Personalpolitik in der Corona-Phase

Die aktuelle Umfrage des Institutes für Beschäftigung und Employability IBE an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen hat es auf den Punkt gebracht: Die derzeitige Ausnahmesituation erzeugt definitiv „Rückenwind für virtuelle Zusammenarbeit, mobile Arbeit, agile Organisationsformen und New Work“. Die Digitalisierung der Prozesse im Unternehmen bekommt eine Dynamik, die alle herausfordert.

Bei der Studie wurden bis zum 30. März insgesamt 400 TeilnehmerInnen (Geschäftsführungen, Führungskräfte, Betriebsräte und HR-Verantwortliche sowie Expertinnen und Experten) um ihre Einschätzung bezüglich der folgenden Themenblöcke gebeten

Im Teil 1 ging es um die personalwirtschaftlichen und organisatorischen Maßnahmen. Dazu zählen unter anderem die staatlichen Hilfen, betriebliche Unterstützungsleistungen für die Beschäftigten, Arbeitsorte und Arbeitszeitmodelle, Planung des Personalbestands sowie Führung und Kommunikation.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den Ängsten als Folge der Corona-Krise sowie den Chancen, die aus der Corona-Situation entstehen können.

Wichtige Aspekte

Die sogenannte Caring Company ist gefragt, Mitarbeiter messen ihre Organisation sehr stark am Faktor Kommunikation, Information und Betreuung. Die Befragung zeigt klar, dass das viele Firmen dies schnell erkannt haben und umsetzen. So sind 98,8 Prozent der Befragten umfassende Maßnahmen zur Unterstützung der Beschäftigten wichtig. 83,3 Prozent der Befragten halten flexible Arbeitszeitmodelle für relevant. Hier findet sich auch die Erkenntnis, dass aus dem „Sonderstatus Home-Office“ in kürzester Zeit eine Arbeitsform für alle geworden ist.

Bei der Rolle der Führungskräfte geht es um den Spagat zwischen Management, Leadership und größtmöglicher Empathie. „Besonnen durch die Krise navigieren und gleichzeitig eine hohe Empathie für die Sorgen der Beschäftigten haben, kombiniert mit einer offenen, umfassenden und ehrlichen Information und Kommunikation“, so die Einschätzung des IBE.

Fazit: Nicht nur Menschen rücken in Krisenzeiten zusammen, sondern auch Unternehmen. Die Umfrageergebnisse machen schnell klar, wie sehr allen bewusst ist, dass die derzeitige außer-gewöhnliche Situation mit den verschiedenen Szenarien nicht alleine zu bewältigen ist. Die hohen Zustimmungswerte im Zusammenhang mit strategischen Partnerschaften und Allianzen zeigen dies sehr deutlich.

 

» Die Umfrage im Überblick

Nachgefragt bei Prof. Dr. Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement und Organisationsentwicklung an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen und Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability in Ludwigshafen IBE:

 

Frau Prof. Rump, welche Ergebnisse der Studie haben Sie überrascht?

Prof. Dr. Jutta Rump: Das mögliche Ausmaß der physischen und psychischen Konsequenzen innerhalb der Gesellschaft und innerhalb des Unternehmens scheint für viele Befragte somit (immer noch) wenig greifbar und vorhersehbar zu sein, während die Folgen für die eigene wirtschaftliche Situation sehr offensichtlich und akut sind. Die Akzeptanz der politischen Entscheidungen und damit verbundenen Einschränkungen ist dennoch sehr hoch.

 

Sind wir quasi auf Knopfdruck zur Digitalen Organisation geworden, in der die Personalabteilung sich ganz neu definiert?

Prof. Dr. Jutta Rump: Wir sind per Knopfdruck zur digitalen Organisation geworden. Das gilt auch für die Personalabteilung als Organisationseinheit innerhalb eines Unternehmens / einer Institution. Viele Beschäftigte arbeiten im Home-Office, kommunizieren und kooperieren mittels virtueller Plattformen. Arbeitsorganisation, Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit haben sich quasi über Nacht verändert. Was die Aufgaben der Personalabteilung betrifft, so haben sich einige verändert, einige sind gleichgeblieben, neue Tätigkeiten sind hinzugekommen. Von einer Neudefinition kann hier allerdings nicht die Rede sein.

 

Haben wir es mit einer neuen Form von interdisziplinärem Management zu tun?

Prof. Dr. Jutta Rump: Dessen bin ich mir nicht so sicher. Einerseits beobachten wir im Moment auf der Ebene des operativen und mittleren Managements eine partizipative und sogar delegative Führung, was angesichts von Home-Office sowie der Virtualisierung von Kommunikation und Kooperation nicht verwunderlich ist. Andererseits sind auf der oberen Managementebene eine zunehmende Zentralisierung und Fokussierung auf einen eher kleinen Kreis von Führungskräften, die dann in ihrem Zirkel Entscheidungen treffen, festzustellen. Damit entwickeln sich zwei Führungswelten mit zwei unterschiedlichen Logiken.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

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