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Was bedeutet die Bundesnotbremse für Unternehmen?

Am 21. April hat der Bundestag einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes zugestimmt, die auch die sog. Bundesnotbremse enthält. Mit den darin formulierten Maßnahmen soll endlich die dritte Welle der Corona-Pandemie gebrochen, die Intensivstationen entlastet und der Impffortschritt gefördert werden. Sie greifen einheitlich im gesamten Bundesgebiet, wenn in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt an drei aufeinanderfolgenden Tagen der Schwellenwert von 100 bei der Anzahl von Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner*innen überschritten wird. Doch was bedeuten die neuen Regelungen für Unternehmen?

Home Office: Pflicht für Unternehmen und Beschäftigte

Während bisher stets zur Einrichtung von Home Office gedrängt wurde, werden Unternehmen nun gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Beschäftigten nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu lassen. Wichtige Neuerung: die Mitarbeiter*innen müssen diese Möglichkeit auch wahrnehmen, sofern bspw. die häusliche Situation nicht entschieden dagegen spricht.

Zwei Testangebote pro Woche

Arbeiten Beschäftige nicht ausschließlich zuhause, muss der Arbeitgeber nun zwei Tests zum Nachweis des Corona-Virus pro Woche zur Verfügung stellen. Infrage kommen dafür sowohl Antigen-Schnelltest als auch Schnelltests oder PCR-Tests. Wie bisher müssen die Mitarbeiter*innen diese Angebote jedoch nicht annehmen.

Erhöhung der Kinderkrankentage

Mit den Kinderkrankentagen können Eltern ihren Nachwuchs nicht nur während dessen Krankheit betreuen, sondern auch auf die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen reagieren, beispielsweise bei Schul- und Kitaschließungen. Mit der neuen Regelung haben Eltern nun 30 Tage pro Kind zur Verfügung, Alleinerziehende sogar 60. Bisher gab es nur einen Anspruch auf 20 bzw. 40 Tage, an denen 90 Prozent des Nettoverdienstes als Kinderkrankengeld ausgezahlt werden.

Schließung von Geschäften

Bei einer entsprechenden Inzidenz muss der Einzelhandel im betroffenen Gebiet wieder schließen. Click&Collect bleibt jedoch weiterhin erlaubt, und bis zum Überschreiten eines Inzidenzwertes von 150 an drei hintereinanderfolgenden Tagen ist unter bestimmten Auflagen auch der Einkauf nach Terminvereinbarung möglich. Zu diesen Auflagen gehört ein aktueller negativer Corona-Test, die Beschränkung auf eine bestimmte Kundenzahl je nach Verkaufsfläche sowie die Angabe der Kontaktdaten zur Nachverfolgung.

Freizeiteinrichtungen inklusive Gastronomie müssen jedoch weiterhin geschlossen bleiben, Essen darf jedoch zum Abholen und Mitnehmen angeboten werden.

Ausgangssperre

Zwischen 22 Uhr und 5 Uhr des Folgetages gilt in den Gebieten mit entsprechenden Inzidenzen eine Ausgangssperre, bis 24 Uhr dürfen Einzelpersonen für Sport oder Spaziergänge aber noch unterwegs sein. Arbeitswege sind von dieser Regelung explizit ausgenommen, es kann jedoch zu lokalen Einschränkungen im ÖPNV kommen.

Bei Ü30 sinkt die Konzentration erheblich

Natürlich geht es hier nicht ums Alter, sondern um die Hitzewelle, die derzeit Deutschland über die 30-Grad-Marke treibt und an vielen Stellen Gesprächsthema Nummer Eins darstellt. Am Arbeitsplatz stehen Arbeitnehmer und -geber dabei vor konkreten Herausforderungen: Was bedeutet die Hitze für Arbeitsabläufe oder die Planung von Aufgaben? Ab wann geht sprichwörtlich nichts mehr?

Nachweislich sinkt die Konzentration bei Temperaturen über 30 Grad, die Folge sind Fehlerhäufigkeiten und Unfälle. Viele rechtliche Vorgaben für den Arbeitgeber sind allerdings nicht zwingend eindeutig, zumal es bei bestimmten Gewerken Ausnahmeregelungen gibt. Eines ist jedoch klar: bei Temperaturen über 26, 30, 35 Grad wird der Arbeitgeber verpflichtet, aktiv zu werden. Gibt es einen Betriebsrat im Unternehmen,  sollte dieser mit einbezogen werden, um im Sinne der Arbeitsschutzverordnung und Gefährdungsanalyse agieren zu können.

» Überblick und Verweis auf die aktuelle Rechtslage

Heiße Tage in Deutschland

Soweit die Theorie. In der Praxis agieren viele Firmen sowieso möglichst pragmatisch, indem sie einen frühen Arbeitsbeginn in den noch kühleren Morgenstunden ermöglichen, flexible Arbeitszeiten und -orte anbieten oder den Kommunikations- und Arbeitsablauf nach Möglichkeit umstrukturieren. Da es besonders wichtig ist, bei hohen Temperaturen viel zu trinken, zählen kostenfreie Erfrischungsgetränke und Wasserspender in vielen Unternehmen glücklicherweise zum Standard. Das ist nicht nur wichtig für die Stimmung, sondern auch für die Konzentration. Wenn wir zu wenig Flüssigkeit zu uns nehmen, wird das Leistungspotenzial nicht mehr optimal ausgeschöpft. Der Körper fährt sein Energielevel herunter, klare Anzeichen sind unter anderem Verspannungen, Kopfschmerzen und Vergesslichkeit. Trotz dieser bekannten Folgen von Dehydrierung versäumen es aber viele Arbeitnehmer, im Laufe des Tages genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Laut Umfragen verschiedener Krankenkassen vergessen die Hälfte der Männer und etwa 40 Prozent der Frauen, im Betrieb regelmäßig zu trinken. Experten empfehlen mindestens zwei bis drei Liter am Tag oder 40 bis 50 ml pro Kilogramm Körpergewicht. An heißen Tagen sollten wir übrigens zur üblichen empfohlenen Tagesmenge sogar noch einen Liter mehr einplanen. Um den Kreislauf bei großer Hitze nicht zusätzlich zu belasten, sollte laut Arbeitsschutzexperten leicht Bekömmliches auf der Getränke-Liste stehen, Mineralwasser ist hier die erste Empfehlung.

Übrigens: Auch Pausen sind wichtig für die Gesundheit. Gerade bei den hochsommerlichen Temperaturen lohnt es sich, in kleineren Abständen Pausen einzulegen und diese mit Flüssigkeitsversorgung und leichter Bewegung zu kombinieren. Gemeinsame Getränke- oder auch Eispausen mit den Kollegen bieten auch eine gute Gelegenheit, mehr miteinander zu kommunizieren. Das sorgt für ein gutes Arbeitsklima und kann bei regelmäßigen kleinen Gängen in die Pausenecke auch noch für mehr Bewegung sorgen. 

„Das Tabu Home Office ist gefallen“

Heute gibt es etwas auf die Ohren: wir haben mit Prof. Dr. Arnd Schaff über Home Office, Führung und die Herausforderungen für Betriebliches Gesundheitsmanagement in Pandemiezeiten gesprochen.

Im »Mai-Podcast des DFK spricht Dr. Schaff über BGM in Corona-Zeiten. Die Herausforderungen sind vielfältig, angefangen bei der plötzlichen Umstellung auf Home Office über Arbeitsschutzvoraussetzungen zu veränderten Aufgaben für Führungskräfte.

„Es gibt sehr viele informelle Prozesse und Abstimmungen, die nirgendwo dokumentiert sind, die aber natürlich für das Funktionieren entscheidend sind.“

Nach einer Erhebung von Mitte März arbeitet mittlerweile jeder zweite Arbeitnehmer ganz oder teilweise im Home Office (Bitkom). Grund genug für die Corporate Health Initiative, das Thema nochmals aufzugreifen: in unserem Podcast mit Dr. Schaff.

Prof. Dr. Arnd Schaff vom Institut für Gesundheit und Soziales der FOM Hochschule für Ökonomie und Management ist stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe BGF der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention. Er betreibt eine Praxis für Psychotherapie im Essener Süden und ist langjähriges geschätztes Mitglied im Expertenbeirat des »Corporate Health Award.

„Ergonomie Markt“: Fachzeitschrift mit breitem Fokus

Der „Ergonomie Markt“ ist die Fachzeitschrift für Ergonomie, Schutz und Sicherheit am Arbeitsplatz und Betriebliches Gesundheitsmanagement. Weiterlesen