Flucht nach vorn

Eine flexible Plattform mit sozialem Netzwerk, sportlichen Challenges und individuellen Bausteinen all das ist Profession Fit. Wie sich das Unternehmen neu erfindet, warum Plattformen nicht nur Beiwerk sein dürfen und was die Zukunft bringt, zeigen CEO Jens Michael Otte und Produktmanager Oliver Frank Stephan im Interview.

Jens Michael Otte
CEO von Profession Fit
Oliver Stephan, Produktmanager Profession Fit
Oliver Frank Stephan
Produkt- und Projektmanagement bei Profession Fit

Herr Otte, Sie sind CEO eines ausgezeichneten Gesundheitsdienstleisters: Was waren Ihre großen Herausforderungen in den letzten 12 Monaten?

JMO: Natürlich war und ist die Coronapandemie auch für uns ein ziemlicher Brocken, den wir jedoch durch klare Struktur, gutes Durchhaltevermögen und ein wirklich motiviertes Team ganz gut stemmen konnten. Vor allem die Umstrukturierung verschiedener Aufgabenbereiche innerhalb der Profession Fit und die Fokussierung auf wichtige Themen wie bspw. die Herausarbeitung neuer und spannender Contentthemen, die erfolgreiche Implementierung unserer Mediathek, aber auch die Festigung der Zusammenarbeit mit unseren Bestandskunden bildeten hier wichtige Ankerpunkte unserer Bemühungen der letzten Monate. Der Umstieg aller Kolleginnen und Kollegen auf eigenverantwortliches Arbeiten im Homeoffice und die gänzlich digitale Aufstellung der Profession Fit ermöglichte uns tatsächlich sehr schnell die Chance, das Wesentliche im Auge zu behalten. Und hierbei handelt es sich um den Blick dafür, einfach viel breiter zu denken und die Anforderungen und Schwierigkeiten, aber auch Probleme und Sorgen unserer Kunden in unser tägliches Arbeiten grundlegend und tiefgehender einzubeziehen.

Corona: „Was nun?“ oder „Jetzt erst recht?“

JMO und OFS gleichzeitig: Definitiv „jetzt erst recht“!

JMO: Genau nach diesem Motto sind wir im Zuge der Coronazeit angetreten: Nicht lange nach Auswegen suchen und überlegen, vielmehr sofort angreifen und die Flucht nach vorn wagen.

OFS: Die Flucht nach vorn ist das perfekte Stichwort, denn genau dadurch haben wir uns selbst in der Coronazeit stark festigen und auch neu erfinden können.
Sich neu zu erfinden ist gerade der positive Ausgangspunkt, den man vor allem spürt, wenn man in einem kleinen Team voller Ideen und Kreativität gemeinsam die Köpfe zusammenstecken kann und auf Augenhöhe den Fortschritt und die Richtung der Plattform grundlegend überdenkt und überarbeitet. Corona hat uns hierbei in mancher Hinsicht sogar in die Hände gespielt, denn – so merkwürdig das klingen mag – es gab uns die Chance zur Rückbesinnung das Wesentliche unserer Arbeit und löste uns von so mancher überbewerteter Nebensächlichkeit.

Sie sind als Top Brand Corporate Health ausgezeichnet worden. Wie können Sie Unternehmen heute und in der Zukunft helfen und worin liegen Ihre Stärken?

JMO: Zunächst haben wir unsere Kompetenzen gebündelt und sortiert. Unser Ansatz liegt ganz klar in einer Aufteilung in drei Kernbereiche unserer Plattform: gesundheitsfördernde Contents, Kommunikation sowie Administration. Wir verzahnen verhaltenspräventive Impulse in Form von Videoclips und schriftlichen Beiträgen – einer Art Gesundheitsblog für alle Nutzenden – mit Kommunikationsmöglichkeiten wie bspw. in unserem digitalen schwarzen Brett, dem Forum zum Austausch oder auch der Verabredung zum gemeinsamen Joggen per integriertem Messenger mit notwenigen Prozesserleichterungen für BGM-Beauftragte im Hintergrund. So bieten eigene Verwaltungsoberflächen die Möglichkeit, bisherige analoge und zeitintensive Maßnahmen und Inhalte schnell über die Plattform abzubilden und damit vor allem Zeit und Mühen signifikant einzusparen.
Mit dieser Vernetzung verschiedener Bausteine – mit mehr Individualität und vor allem auch Spaß im „aktiv werden“ für die Nutzenden – liegen unsere Stärken: Für Spaß und Freude in der Plattform sorgen, bestehende Maßnahmen der Kunden aktiv einbeziehen und eine gewisse Scheu vor neuen, digitalen Wegen nehmen – auch für die BGM-Verantwortlichen im Hintergrund. Eine digitale Plattform zur Gesundheitsförderung darf kein „eingemottetes“ Beiwerk sein, sondern sollte sich nachhaltig zu einem akzeptierten und beliebten Begleiter für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter innerhalb eines Unternehmens entwickeln.

Ein zentraler Punkt ist auch unsere Aufstellung hinsichtlich des Preises: Wir bieten unseren Kunden ein transparentes und nachvollziehbares Preismodell, das sich vor allem am Erfolg, also der Durchdringung und tatsächlichen Nutzung durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, errechnet. So gewährleisten wir, dass unsere Kunden nur für diejenigen Nutzer zahlen, die aktiv und nachhaltig in der Plattform unterwegs sind und gleichzeitig nehmen wir uns selbst in die Pflicht, spannende und vor allem sinnvolle Inhalte zu erarbeiten.

Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie speziell im Bereich des digitalen Gesundheitsmanagements in den nächsten Jahren?

JMO: Ich bin mir sicher, dass eine allgemeingültige White-Label-Lösung in Form einer unüberwindbar starren Plattform keine nachhaltige Chance am Markt haben wird. Vielmehr ist es nötig, eng und auf Augenhöhe mit den Unternehmen die eigenen Anforderungen zu ergründen, gemeinsame Wege zur Umstellung auf digitale Wege zu finden und vor allen Dingen aber den regelmäßigen – quasi evaluierenden – Austausch mit den Kunden anzustoßen. Verständnis für eine Vielfalt an Themen und Wünschen, sogar Nöten der Unternehmen sind absolut unabdingbar.

OFS: Individuelle Angebote können durch digitale Maßnahmen günstiger und übergreifender, ja teilweise sogar gezielter platziert werden, schließen gleichfalls jedoch analoge Maßnahmen keineswegs aus. Eine hybride Herangehensweise an die breitgefächerten Aufgabenstellungen von BGM und BGF sind der Schlüssel zum Erfolg. Denn auch hier gilt: Bewährtes müssen wir erhalten und klug durch zusätzliche und individuell wählbare Angebote und Möglichkeiten ergänzen, wie wir es gerade erst mit dem Launch unserer Mediathek und dem weiterentwickelten User-Frontend getan haben. Unserer Meinung nach müssen wir im Kopf umdenken und uns abwenden vom sprichwörtlich „erhobenen Zeigefinger“: Gesundheitsbewusstsein kann, muss und darf sich entwickeln und gerade dann werden ergriffene Maßnahmen auch akzeptiert, ausprobiert und folglich in den Alltag integriert.

Können Sie uns einen kleinen Ausblick in die Zukunft geben?

JMO: Die Zusammenarbeit mit analogen Anbietern und namhaften Kooperationspartnern möchten wir in jedem Falle ausbauen und hier vor allem eine Bündelung der Kompetenzen erreichen, um unseren Kunden so eine größere Bandbreite an Dienstleistungen bieten zu können. Weiterhin möchten wir neue Wege für die Gesundheitszirkel innerhalb der Unternehmen ergründen und erneut Prozesse straffen und optimieren – kurzum die Chance bieten, bspw. Videomeetings direkt über die Plattform abzuhalten, Protokolle zu hinterlegen und alle Prozesse eben aus einer Hand abzubilden. Besondere Anforderungen, die im Rahmen der Pandemielage aufkamen, haben gezeigt, dass wir Themen wie Impfterminbuchungen und die Vergabe von Testslots weiter ausbauen. Auch hier haben wir erneut Möglichkeiten gefunden, die Unternehmen zu entlasten und einen Beitrag zu leisten, Firmenstrukturen auch in besonderen Situationen zu erhalten und auf das Wesentliche zu lenken.

OFS: Daneben werden wir unsere Kooperationen bspw. mit der Universität Leipzig und dem Institut für Sportpsychologie und Sportpädagogik ausbauen und uns auch noch stärker am wissenschaftlichen Diskurs beteiligen. Neben Evaluationsstrategien stehen vor allem die Errichtung von Kennzahlensystemen zum Zwecke der Wirksamkeitsmessung, aber auch neue Contentbereiche wie bspw. Podcasts und die Erweiterung von Gamification sowie e-Learning-Elementen auf unserer Agenda.