Digitale Ethik und Zeitmanagement für Chaoten

Unser Alltag wird immer digitaler. Mehr und mehr Bereiche unseres Lebens, die vor einigen Jahren noch ausschließlich offline stattgefunden haben, verschmelzen zunehmend mit der Onlinewelt. Vor allem unser Berufsleben ist davon betroffen – mittlerweile setzen wir hier eine Vielzahl von digitalen Tools im direkten Kontakt ein. Da ist es nur folgerichtig, dass wir darüber sinnieren, was die neue Freiheit mit sich bringt. Kaspersky hat vor kurzem eine Umfrage zur Digitalisierung im Alltag in Deutschland durchgeführt. Neben Sicherheitsaspekten ging es auch darum, wie sich die Pandemiesituation auf unsere psychische Gesundheit ausgewirkt und welche Rolle die Technologie dabei für unseren Zusammenhalt gespielt hat. Das Ergebnis: mehr als jedem vierten Nutzer in Deutschland, nämlich 28 Prozent, fällt es nach eigener Aussage leichter, online neue Kontakte zu schließen als im realen Leben. 27 Prozent fällt zudem die Selbstdarstellung im digitalen Raum leichter als im persönlichen Kontakt. 29 Prozent der Befragten bestätigen zudem, sich im virtuellen Raum kontaktfreudiger und selbstbewusster zu fühlen als bei persönlichen Treffen.

Jeder Vierte? Das ist ein ziemlich hoher Wert. Kann es sein, dass Technologie in vielen Fällen schon als eine Form von Sucht angesehen werden sollte und emotional abhängig macht? Während einige Menschen unter normalen Umständen vielleicht übermäßig auf Technologien zurückgreifen, werden Videoanrufe und Messenger-Dienste oft als Rettungsanker angesehen, um den Selbstwert zu pushen, so die Einschätzung einiger Psychotherapeuten. Das Wissen um neurobiologische Fakten gehört insofern zum Basis-Know How in den HR-Abteilungen. Im Artikel der Fachzeitschrift Wirtschaft und Weiterbildung wird darauf verwiesen, dass es keinen Sinn ergibt, den Kampf zwischen Analog und Digital zu führen, sondern darum, aufmerksam die Grenzen zu erkennen, rechtzeitig zu intervenieren und Konzepte für die Prävention zu erstellen.

© Kaspersky

„Fortschritt braucht Weisheit und Mut – Maschinen fehlt beides“, so die Einschätzung von Sarah Spiekermann, Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Wirtschaftsuniversität Wien. Die Autorin  von „Digitale Ethik – ein Wertesystem für das 21. Jahrhundert“ (erschienen beim Droemer Verlag), widmet sich der Geschichte des Fortschrittsdenkens ebenso wie den kritischen Gedanken zur Big Data Illusion, dem Problem der Selbstunterbrechung und den Wertefragen im Umgang mit der digitalen Welt im privaten Umfeld ebenso wie in den Unternehmen.  Wieviel IT ist zielführend, ab wann machen digitale Systeme krank? Und was ergibt sich daraus an Ableitungen für Führungsmodelle und den Umgang miteinander im Arbeitsleben? Eine lesenswerte Lektüre, die uns genügend Gesprächsstoff im direkten Miteinander liefern sollte.

Apropos intensive Gespräche, Small-Talk oder Dialog mit sich selbst: Das „30 Minuten Zeitmanagement für Chaoten“ aus dem GABAL Verlag (Lothar J. Seiwert, Horst Müller, Anette Laboek) ist eine vergnügliche Lektüre, die man nach Feierabend entspannt mit an den See nehmen kann und damit gleich einem guten Rat aus dem Kapitel „Wie Sie sich selbst überlisten“ folgt.

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