von den Emotionen. Sucht hat immer mit Emotionen zu tun. Emotionen, die erzeugt oder die betäubt werden sollen. Prävention muss deshalb ebenfalls an den Emotionen andocken. Reine Informationsvermittlung ist als Präventionsmaßnahme erwiesenermaßen unwirksam.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Da gibt es Einiges. Die Ideen gehen mir irgendwie nie aus 😉

Konkret auf der Agenda steht die Optimierung des begleitenden E-Learnings zu unserer Ausbildung zur betrieblichen Ansprechperson Suchtprävention. Die Ausbildung besteht aus dem E-Learning und den Präsenzterminen, sodass digitale Wissensvermittlung und Kompetenzerwerb durch Anwenden, Üben und Verinnerlichen sich ideal ergänzen.

Das E-Learning wird sukzessive wachsen und weiterentwickelt, auch auf Basis der Rückmeldung der Teilnehmenden. Ich möchte gerne die maximale Nutzerfreundlichkeit und Freude am Lernen für das Selbststudium erreichen und dabei die wachsenden Möglichkeiten der digitalen Informationsvermittlung optimal nutzen.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Eigentlich bin ich dankbar für jedes einzelne Seminar, das letztes Jahr stattfinden konnte. Egal ob digital oder in Präsenz. Das Vertrauen unserer Kunden und die Offenheit, sich auch auf unsere digitalen Angebote einzulassen sind tatsächlich das schönste Feedback. Und das weiß ich sehr zu schätzen.

„Für so ein Team kann man nur dankbar sein“

VisionGesund ist ein mehrfach ausgezeichneter Gesundheitsdienstleister mit den Kernthemen BGM, BGF und Gefährdungsbeurteilung Psyche, der sich für maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen einsetzt. Im Interview sprechen die Geschäftsführer Michael Bode und Lukas Loewe über die Auswirkungen der Digitalisierung und ihren Fokus auf hohe Qualität.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden – welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Michael Bode: Ich freue mich immer, wenn jemand das Wort Vision benutzt – schließlich steckt es nicht umsonst in unserem Unternehmensnamen. Die Visionen sind riesig. Wir wollen weiterhin zu den Top-Qualitätsdienstleistern gehören. Kleinunternehmen haben es nicht leicht, den Riesen der Branche mit ihren großen Marketing-Budgets die Aufmerksamkeit abzunehmen. Die Digitalisierung stellt weiterhin eine große Chance dar, um flexibel in kleinen Projektgruppen zu arbeiten. Kurze, zielgerichtete und online moderierte Treffen werden lange, halbtägige Projektsitzungen ablösen.

Lukas Loewe: Dafür haben wir alle Beratungs- und Dienstleistungen inzwischen digitalisiert, ein eigenes Videostudio und mehrere Videokonferenz-Arbeitsplätze eingerichtet. Die so angebotene Qualität werden wir kontinuierlich verbessern und reduzierte Kosten durch bspw. wegfallende Übernachtungen und Fahrten eins zu eins an unsere Kund*innen weitergeben. Wir sind in Gesprächen mit einigen großen Konzernen, welche in unterschiedlichen Kontexten Gesundheitsprojekte umsetzen wollen – auch hier bremst die Pandemie leider etwas aus.

Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Lukas Loewe: Die schon angesprochene Digitalisierung ist ein riesiger Treiber bei uns. Wir können beispielsweise den Prozess der Gefährdungsbeurteilung psychicher Belastung zu 100% digital moderieren – das bietet ganz neue Chancen und Möglichkeiten für zum Beispiel Außendienstler oder dezentrale Organisationen. Aktuell laufen viele dieser psychichen Gefährdungsbeurteilungen fehlerhaft oder die internen Projektleitungen sind schlichtweg von der Fülle der Informationen überrascht.

Michael Bode: Genau, dazu haben wir sieben kurze Tutorial-Videos» auf unsere Website gestellt, in denen wir die wichtigen Schritte einfach und kurzatmig skizzieren. Wir hoffen, damit auch denjenigen einen einfachen Einstieg zu geben, die bei dem Thema noch unsicher sind. Außerdem planen wir zusammen mit dem Bundesverband Betriebliches Gesundheitsmanagement eine Veranstaltung, um die Qualität in der Umsetzung der GB Psyche zu stärken. Aus unseren Projekten wird uns gespiegelt, dass unsere Art und Methodik einen tatsächlichen Erfolg bietet – Erfolge für Unternehmen und ihre Mitarbeiter*innen werden ermöglicht, wenn man nicht alleine das gesetzliche Minimum erfüllen will.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kund*innen während des letzten Jahres?

Michael Bode: Wenn am Ende eines langen Workshops alle Teilnehmer*innen ihre Zufriedenheit äußern und die Ziele erreicht wurden, dann ist das ein prima Feedback. Die Krone wurde dem Ganzen aufgesetzt, als wir vor Kurzem durch die Wirtschaftswoche in einer Befragung von über 12.000 Entscheider*innen, Einkäufer*innen und Nutzer*innen zum besten Mittelstands-Dienstleister deutschlandweit in der Branche Gesundheitsmanagement ausgezeichnet wurden. Ehrlicherweise haben wir erst bemerkt, dass es diese Befragung und Auswertung gab, als wir aus unserem Netzwerk darauf aufmerksam gemacht wurden.

Lukas Loewe: Wir sind dankbar für diese großartige Auszeichnung und auch ein kleines bisschen stolz. Die Qualität unserer Dienstleistungen ist bei uns mehr als ein Lippenbekenntnis und das kommt scheinbar gut an. Jede*r im Team VisionGesund brennt für die eigene Arbeit – für so ein Team kann man nur dankbar sein. Es gibt auch Niedrigpreis- und Massenanbieter in unserer Branche. Die Auszeichnungen bestätigen uns aber, wenn es um die Gesundheit geht, sind hohe Qualität und eine empathische, umfassende Beratung wichtiger, als das günstigste Angebot abzugeben.

Was bedeutet die Bundesnotbremse für Unternehmen?

Am 21. April hat der Bundestag einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt, die auch die sog. Bundesnotbremse enthält. Mit den darin formulierten Maßnahmen soll endlich die dritte Welle der Corona-Pandemie gebrochen, die Intensivstationen entlastet und der Impffortschritt gefördert werden. Sie greifen einheitlich im gesamten Bundesgebiet, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen der Schwellenwert von 100 bei der Anzahl von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen überschritten wird. Doch was bedeuten die neuen Regelungen für Unternehmen?

Home Office: Pflicht für Unternehmen und Beschäftigte

Während bisher stets zur Einrichtung von Home Office gedrängt wurde, werden Unternehmen nun gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu lassen. Wichtige Neuerung: die Mitarbeiter*innen müssen diese Möglichkeit auch wahrnehmen, sofern bspw. die häusliche Situation nicht entschieden dagegen spricht.

Zwei Testangebote pro Woche

Arbeiten Beschäftige nicht ausschließlich zuhause, muss der Arbeitgeber nun zwei Tests zum Nachweis des Corona-Virus pro Woche zur Verfügung stellen. Infrage kommen dafür sowohl Antigen-Schnelltest als auch Schnelltests oder PCR-Tests. Wie bisher müssen die Mitarbeiter*innen diese Angebote jedoch nicht annehmen.

Erhöhung der Kinderkrankentage

Mit den Kinderkrankentagen können Eltern ihren Nachwuchs nicht nur während dessen Krankheit betreuen, sondern auch auf die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen reagieren, beispielsweise bei Schul- und Kitaschließungen. Mit der neuen Regelung haben Eltern nun 30 Tage pro Kind zur Verfügung, Alleinerziehende sogar 60. Bisher gab es nur einen Anspruch auf 20 bzw. 40 Tage, an denen 90 Prozent des Nettoverdienstes als Kinderkrankengeld ausgezahlt werden.

Schließung von Geschäften

Bei einer entsprechenden Inzidenz muss der Einzelhandel im betroffenen Gebiet wieder schließen. Click&Collect bleibt jedoch weiterhin erlaubt, und bis zum Überschreiten eines Inzidenzwertes von 150 an drei hintereinanderfolgenden Tagen ist unter bestimmten Auflagen auch der Einkauf nach Terminvereinbarung möglich. Zu diesen Auflagen gehört ein aktueller negativer Corona-Test, die Beschränkung auf eine bestimmte Kundenzahl je nach Verkaufsfläche sowie die Angabe der Kontaktdaten zur Nachverfolgung.

Freizeiteinrichtungen inklusive Gastronomie müssen jedoch weiterhin geschlossen bleiben, Essen darf jedoch zum Abholen und Mitnehmen angeboten werden.

Ausgangssperre

Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr des Folgetages gilt in den Gebieten mit entsprechenden Inzidenzen eine Ausgangssperre, bis 24 Uhr dürfen Einzelpersonen für Sport oder Spaziergänge aber noch unterwegs sein. Arbeitswege sind von dieser Regelung explizit ausgenommen, es kann jedoch zu lokalen Einschränkungen im ÖPNV kommen.

Corona-Krise: Auswirkungen der Pandemie auf die Psyche

Während der Corona-Krise haben die psychischen Belastungen stark zugenommen. Dies zeigt eine Auswertung von 7000 anonymisierten Fällen durch ICAS, einem Anbieter von Externer Mitarbeiterberatung EAP.

Erkenntnisse aus dem EAP-Beratungsdienst

ICAS behandelte zwischen dem 1. Februar und dem 31. Dezember 2020 38% mehr Fälle als im gleichen Vorjahreszeitraum. Es zeigte sich, dass die Corona-Pandemie starke Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat – auch wenn man selbst nicht direkt vom Virus betroffen ist. Zu Beginn der Pandemie herrschten rechtliche Fragen zu Themen wie Annullierung von Reisen und Flügen oder Kurzarbeit vor. Nach kurzer Zeit wurde jedoch ein starker Anstieg des Stress-Levels und eine deutliche Zunahme von gesundheitsbelastenden Themen registriert. Die dafür typischen Gründe waren:

  • die Veränderung der gewohnten Strukturen durch den Lockdown (Home Office, Fernunterricht, Kinderbetreuung usw.)
  • die Sorge um Familienangehörige und Freunde, die zur Risikogruppe gehören
  • das Fehlen von ausgleichenden Tätigkeiten wie Sport, Freunde treffen und anderen Freizeitaktivitäten
  • Beziehungsprobleme
  • Einsamkeit, fehlender Austausch, Isolation
  • existentielle Ängste bedingt durch Kurzarbeit und der drohenden Wirtschaftskrise mit Restrukturierungen und Entlassungen
  • Suchtprobleme, insbesondere Alkoholkonsum

Im Vergleich zum letzten Jahr stieg der Anteil an Menschen, die unter Konzentrationsschwierigkeiten, depressiver Verstimmung, Angststörungen und Panikattacken litten, erheblich an. Auch psychosomatische Symptome wie Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen oder Magen- und Darmbeschwerden nahmen stark zu. Auffällig ist, dass nicht nur vorbelastete Personen unter Depressionen oder Angststörungen litten, sondern auch solche, die bis anhin noch nie mit psychischen Problemen zu kämpfen hatten.

Der Anteil an psychischen und emotionalen Themen – im Vergleich zu rechtlichen Themen – stieg von 50% im Vorjahr auf 61% an. Die Fälle waren insgesamt komplexer und schwerwiegender als vor der Pandemie. Dies führte auch dazu, dass mehr Personen persönliche Beratungssitzungen bei unseren Psychotherapeuten in Anspruch nahmen.

Es erstaunt nicht, dass die Leistungsfähigkeit aufgrund der Belastungen, welche die Pandemie mit sich brachte, deutlich abnahm. Nur noch 76% aller Anrufenden fühlten sich in ihrer Leistungsfähigkeit nicht eingeschränkt. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 86%.

Auch Führungskräfte suchten vermehrt Unterstützung, denn neben den persönlichen Belastungen, die die Krise mit sich brachte, der hohen Arbeitslast und der gestiegenen organisatorischen Anforderungen aufgrund von Home Office, Sicherheitsmaßnahmen etc., mussten sich die meisten Vorgesetzten von einem Tag auf den anderen neue Skills für das Führen auf Distanz aneignen und auf den vermehrten Einsatz elektronischer Kommunikations-Tools umstellen. Wichtig war die Frage, wie Vorgesetzte die für die Mitarbeiterführung notwendige Kommunikation in den jetzt virtuellen Teams aufbauen und pflegen können. Ein großer Teil der Arbeitszeit musste neu in Kommunikation, Mitarbeitergespräche und den Aufbau von virtuellen Teams investiert werden.

EAP-Services bieten wichtige Unterstützung

Psychische Belastungen und Ängste müssen jederzeit, aber vor allem jetzt in der Krise, ernst genommen werden, denn sie verursachen einen erheblichen Produktivitätsschwund mit schwerwiegenden Folgen für Unternehmen und Gesellschaft. Für fast alle Menschen ist durch die Pandemie eine neue Realität entstanden, die ein erhebliches Drohpotenzial mit sich führt.

Krankheitsbedingte Absenzen wegen psychischer Erkrankungen sind gemäß Zahlen der Krankenversicherer in den letzten fünf Jahren bereits um 35% gestiegen – und das schon vor der Pandemie. Eine aktuelle Studie der WHO besagt, dass Fehlzeiten bei psychischen Erkrankungen 50% länger dauern als diejenigen bei physischen Leiden. Es braucht daher nicht viel Phantasie um sich den weiteren Anstieg an Kosten und Leistungsverlusten, die die Corona-Krise verursacht, vorzustellen. Vor allem, wenn die neue Normalität erst Ende 2021 beginnt.

Eine der wichtigsten Investitionen, die ein Unternehmen in der aktuellen Situation tätigen kann, sind Lösungen, die Mitarbeitende gezielt in ihren Stressbelastungen unterstützen. Ein EAP-Service, wie ICAS ihn anbietet, ermöglicht Mitarbeitenden und Führungskräften, frühzeitig negative und leistungseinschränkende Entwicklungen wahrzunehmen und eine wirksame Unterstützung zu erhalten. Die Externe Mitarbeiterberatung fördert Gesundheit und Resilienz, was nicht nur den Abbau von Leistungsfähigkeit verhindert, sondern durch den besseren Umgang mit krankmachendem Stress auch bisher blockiertes Leistungspotenzial freimacht. Dies dürfte in schwierigen Zeiten ein entscheidender Faktor für den Unternehmenserfolg sein.

ICAS bietet den Mitarbeitenden ihrer Kundenunternehmen 24/7 psychologische und emotionale Unterstützung sowie rechtliche Beratung an. Zudem werden Vorgesetzte in ihrer Führungsrolle während der Pandemie mit diversen Angeboten gefördert.
Kontakt: info@icas-eap.de oder +49 69 663 77 980

Weitere Informationen zu den ICAS EAP Services: www.icas-eap.de

Digital durch die Krise

Hanako ist ein moderner Gesundheitsdienstleister und Innovationsführer auf dem Markt für Gesundheitsleistungen. Nun wurde das Münchner Unternehmen als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet. Wir haben mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Michael Mayr darüber gesprochen, welche Rolle Digitalisierung und Prävention für die Mitarbeitergesundheit spielen und wie wichtig ein persönliches Gesundheitsbewusstsein ist. 

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Als Vater in einer Patchworkfamilie mit acht Kindern und Geschäftsführer und Mitgründer von drei Unternehmen habe ich schon viel erlebt und an Lebenserfahrung sammeln dürfen. Die Corona-Pandemie hat uns aber alle plötzlich vor ganz neue Herausforderungen gestellt und viele Anpassungen und Einschränkungen von uns abverlangt. Solche Zeiten sind auch von vielen Unsicherheiten und Ängsten begleitet.

Für mich persönlich hat sich bewiesen, dass eine innere Ruhe, die Familie und Werte wie Vertrauen, Offenheit und Zuversicht für mich ganz wichtig sind, solche Krisen gut zu überstehen. Ich durfte aber auch lernen, dass man gewisse Grundsätze immer wieder hinterfragen sollte. Früher war ich der Meinung, ich muss in meiner Rolle immer im Büro oder beim Kunden sein und war häufig weit über zwölf Stunden unterwegs. In den letzten 12 Monaten war ich nur zweimal beim Kunden und sechsmal im Büro, der Rest erfolgte über Videokonferenzen. Ich habe noch nie so fokussiert gearbeitet, gleichzeitig mehr geschlafen, Sport gemacht und Zeit mit der Familie verbracht. Diese Erkenntnis wird auch nach der Pandemie meinen Arbeitsalltag nachhaltig verändern.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“
Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Wir wurden natürlich auch von der Pandemie überrascht und haben sehr schnell Mitte März 2020 auf Homeoffice umgestellt. Die Mitarbeitenden haben hervorragend reagiert und es hat reibungslos funktioniert. Durch die Krise sind auch für unserer Kunden und das betriebliche Gesundheitsmanagement neue Rahmenbedingungen entstanden. Gesundheitstage, Kurse, Trainings und andere präsenzbasierte Maßnahmen können nicht wie gewohnt stattfinden. Unser Dienstleistungsgeschäft – die Durchführung von medizinischen Gesundheitschecks vor Ort in Unternehmen – mussten wir ebenfalls einstellen und konnten es bis heute nicht wieder aufnehmen.
Dabei ist es gerade jetzt – das belegen verschiedene Studien – so wichtig, einen gesunden Lebensstil zu fördern und Gesundheitsrisiken zu minimieren.
Digitale Lösungen passen perfekt in die neue Situation, da sie jederzeit und überall nutzbar sind. Sie funktionieren nicht nur im Büro oder in der Werkshalle, sondern auch bei den Beschäftigten zu Hause. Deshalb haben wir die Entwicklung unserer Gesundheitsplattform weiter forciert. Sie wurde mittlerweile vom „BGM-Papst“ Prof. Dr. Nürnberg als die medizinisch beste digitale BGM-Lösung am Markt testiert. Die Nachfrage nach digitalen BGM-Lösungen hat durch die Corona-Krise weiter zugenommen und wir haben mittlerweile verschiedene renommierte Kunden wie z.B. die Daimler AG gewinnen können.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Mit unserem medizinischen Geschäftsführer Prof. Dr. Nixdorff – einem führenden Präventionsmediziner in Deutschland – und unseren IT-Experten nutzen wir optimal die Potenziale der Digitalisierung für die Gesundheit der Mitarbeiter. Unsere Gesundheitschecks, medizinische Präventionsuntersuchungen, die direkt vor Ort in den Unternehmen durchgeführt werden, bieten eine 360-Grad-Sicht auf die individuelle Gesundheits- und Risikosituation der Mitarbeiter.
In Zeiten der Coronavirus-Pandemie stehen die BGM-Verantwortlichen der Unternehmen allgemein vor großen Herausforderungen: viele BGM-Angebote, Team- und Sport-Events sind vollständig weggebrochen. Durch die Home-Office-Situation ist eine persönliche Begleitung und direkte Kommunikation mit den Beschäftigten nochmal erschwert worden.
Unsere Gesundheits-App, die auch unabhängig von den Gesundheitschecks eingesetzt werden kann, begleitet die Mitarbeiter bei der Verbesserung ihres Lebensstils. Die App analysiert das individuelle Gesundheitsverhalten, bereitet die Ergebnisse transparent auf und ermittelt die wichtigsten Handlungsfelder. Sie schlägt bedarfsgerechte Ziele vor und verknüpft sie mit einer breiten Auswahl voll integrierter digitaler Angebote von über 20 Partnern, darunter zum Beispiel Kaja oder 7Mind. Mit Activity Tracking und Gruppenwettbewerben motiviert die Hanako-App zu mehr Bewegung. Durch die gemeinsame Aktivität wird das Zusammengehörigkeitsgefühl der Beschäftigten gesteigert – gerade in der aktuellen Situation ein wichtiger Aspekt. Die Gesundheitsverantwortlichen können eigene Angebote, Nachrichten und Belohnungen in die App einstellen und direkt mit ihren Beschäftigten kommunizieren. Damit stellen wir Unternehmen optimale Möglichkeiten für ein voll integriertes, medizinisch fundiertes und hocheffizientes betriebliches Gesundheitsmanagement bereit.

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Die Menschen wünschen sich ein gesundes und glückliches Leben. Die Gesundheitskosten explodieren weltweit und die Unternehmen werden durch Krankheitsfolgen immer mehr belastet. Der Schlüssel heißt hier Prävention. Moderne und personalisierte Präventionsbegleitung muss in Zukunft digital erfolgen und ggf. analog unterstützt werden. Wir gewinnen schon heute Einblicke in die Zusammenhänge zwischen medizinischen Daten, Lebensstildaten und Daten aus Activity Tracking. Das ist das optimale Fundament, um unsere personalisierten Präventionsangebote für die Zukunft weiter auszubauen. Ich persönlich finde es faszinierend und es gibt mir unglaublich viel Antrieb, die neuen digitalen Möglichkeiten zu nutzen, um möglichst vielen Menschen zu helfen, länger, gesünder und glücklicher zu leben.

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Wir bekommen sehr viel positives Feedback von den Nutzern unserer Angebote sowie den BGM-Verantwortlichen bis hin zu Vorständen unserer Kunden. So hat uns ein Kunde stolz einen zweiseitigen Artikel aus deren Mitarbeiterzeitschrift übersendet. Dort steht: „Wow – dieses Wort beschreibt genau, wie gut die mobile Gesundheitsvorsorge von Hanako bei unseren Mitarbeitern angekommen ist“, und darunter werden begeisterte Mitarbeiter zitiert und das hervorragende Ergebnis einer Feedbackbefragung dargestellt.
Stolz macht uns auch die Nominierung zum „Top Brand Corporate Health 2021“ durch Kunden und dass wir laut den Experten zu den besten Gesundheitsdienstleistern zählen.
Das alles bestätigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und es spornt uns an, unsere Kunden auch in Zukunft mit innovativen und qualitativ hochwertigen Angeboten zu begleiten.

Haben Sie zum Abschluss noch einen persönlichen Gesundheits-Tipp für unsere Leser*innen?

Ich habe die letzten Jahre sehr viel über Lebensstil und Gesundheit gelernt, aber die Experten dazu in unserem Unternehmen sind Prof. Dr. Nixdorff und Mathias Maul. Deshalb ein rein persönlicher Tipp von mir: Ich glaube, eine positive Einstellung und Lebensfreude sind die besten Voraussetzungen für einen gesunden Lebensstil. Natürlich benötigt man aber auch das entsprechende Bewusstsein, welches Verhalten sich wie auf die Gesundheit auswirkt. Schließlich sind es nicht die großen Verhaltensänderungen, die wir nur kurze Zeit durchhalten, sondern die kleinen Gewohnheiten, die wir dauerhaft umsetzen, die sich besonderes positiv auf die Gesundheit auswirken. So habe ich zum Beispiel von den negativen Auswirkungen von Zucker auf unseren Körper gelernt und habe seit über fünf Jahren keine Softdrinks wie Cola oder Fanta getrunken – und ich vermisse nichts, weil ich auch sehr schnell gemerkt habe, wie gut mir das tut. So gibt es viele kleine Verhaltensänderungen in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Entspannung, die leicht umsetzbar sind und in Summe einen großen Beitrag zu Wohlbefinden und Gesundheit leisten können. Mich persönlich motiviert es zusätzlich, wenn ich dann über Fitnesstracker Bio-Feedback von meinem Körper sehe. Man kann zum Beispiel erkennen, wie gewisse Lebensstilgewohnheiten zu einem reduzierten Ruhepuls und verbesserter Schlafqualität führen.

Von Tag zu Tag

INSITE-Interventions ist für seine Kunden verlässlicher Partner in allen Fragen rund um Erhalt und Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit der Beschäftigten und Organisationen und wurde nun als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet. Wir haben mit den Geschäftsführern Dr. Maren Kentgens und Dr. Matthias Conradt über aktuelle und künftige Herausforderungen, das schönste Kundenfeedback und neue Projekte gesprochen.

An Sie als Mensch und nicht als CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was war Ihre größte Herausforderung oder Lernprozess in den letzten 12 Monaten?

Maren Kentgens: Mein größter Lernprozess im letzten Jahr war von Tag zu Tag zu planen, von Woche zu Woche zu leben und Schritt für Schritt voranzuschreiten – Planung galt von einem auf den anderen Tag nicht(s) mehr. Daneben möchte ich aber auch unterstreichen, dass ich bestätigt bekommen habe, wovon ich seit Jahren überzeugt bin: Gesundheit in seiner zentralen Bedeutung in allen Lebensbereichen. Und das beides sind für mich wichtige Botschaften, die wir uns auch nach der Pandemie aufrecht erhalten sollten.

Matthias Conradt: Für mich persönlich war die größte Erkenntnis, dass die Pandemie massiven Einfluss auf die Gesamtgesundheit aller hat – und man das Ziel der eigenen Gesunderhaltung nur gemeinsam erreichen kann. Es geht weniger darum, an individuellen Eigeninteressen festzuhalten, sondern darum, das Problem kollektiv zu lösen. Dies wird auch zukünftig großen Einfluss auf den Umgang mit gesundheitsrelevanten Themen haben.

 

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“ Wie war ihr Umgang mit der Pandemie?
Hat sich ihr Portfolio oder sogar Ihre gesamte Organisation verändert?

Beide gemeinsam: Durch unsere Nähe zu unserem Gesellschafter Asklepios konnten wir direkt von deren langjähriger Expertise im Gesundheitsumfeld profitieren. Auch dadurch hatten wir zu jeder Zeit einen hochprofessionellen Umgang mit der Pandemie mit detailliert ausgearbeiteten Hygienekonzepten für Beschäftigte und Kunden.
Als Organisation in einem dynamischen Umfeld sind wir es gewohnt, uns stetig zu verändern. Daher hat natürlich auch und besonders das letzte Jahr für uns Veränderungen mit sich gebracht – sowohl im Portfolio als auch auf Organisationsebene. Veränderung ist für uns immer positiv, da sie konsequenterweise der Marktdynamik folgt.

 

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

Beide gemeinsam: Unsere Stärke liegt darin, dass wir für unsere Kundenunternehmen ganz viele Aspekte der Mitarbeiter- und Organisationsgesundheit professionell bedienen, wie ein Schweizer Taschenmesser. Gerade weil wir die einzelnen Organisation in ihrer Einzigartigkeit sehen und unterstützen.

 

Welche Vision haben Sie? Welche Projekte stehen in der Pipeline?

Beide gemeinsam: Unsere auch schon pilotierte Vision ist, alle in der Organisation aufkommenden gesundheits- oder arbeitsbezogenen Schieflagen aus einer Hand zu bedienen. Sei es auf Individual-, Gruppen- oder Organisationsebene!

 

Was war das schönste Feedback Ihrer Kunden während des letzten Jahres?

Maren Kentgens: Dass wir unkompliziert und flexibel auf jede neue Herausforderungen in 2020 reagiert haben, psychologische Sprechstunden auf Video umgestellt oder Unterstützungsangebote für Homeofficesituationen oder Führungskräftetrainings online umgebaut haben. Und so gerade in herausfordernden Zeiten für das Unternehmen als Ganzes eine große Hilfe waren!

Matthias Conradt: Mich persönlich hat ein Feedback einer Mitarbeiterin eines Kunden sehr berührt, dass sie es mit unserer Hilfe aus einer für sie hoffnungslosen Situation wieder rausgeschafft und eine Zukunftsperspektive entwickeln konnte. Das ist der größte Lohn unserer Arbeit!

 

Was glauben Sie, was sind die größten Herausforderungen für Corporate Health in den nächsten Jahren?

Beide gemeinsam: Die Entwicklung der letzten Jahre hat gezeigt, dass die persönlichen und zwischenmenschlichen Probleme von Mitarbeitenden durch die zukünftige Arbeitsgestaltung eher zunehmen wird. Arbeitskontexte und deren potentielle Schieflagen werden sich individualisieren. Für Organisationen wird es wichtig sein, darauf die passenden Antworten zu finden.

Bewerbung um den Corporate Health Award 2021 gestartet

Die weltweite Pandemie hat auch deutsche Unternehmen vor besondere Herausforderungen gestellt und den Arbeitsmarkt gehörig aufgewirbelt. Die Gesundheit der Mitarbeiter sowie die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gewinnt damit noch einmal an Priorität. Eine nachhaltige Personalpolitik und entsprechende Managementprozesse sind Bestandteile eines gut aufgestellten Corporate Health Managements. Sie sind somit auch Kennzeichen derjenigen Arbeitgeber, die diese Prioritäten bereits erkannt und erfolgreich umgesetzt haben. Wie erfolgreich sie tatsächlich sind, wird die diesjährige Bewerbung um den Corporate Health Award zeigen.

Steffen Klink, Director of Social Sustainability bei EUPD Research und Leiter des Corporate Health Awards: „Gerade in der Krise konnten Arbeitgeber zeigen, was sie wirklich können und was sie ausmacht. Die effiziente Zusammenarbeit von Gesundheitsmanagement, Arbeitsschutz, Personalabteilung, Betriebsrat und Geschäftsführung in der Erstellung von Hygieneplänen und flexiblen Arbeitslösungen verdeutlicht die Notwendigkeit von nachhaltigen Personalstrategien. Diese muss alle Beteiligten ins Boot holen und nicht nur kurzfristige Verbesserungen für die Belegschaft, sondern auch die langfristige Überbrückung dieser nie dagewesenen Extremsituation möglich machen.“

Der Corporate Health Award bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Systeme und Prozesse offiziell und nachvollziehbar bewerten und verifizieren zu lassen. Für die datenbasierte Analyse, Auswertung und Interpretation der entsprechenden Kennzahlen steht seit 2009 der Corporate Health Evaluation Standard (CHES) des Forschungsunternehmens EUPD Research. Das Qualitätsmodell bildet die Basis für die jährliche Bewerbungsphase des Corporate Health Award, die ab sofort zum 13. Mal in Folge von den Initiatoren EUPD Research und der Handelsblatt Media Group ausgerufen wird.

„Bereits die letztjährige Awardverleihung hat den Einfallsreichtum und das Engagement der deutschen Arbeitgeber gezeigt. Wir freuen uns, auch in diesem Jahr vorbildliche Unternehmen auszeichnen zu dürfen“, ergänzt Steffen Klink.

Der Weg zum Corporate Health Award

Im ersten Schritt ist jede Organisation aus Wirtschaft und öffentlicher Hand berechtigt, den Online-Qualifizierungsbogen bis zum 31. Mai 2021 einzusenden. Dessen Auswertung führt zum kostenfreien offiziellen Deutschland-Benchmark, den alle Teilnehmer zum Abschluss der Bewerbungsphase automatisch erhalten und sich damit individuell in ihrer Branche vergleichen können. Die besten Unternehmen jeder Branche wiederum können den nächsten Schritt gehen und ihre Angaben aus dem Qualifizierungsprozess durch das Corporate Health Audit verifizieren lassen. Nach den erfolgreichen Erfahrungen aus dem letzten Jahr können die Audits auch in 2021 komplett kontaktlos, digital durchgeführt werden. Das bestandene Audit bietet nicht nur Qualitätssicherung und eine detaillierte Stärken- und Schwächenanalyse, sondern auch die Chance auf den Gewinn des Awards in der jeweiligen Branche und Größenklasse. Der unabhängige Expertenbeirat des Corporate Health Award bestimmt im Anschluss der Auditierungen die Gewinner und somit die besten Unternehmen Deutschlands.

Egal, wo die Bewerber im Moment stehen – ob diese bereits professionelle Strategien, Strukturen und Maßnahmen implementiert haben oder noch in den Anfängen stecken: Während die besten Unternehmen die Chance auf die Verleihung des Corporate Health Award erhalten, profitieren schwächere Unternehmen von der exklusiven Standortbestimmung des eigenen Ergebnisses.

Die etablierte Auszeichnung genießt bei Arbeitgebern, Mitarbeitern und im Recruitingprozess für neue Fachkräfte größte Anerkennung. Die besten Organisationen Deutschlands werden in 17 Branchen-Kategorien in den Klassen „Mittelstand“ und „Großkonzern“ ausgezeichnet. Für besondere Leistungen in bestimmten Teilbereichen werden ebenfalls diverse Sonderpreise vergeben. Der Award gilt als renommierteste Auszeichnung für exzellentes Corporate Health Management in Deutschland.

Der CHA-Prozess und die Gewinner 2020 auf einen Blick.

Corporate Health Management – jetzt erst recht!

Für die Weiterentwicklung der Arbeitswelt auf dem Weg aus der Krise ist das Bewusstsein für gesunde und nachhaltige Unternehmensstrukturen essentiell. Sowohl die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern durch die Implementierung eines effektiven Corporate Health Managements als auch das damit verbundene positive Employer Branding bringen Unternehmen auf einen zukunftsfähigen Weg. Damit dieser auch verlässlich ausgewertet werden kann, fließen die Ergebnisse der Bewerber um den Corporate Health Award in die jährliche Trendstudie „Corporate Health Management in Deutschland“ ein und liefern somit faktenbasierte Aussagen zu den branchen- und größenspezifischen Umsetzungsgraden und der entsprechenden Relevanz in den Bereichen „Strategie“, „Struktur“ und „Maßnahmen“ sowie der mehr als 150 enthaltenen Befragungsitems.

Über den Corporate Health Award

Der Corporate Health Award ist die renommierteste Auszeichnung in Deutschland für exzellentes Corporate Health Management und wurde 2009 vom Forschungsinstitut EUPD Research und dem Handelsblatt initiiert. Das Ziel des vorausgehenden umfangreichen Evaluationsprozesses ist es, vor allem in den Führungspositionen der deutschen Wirtschaft die Einsicht in die Notwendigkeit von Investitionen in betriebliche Gesundheitssysteme zu stärken sowie vor dem Hintergrund struktureller Veränderungen und des demographischen Wandels die Wettbewerbsfähigkeit durch gezieltes Corporate Health Management sicherzustellen. Alleine in 2020 haben sich über 350 Unternehmen und Organisationen um den Award beworben und sich somit dem wissenschaftlichen und praxisnahen Auswahlverfahren gestellt. Mehr Informationen: www.corporate-health-award.de

Die Branchen im Überblick:

  • Öffentliche Verwaltung
  • Informations- und Kommunikationstechnik
  • Maschinenbau/Schwerindustrie
  • Chemie/Pharma
  • Verkehr/Logistik
  • Handel
  • Finanzen
  • Versicherungen
  • Energiewirtschaft
  • Konsumgüter
  • Kommunikation/Medien
  • Elektrotechnik
  • Gesundheits- und Sozialwesen
  • Produktion/Verarbeitende Industrie
  • Hochschule
  • Automotive
  • Dienstleistung/Beratung

 

Über EUPD Research

EUPD Research beging im letzten Jahr bereits sein 20-jähriges Jubiläum als führendes Forschungsunternehmen im nachhaltigen Corporate Health Management. Mit dem Corporate Health Award, der Corporate Health Initiative, der Corporate Health Akademie, der jährlich erscheinenden Studie zum Gesundheitsmanagement in Deutschland sowie den zahlreichen Aktivitäten als Sozialforschungsunternehmen in der Analyse und Beratung agiert die EUPD als maßgebliches Stimmungsbarometer für aktuelle Themen, Trends und Entwicklungen in der strategischen HR-Arbeit. Gemeinsam mit einem starken Partnernetzwerk wird die Schaffung gesunder Arbeitsbedingungen und hocheffizienter betrieblicher Managementsysteme flächendeckend für alle Branchen gefördert.

Mehr psychische Belastungen, weniger Atemwegserkrankungen: neue Krankenstandsanalyse der DAK

Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt ist umfassend und betrifft auch das gesamte Krankheitsgeschehen. Der aktuellen DAK-Krankenstandsanalyse 2020» zufolge sind insbesondere die rückenschmerzbedingten Fehlzeiten stark gestiegen: im Vergleich zu 2019 fielen sieben Prozent mehr Beschäftigte damit aus, was auf die mangelnde ergonomische Ausrüstung im Home Office sowie eine insgesamt höhere Anspannung zurückzuführen ist.

Auch bei den Anpassungsstörungen gab es mit acht Prozent einen sehr deutlichen Zuwachs. Dabei handelt es sich um negative Verhaltens- und Gefühlsänderungen als Reaktion auf belastende Ereignisse. Psychische Erkrankungen insgesamt waren 2020 der zweithäufigste Grund für eine Krankschreibung bei Arbeitnehmer*innen.

Allerdings sind auch Rückgänge zu verzeichnen: Atemwegserkrankungen kamen im letzten Jahr deutlich geringer vor als in den Vorjahren, was die Wirksamkeit der Hygienemaßnahmen auch gegen die üblichen Erkältungsviren sowie Grippe zeigt.

Auf zwei weitere wichtige Unterschiede weist die DAK in ihrer Pressemitteilung zur neuen Krankenstandsanalyse ebenfalls hin: einerseits gibt es weniger kurzfristige Krankschreibungen, also Ausfälle bis zu drei Tagen; vermutlich tragen flexiblere Lösungen in den Unternehmen sowie die weiter verbreitete Möglichkeit zum Home Office hier zu einem entspannteren Umgang bei. Längere Krankschreibungen über zwei Wochen haben hingegen deutlich zugenommen, auf durchschnittlich insgesamt 14,5 Tage über alle Krankheitsfälle hinweg.

Andererseits zeigen Branchen mit hohem digitalen Arbeitsanteil wie Datenverarbeitung, Banken und Versicherungen einen deutlich geringeren Krankenstand: 2,5 respektive 3,2 Prozent im Vergleich zu 4,2 Prozent über alle Krankschreibungen. Mit 4,9 Prozent sticht das Gesundheitswesen nachvollziehbar heraus, mit durchschnittlich 17 krankheitsbedingten Fehltagen im Jahr belegten dessen Beschäftigte auch hier den Spitzenplatz. Diese Entwicklung stellt die Arbeitgeber in den Kliniken, Pflegeheimen und Praxen nochmals vor die besondere Herausforderung, Schutz- und Präventionskonzepte für ihre Mitarbeiter*innen zu entwickeln und nachhaltig umzusetzen.

Psychische Gefährdungsbeurteilung – jetzt erst recht!

Obwohl die Psychische Gefährdungsbeurteilung  nach SGB V verpflichtend für Unternehmen ist, wird sie trotzdem noch von zu wenigen tatsächlich durchgeführt, sei es, weil Verantwortliche den Aufwand scheuen – oder sogar die Ergebnisse. Hinzu kommt, dass eine regelmäßig durchgeführte PsyGe auch bei einer Änderung der Arbeitsbedingungen angepasst werden sollte.

Eine solche  Änderung dürfte durch die Corona-Pandemie in den meisten Fällen gegeben sein. Die Reaktion der Unternehmen fällt jedoch unterschiedlich aus: aus Angst, unter diesen Umständen könnten die ansonsten guten Ergebnisse „verfälscht“ werden oder aus Angst auf die entsprechenden Ergebnisse könnte durch die Pandemie nicht zeitnah und adäquat reagiert werden, verschieben einige Betriebe die PsyGe. Andere wiederum nehmen die coronabedingten Änderungen als umso wichtigeren Anlass, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten und akute Gefährdungen zu identifizieren.

Als Daumenregel wird empfohlen, die Gefährdungen der Mitarbeiter in den letzten 6 bis 12 Monaten – je nach Umfang der Durchführung – zu untersuchen, um nicht nur kurzfristige, sondern vor allem mittel- und langfristige Handlungsfelder festzustellen und darauf reagieren zu können. Da die Pandemie diese Dauer bereits überschritten hat und uns auf absehbare Zeit noch weiter begleiten wird, sollten Unternehmen diese Aufgabe angehen und diese Gelegenheit zur verstärkten Kontaktaufnahme mit den Mitarbeiter*innen nutzen, um Wertschätzung und Interesse für deren Wohlbefinden auszudrücken. Studien zeigen, dass bereits das Erkundigen nach Feedback zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter führen kann. Besonders wertvoll ist dieser Effekt, wenn anderweitige Kontaktaufnahmen schwer umzusetzen sind, beispielsweise im Home Office.

Dieses ist übrigens kein Hindernis für eine erfolgreiche PsyGe: da die Pandemie in vielen Unternehmen die Digitalisierung  vorangetrieben hat,  ist eine Online-Befragung sogar besser und flexibler durchführbar und kann auf alle unternehmensspezifischen Herausforderungen angepasst werden. Ebenfalls als positiv empfunden werden daher nicht nur quantitative Datenmessungen, sondern für die Mitarbeiter*innen offene Kommentarfunktionen, die die Möglichkeit geben, sich zu öffnen und  Gedanken frei zu formulieren. Diese erfahrungsgemäß sehr gern genutzte Funktion bedeutet für die Unternehmen einen wichtigen Mehrwert in Form von qualitativen Daten, die Hintergründe zu Entscheidungen, Verhaltensweisen oder Motiven aufdecken können.

Wichtig bei der Umsetzung einer PsyG ist  ein systematisches Vorgehen. So müssen nicht nur die Fragebögen an das jeweilige Unternehmen angepasst werden, auch die Ableitung von spezifischen Handlungsempfehlungen oder die Bildung von Projektgruppen gehören dazu. Unbedingt müssen die Ergebnisse am Ende in das gesamte Unternehmen zurückgetragen werden, um die Mitarbeiter*innen einzubeziehen. Nicht erst seit der DSGVO-Reform spielen Datenschutz und Sicherheit bei allen Arten digitaler Dienstleistungen eine grundsätzliche Rolle. Der Rückschluss auf einzelne Mitarbeiter*innen anhand der IP-Adresse o. Ä. ist für den Arbeitgeber daher ausgeschlossen – immerhin sollen alle Antworten möglichst frei und ehrlich erfolgen.

Bei aller gesetzlichen Verpflichtung: Die Gefährdungen von Mitarbeiter*innen zu erkennen und diesen entgegenzuwirken sollte genauso wie das darin enthaltene Potential für die gesamte Unternehmensentwicklung immer an vorderster Stelle sehen.  Eine systematisch geplante Befragung bietet somit nicht nur einen Mehrwert für das BGM, sondern auch für die Personalabteilung, den Betriebsrat, die Unternehmenskommunikation und das Management.

Bei Ihnen steht eine Psychische Gefährdungsbeurteilung an oder Sie haben weitere Fragen? Dann stehen wir Ihnen gerne für einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zur Seite.

Katja Kleebank

Research Analyst

k.kleebank@eupd-research.com

0228-97143-28

Suchtgefahr im Home Office

Home Office ist die effektivste Form der Kontakteinschränkung in der Arbeitswelt, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. Dennoch gehen damit auch unterschiedlich starke Belastungen für die Arbeitnehmer*innen einher. Eine Untersuchung des Mannheimer Zentralinstituts für Seelische Gesundheit und des Klinikums Nürnberg» hat aber bereits im Sommer die Folgen aufgezeigt: viele Menschen greifen eher zu Alkohol und anderen Drogen oder verfallen dem Online-Glücksspiel. Wie können Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen schützen und unterstützen?

Der anonymen Umfrage zufolge, an der sich 3200 Teilnehmer*innen beteiligt hatten, konsumieren 37 Prozent der Befragten mehr Alkohol als vor der Corona-Krise. Gründe dafür sind Stress, Vereinsamung, Selbstmedikation bei Schlafproblemen oder auch der Rückfall in eine bereits bestehende Sucht. Auch Medikamenten-, Glücksspiel- und Drogensucht treten vermehrt auf».

Unternehmen können insbesondere durch klare Kommunikation, beispielsweise zur wirtschaftlichen Situation oder zur voraussichtlichen Dauer von Kurzarbeitsregelung, sowie flexibler Unterstützung für Eltern mit Kindern im Homeschooling ihre Mitarbeiter*innen unterstützen. Ein wichtiger Punkt ist auch die soziale Kontrolle, die im Home Office oft wegfällt»: gemeinsame Tagesstarts- oder Mittagsmeetings mit den Kolleg*innen und das ernsthafte Interesse von Führungskräften, die sich nach dem Befinden erkundigen, können aus der Isolation heraushelfen. Viele Unternehmen arbeiten auch mit Beratungen zusammen, die bei akuten Problemen helfen oder Hilfe vermitteln können. Wo es ein solches Angebot noch nicht gibt, kann die aktuelle Lage ein guter Anstoß sein, über eine Implementierung nachzudenken.