Ergonomie im Home Office

Die Anforderungen an einen ergonomischen Arbeitsplatz sind gesetzlich klar geregelt und werden in vielen Unternehmen durch Arbeitsschutz oder Betriebsärzt*innen überprüft und angepasst. Nachdem ein Großteil der deutschen Unternehmen seine Büromitarbeiter*innen zur Verhinderung von Ansteckungen mit dem Coronavirus ins Home Office geschickt hat, waren diese Regelungen natürlich erst einmal hinfällig: zu verlockend ist es, auch auf der Couch oder bei gutem Wetter im Gartenstuhl zu arbeiten, oft am eigenen Laptop. Zwar bestehen zu dieser kurzfristigen Anordnung von Home Office im Gegensatz zur Telearbeit (s. Arbeitsstättenverordnung §2 Abs.7»)  häufig keine vertraglichen Grundlagen, grundsätzlich ist der Arbeitgeber aber verpflichtet, für einen sicheren Heimarbeitsplatz zu sorgen. Und während viele Unternehmen zwar angeben, auch in Zukunft Home Office ermöglichen zu wollen, handelt es sich zunächst um eine Übergangslösung während der akuten Pandemiezeit, deren weitere Entwicklung abzuwarten bleibt.

Die Bedingungen, unter denen viele Menschen zu Hause arbeiten, zeigt eine Umfrage der Fachhochschule Dortmund im Auftrag der Neuen Assekuranz Gewerkschaft» unter über 1.000 Erwerbstätigen in der Versicherungswirtschaft stellvertretend auf:

Quelle:
Homeoffice. Ergebnisse der NAG Homeoffice-Umfrage 2020 unter Beschäftigten der Versicherungswirtschaft.
Studie Dortmund/ Gießen, September 2020 Fachhochschule Dortmund | NAG (Herausgeber)

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung  weist darauf hin, dass muskoskelettale Erkrankungen in der DACH-Region die häufigste Ursache für Krankschreibungen bzw. Arbeitsunfähigkeit sind, und zeigt die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen arbeitsergonomischer Maßnahmen auf».

Um gesundheitlichen Folgen entgegenzuwirken, die bereits nach zwei Tagen auftreten können, empfehlen die Arbeitsschutzexpert*innen des TÜV folgende Maßnahmen zur Einrichtung eines sicheren Arbeitsplatzes zu Hause»:

  • Einrichtung: Ergonomischer Stuhl mit höhenverstellbarem Sitz und Armlehnen sowie dynamischer Rückenlehne. Der Tisch sollte möglichst matt sein, um nicht zu blenden, und die Tischkante sollte sich ungefähr auf Höhe mit den Ellenbogen befinden. Der Sehabstand zum Bildschirm sollte zwischen 50 und 80cm betragen, wobei die oberste Zeile nicht über Augenhöhe liegen sollte.
  • Haltung: Ober- und Unterarme sowie Ober- und Unterschenkel in 90-Grad-Winkel zueinander. Die Füße berühren den Boden vollständig.
  • Bewegung: wegfallende Gänge zu Meetings, zum Kaffeeholen oder in die Kantine führen zu noch mehr Sitzen. Die richtige Mischung besteht laut den Experten aus 50% Sitzen, 25% Stehen und 25% Gehen.
  • Wenn möglich: eigener Raum für eine bessere Trennung von Beruf und Freizeit, nichtblendende Lichtquellen (parallel zum Fenster) sowie ein externer Bildschirm mit je einzelner Maus und Tastatur.

Die Ausnahmesituation der Pandemie verlangt allen Beteiligten viel ab. Es ist daher unbedingt wichtig, dass die Maßnahmen, die zum Gesundheitsschutz von Arbeitnehmer*innen ergriffen werden, diesen nicht auf anderem Wege gesundheitlich schaden. Dazu gehört es eben auch, die notwendige Beachtung von Arbeitsschutzmaßnahmen auch auf die Arbeit im Home Office auszudehnen.