Psychische Gefährdungsbeurteilung – jetzt erst recht!

Obwohl die Psychische Gefährdungsbeurteilung  nach SGB V verpflichtend für Unternehmen ist, wird sie trotzdem noch von zu wenigen tatsächlich durchgeführt, sei es, weil Verantwortliche den Aufwand scheuen – oder sogar die Ergebnisse. Hinzu kommt, dass eine regelmäßig durchgeführte PsyGe auch bei einer Änderung der Arbeitsbedingungen angepasst werden sollte.

Eine solche  Änderung dürfte durch die Corona-Pandemie in den meisten Fällen gegeben sein. Die Reaktion der Unternehmen fällt jedoch unterschiedlich aus: aus Angst, unter diesen Umständen könnten die ansonsten guten Ergebnisse „verfälscht“ werden oder aus Angst auf die entsprechenden Ergebnisse könnte durch die Pandemie nicht zeitnah und adäquat reagiert werden, verschieben einige Betriebe die PsyGe. Andere wiederum nehmen die coronabedingten Änderungen als umso wichtigeren Anlass, um ein aktuelles Stimmungsbild zu erhalten und akute Gefährdungen zu identifizieren.

Als Daumenregel wird empfohlen, die Gefährdungen der Mitarbeiter in den letzten 6 bis 12 Monaten – je nach Umfang der Durchführung – zu untersuchen, um nicht nur kurzfristige, sondern vor allem mittel- und langfristige Handlungsfelder festzustellen und darauf reagieren zu können. Da die Pandemie diese Dauer bereits überschritten hat und uns auf absehbare Zeit noch weiter begleiten wird, sollten Unternehmen diese Aufgabe angehen und diese Gelegenheit zur verstärkten Kontaktaufnahme mit den Mitarbeiter*innen nutzen, um Wertschätzung und Interesse für deren Wohlbefinden auszudrücken. Studien zeigen, dass bereits das Erkundigen nach Feedback zu einer höheren Zufriedenheit der Mitarbeiter führen kann. Besonders wertvoll ist dieser Effekt, wenn anderweitige Kontaktaufnahmen schwer umzusetzen sind, beispielsweise im Home Office.

Dieses ist übrigens kein Hindernis für eine erfolgreiche PsyGe: da die Pandemie in vielen Unternehmen die Digitalisierung  vorangetrieben hat,  ist eine Online-Befragung sogar besser und flexibler durchführbar und kann auf alle unternehmensspezifischen Herausforderungen angepasst werden. Ebenfalls als positiv empfunden werden daher nicht nur quantitative Datenmessungen, sondern für die Mitarbeiter*innen offene Kommentarfunktionen, die die Möglichkeit geben, sich zu öffnen und  Gedanken frei zu formulieren. Diese erfahrungsgemäß sehr gern genutzte Funktion bedeutet für die Unternehmen einen wichtigen Mehrwert in Form von qualitativen Daten, die Hintergründe zu Entscheidungen, Verhaltensweisen oder Motiven aufdecken können.

Wichtig bei der Umsetzung einer PsyG ist  ein systematisches Vorgehen. So müssen nicht nur die Fragebögen an das jeweilige Unternehmen angepasst werden, auch die Ableitung von spezifischen Handlungsempfehlungen oder die Bildung von Projektgruppen gehören dazu. Unbedingt müssen die Ergebnisse am Ende in das gesamte Unternehmen zurückgetragen werden, um die Mitarbeiter*innen einzubeziehen. Nicht erst seit der DSGVO-Reform spielen Datenschutz und Sicherheit bei allen Arten digitaler Dienstleistungen eine grundsätzliche Rolle. Der Rückschluss auf einzelne Mitarbeiter*innen anhand der IP-Adresse o. Ä. ist für den Arbeitgeber daher ausgeschlossen – immerhin sollen alle Antworten möglichst frei und ehrlich erfolgen.

Bei aller gesetzlichen Verpflichtung: Die Gefährdungen von Mitarbeiter*innen zu erkennen und diesen entgegenzuwirken sollte genauso wie das darin enthaltene Potential für die gesamte Unternehmensentwicklung immer an vorderster Stelle sehen.  Eine systematisch geplante Befragung bietet somit nicht nur einen Mehrwert für das BGM, sondern auch für die Personalabteilung, den Betriebsrat, die Unternehmenskommunikation und das Management.

Bei Ihnen steht eine Psychische Gefährdungsbeurteilung an oder Sie haben weitere Fragen? Dann stehen wir Ihnen gerne für einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch zur Seite.

Katja Kleebank

Research Analyst

k.kleebank@eupd-research.com

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