Gesundheitsprävention durch Digitalisierung

Die Digitalisierung hat zwar in den meisten Geschäftszweigen längst mehr oder weniger Einzug gehalten, der plötzliche Umstieg auf vollständige digitale Verfahren – sei es Home Office für Büromitarbeiter*innen, seien es Konferenzen oder die Kommunikation mit Dienstleistern und Partnern – hat der Entwicklung allerdings nochmals deutlichen Schub gegeben. Die Studie „social health @work“ der BARMER und der Universität St. Gallen untersucht nun, welche Rolle die vorher erworbenen digitalen Kompetenzen in der Krise für die Gesundheit der Mitarbeiter*innen spielen.

Unter anderem wurde analysiert, wie sich die virtuellen Führungsfähigkeiten von Vorgesetzten auf die Teammitglieder auswirken:  im Vergleich zu Teams, deren Führungskräfte kaum solche Kompetenzen vorweisen können, liegt die Arbeitszufriedenheit über 48% höher, die Kommunikations- und Koordinationsqualität innerhalb des Teams um fast 16%, und die Produktivität während der akuten Phase mobiler Arbeit lag ebenfalls bei plus 10%. Im Gegensatz dazu haben die Teams mit virtuell kompetenter Führung 15,5% weniger Stress und eine über 40% niedrigere Kündigungsabsicht.

Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, das Augenmerk nicht nur auf funktionierende VPN- und Internetverbindungen oder gemeinsame Terminpläne zu legen. Auch die klassischen Skills sowohl von Mitarbeiter*innen sowie Führungskräften müssen an die neue Arbeitswelt angepasst werden.

Insgesamt ist digitale Kompetenz geeignet, auch die Gesundheit von Beschäftigten zu schützen, die zurzeit mobil arbeiten (müssen): ist diese stark ausgeprägt, haben die Mitarbeiter*innen im Gegensatz zu ihren weniger digital kompetenten Kolleg*innen eine deutlich höhere psychische und physische Arbeitsfähigkeit. Während Corona lag ihre Produktivität fast 14% höher, der Stresslevel dagegen über 6% niedriger. Auch gesundheitliche Probleme, wie Schlafprobleme, traten deutlich weniger auf.

Die Studienurheber*innen weisen zusätzlich auf die Wichtigkeit von Grenzmanagement hin: die verschwimmenden Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit im Home Office, zwischen Flexibilität und dem Gefühl, ständig erreichbar sein zu müssen, können Stress und geringe Belastbarkeit hervorrufen. Klare Grenzen sowie die enge, virtuelle Einbindung ins Team, um die gewohnten Kontakte zu stärken und die Entstehung von Unsicherheiten und dem Gefühl von Isolation zu verhindern, wirken dem entgegen. Zugehörigkeit und die Wahrnehmung der eigenen Produktivität fördern zusätzlich eine bessere Gesundheitswahrnehmung.

 

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