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Berufliche Inklusion

Ausgerechnet im 100. Jahr der Einführung der Schwerbehindertenvertretung» sinkt die Beschäftigungsquote von behinderten Arbeitnehmer*innen aufgrund der Corona-Krise deutlich: im Vergleich zum Vorjahr sind über 13 Prozent mehr schwerbehinderte Menschen arbeitslos gemeldet», viele Unternehmen mussten sogenannte Außenarbeitsplätze – also die Ausleihe von Mitarbeiter*innen aus Behindertenwerkstätten – abbauen, um Kurzarbeitsgeld zu beantragen.

Dabei ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt für schwerbehinderte Arbeitnehmer*innen sowieso schon nicht einfach. Zum Welttag der Behinderten am 3. Dezember konstatierte Jürgen Dusel, der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, dass für die berufliche Inklusion noch sehr viel zu tun sei»: Mehr als 40.000 Unternehmen, die gesetzlich dazu verpflichtet wären, behinderte Arbeitnehmer*innen einzustellen, kommen dieser Auflage nicht nach. Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeiter*innen, die nicht fünf Prozent der Arbeitsplätze mit behinderten Arbeitnehmer*innen besetzen, müssen stattdessen eine Abgabe zahlen. Diese soll laut Arbeitsminister Hubertus Heil ab dem Jahr 2022 verdoppelt werden», um die „Nullbeschäftiger“ stärker in die Verantwortung zu nehmen. Für diese schwingen häufig falsche Vorurteile mit, wenn es um die Einstellung von Menschen mit Behinderung geht: geringere Leistungsfähigkeit, höhere Fehlzeiten, hoher Kündigungsschutz und teure Investitionen in den Barriereabbau von Gebäuden. Dabei machen Rollstuhlnutzer*innen nur einen bestimmten Anteil aus, auch viele andere Gründe, beispielsweise Herzfehler oder eine Diabeteserkrankung, können zur Anerkennung einer (Schwer-)Behinderung führen, was je nach Aufgabenbereich keinen Einfluss auf die Berufsausübung hat. Auch werden Umbauten in den meisten Fällen übernommen.

Viele Erfolgsgeschichten» zeigen außerdem, dass die Beschäftigung im normalen Arbeitsmarkt nicht nur die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung fördert. Auch der wirtschaftliche Erfolg von Unternehmen kann sich sehr positiv entwickeln – Stichworte Diversity & Inclusion (D&I)».