Mitarbeiter*innen zu gesundem Verhalten anleiten: wie funktioniert Nudging?

Nudging ist in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens bereits ein etabliertes Instrument, um gesundheitsförderliches Verhalten von Menschen zu steuern. Die bekanntesten Beispiele hierfür dürften Warnhinweise auf Tabakprodukten oder Nährwertkennzeichnungen sein. Gesundheitsförderliches Verhalten kann man aber auch im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements implementieren.

Was versteht man unter Nudging?

Unter Nudging versteht man folgenden Ansatz, der in der Verhaltenstheorie begründet ist: durch „sanfte Stupser“ – auf Englisch: Nudges – soll das Verhalten von Menschen auf der unbewussten Ebene gesteuert werden. Es wird in vielen Bereichen angewendet, beispielsweise beim Verkaufen bestimmter Waren im Supermarkt.

Die Meinungen, ob es sich beim Nudging um eine Form der Manipulation handelt, werden kontrovers diskutiert. Es gibt allerdings Feinheiten, die Manipulation von Beeinflussung unterscheiden. Wichtig: Nudging beinhaltet keine Verbote und es werden auch keine materiellen Anreize in Aussicht gestellt. Auch werden im Gegensatz zum „Priming»“ keine Assoziationen durch bestimmte Informationen beim Menschen geweckt: Wenn im Supermarkt etwa deutsche Musik gespielt wird, wird eher deutscher Wein gekauft. Das ist ein klassischer Fall von Manipulation durch Information, also Priming. Beim Nudging geht es nicht darum, zu manipulieren, sondern zu beeinflussen: Personen, an denen Nudging vollzogen wird, erhalten immer verschiedene Auswahlmöglichkeiten. Die Entscheidung wird in einen bestimmten Kontext gesetzt und dadurch wird die Auswahl einer bestimmten, zum Beispiel gesunden, Alternative erleichtert.

Beim Nudging-Ansatz geht es weniger darum, simple Informationen und Hinweise direkt an die Zielgruppe weiterzuleiten, sondern das Denken und die Entscheidungen von Menschen zu steuern, damit diese unbewusst, instinktiv und emotional Entscheidungen für eine Option treffen und Alternativen ablehnen. Die jeweilige Entscheidungssituation wird dabei jeweils an kognitive Verzerrungen angepasst, sodass ein bestimmtes Verhalten wahrscheinlicher wird.

Nudging im Betrieblichen Gesundheitsmanagement

Auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement geht es darum, das Verhalten von Mitarbeiter*innen vorhersehbar zu beeinflussen. In der Vergangenheit wurde Prävention vor allem in Form der Bereitstellung von Informationen umgesetzt. Allerdings haben viele Unternehmen inzwischen erkannt, dass sie auf effektivere Präventionsformen setzen müssen. Warnhinweisen und Info-Seminaren zum Trotz ist die Motivation von Mitarbeiter*innen kaum gestiegen und die Zahl der Arbeitsunfälle ist nur unerheblich gesunken.

Wie aber lässt sich Nudging praktisch im Unternehmen umsetzen? Eines der prägnantesten Beispiele für Nudging dürfte sicherlich „Aufzug vs. Treppe»“ sein. Ein Unternehmen, das die Mitarbeiter*innen dazu bewegen möchte, die Treppe zu nehmen, könnte beispielsweise Hinweisschilder für den Aufzug eher klein und die Schilder für die Treppe entsprechend groß anbringen. Die Mitarbeiter*innen können immer noch frei wählen, ob sie lieber die Treppe oder den Aufzug nehmen – allerdings werden sie deutlicher auf die „Treppe“ hingewiesen, womit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass mehr Mitarbeiter die Treppe nutzen werden als ohne diese Maßnahme.

Auch im Bereich der Förderung einer gesünderen Ernährungsweise gibt es eine Vielzahl von Beispielen für erfolgreiche Nudges, zum Beispiel in Betriebskantinen», in denen Spiegel hinter der Salatbar angebracht werden oder gesunde Speisen auf Augenhöhe platziert werden. Unser Partner GESOCA» ist eines der führenden Unternehmen im Bereich der Gesundheitsförderung durch Cateringsteuerung.

Nudging gehört in die Unternehmensstrategie

Um Nudging-Maßnahmen erfolgreich zu implementieren, müssen die Nudges in die Gesamtstrategie des Unternehmens eingebunden werden. Nur mit einer Strategie und festgelegten Zielen können sinnvolle Maßnahmen geplant und messbar gemacht werden.

Die Einbindung von Nudging in die Unternehmensstrategie sorgt zudem für Transparenz. Verständlicherweise gibt es Menschen, die Nudging sehr kritisch betrachten und befürchten, manipuliert zu werden. Unternehmen, die eine Nudging-Strategie haben, sollten also ganz klar aufzeigen können, warum welche Nudges angewendet werden und was damit bezweckt werden soll.