New Work: Sind Frauen die Verlierer der Corona-Pandemie?

Die Pandemie deckt viele Problemstellen unserer Arbeitswelt auf. Während ganze Branchen, zum Beispiel der Event- und Messebereich, immer noch vor existenziellen Schwierigkeiten stehen, konnte immerhin die Kurzarbeit in vielen Unternehmen wieder zurückgefahren werden. Die Erkenntnisse aus den letzten Monaten werden uns jedoch noch lange beschäftigen und stellen die Organisation der Arbeitswelt vor neue Herausforderungen. Für Arbeitgeber ist es daher wichtig, diese in Zukunft stärker zu berücksichtigen. Vor allem Frauen, insbesondere Mütter, werden von den erschwerten Bedingungen besonders belastet.

Zwar wurden deutlich mehr Männer als Frauen in Kurzarbeit geschickt, was aber auch an den unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkten liegt. Dennoch sind Frauen nicht nur aufgrund des „Gender Pay Gap“, also der unterschiedlichen Lohnhöhe für Männer und Frauen, die laut einer aktuellen Studie von Mercer» zwischen 5,5 und 19,3 Prozent liegt, viel stärker betroffen. Zusätzlich spielen noch steuerliche Gegebenheiten eine Rolle. Insbesondere das verbreitete Steuermodell des Ehegattensplittings mit der Kombination der Steuerklassen 3 und 5 ist hierfür verantwortlich, wie der Deutsche Juristinnenbund aufzeigt». Da Lohnersatzleistungen wie das Kurzarbeitergeld vom Nettolohn abhängen und dieser im Splittingmodell deutlich niedriger ist, verringert sich das Gehalt verheirateter Frauen sehr viel stärker als die eigentlich vorgesehene Kürzung.

Auch die bereits vorher stark vorhandene Mehrfachbelastung von Müttern ist während der Pandemiezeit nochmal gestiegen: Dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge» sind sie deutlich häufiger ins Home Office gegangen (28%, gegenüber 17% der männlichen Arbeitnehmer) und waren damit während der Schließungen von Betreuungseinrichtungen und Schulen für weitere Care-Arbeit sowie für das Home Schooling verantwortlich. Und das, obwohl bereits vor Corona Frauen laut BMFSFJ» 52,4% mehr unbezahlte Sorgearbeit übernahmen als Männer.

Linked Personnel Panel Beschäftigtenbefragung 2019 und April/Mai 2020 (N=1.060). Balanciertes Panel. Angaben sind gewichtet.
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Neben den wichtigen politischen Ansätzen wie der Streichung des Ehegattensplittings zugunsten einer gemeinsamen Steuerklasse IV oder der Erhöhung von Kinderkrankentagen bedeuten diese Erfahrungen für Arbeitgeber, bei zukünftigen Maßnahmen die geschlechterspezifischen Situationen besser zu berücksichtigen. Dazu gehört es, eine gerechte Arbeitsverteilung zu ermöglichen, z. B. durch flexiblere Arbeitszeiten im Home Office, möglichst unkomplizierte Regelungen bei Betreuungsausfall, um alle Elternteile zu entlasten.