Corona-Impfung im Betrieb: Gute Vorbereitung, wenige Impfdosen

Nachdem am 07. Juni die Betriebsärzt*innen in die Corona-Impfungen starten konnten, ergibt sich ein gemischtes Bild. Laut Tagesschau» haben viele Unternehmen eine großartige Infrastruktur aufgebaut, beispielsweise die Deutsche Telekom, die bundesweit 18 eigene Impfstraßen eingerichtet hat und damit etwa 10.000 Impfungen pro Woche durchführen könnte. Insgesamt haben 6.300 Betriebsärzt*innen Impfstoff bestellt, nach deren Anzahl pro Unternehmen sich auch die Verteilung der Dosen richtet. Allerdings berichtete bereits das Handelsblatt» über die geringen Lieferungen: so erhielt die Allianz statt der bestellten 12.500 Dosen nur 3.200, Bayer 3.000 anstatt der bestellten 20.000. BMW konnte in der ersten Woche immerhin etwa 5.000 Mitarbeiter*innen impfen. In der zweiten Woche kam noch weniger Impfstoff bei den Unternehmen an.

Die weiterhin starke Verknappung setzt das auch außerhalb der Betriebsimpfungen bestehende Verteilungsproblem nun fort und stellt die Unternehmen vor die Herausforderung, unter den impfwilligen Mitarbeiter*innen auswählen zu müssen. Der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, plädiert daher für die Orientierung anhand des individuellen Risikos, beispielsweise durch notwendige Reisen im Außendienst oder vielen Kontakten. Unternehmen wie die Deutsche Post oder RWE haben allerdings keine Priorisierung mehr vorgesehen. Der Immobilienkonzern Vonovia wiederum setzt auf einen Zufallsgenerator für die Impfangebote, der allerdings Mitarbeiter*innen mit direktem Kontakt hervorhebt.

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) führt im Rahmen des Projekts „Gesund arbeiten in Thüringen“ gemeinsam mit der BARMER derzeit Impfaktionstage an drei Standorten durch, an denen kleine und mittlere Betriebe ihre Mitarbeiter*innen impfen lassen können, die nicht über eigene Betriebsärzt*innen verfügen. Insgesamt haben sich 30 Unternehmen und über 600 Beschäftige für die Aktion angemeldet. „Die deutsche Wirtschaft ist stark durch den Mittelstand mit vielen kleinen Betrieben und mittelgroßen Unternehmen geprägt. Umso wichtiger ist es, gerade die Beschäftigten dort in die Impfkampagne einzubeziehen und im größten Präventionssetting unserer Gesellschaft, der Arbeitswelt, durch niederschwellige Angebote einen großen Teil der Bevölkerung zu erreichen,“ kommentiert DGAUM-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Nesseler».

Das hohe Interesse an der Impfung durch die Betriebsärzt*innen, ob im eigenen Unternehmen oder im Rahmen von Netzwerken wie in Thüringen, zeigt die hohe Relevanz von Gesundheitsbewusstsein und –kommunikation im betrieblichen Rahmen. Trotz aller Schwierigkeiten mit der ausreichenden Versorgung mit Impfstoffdosen oder beunruhigenden Einzelfällen von unseriöser Geschäftemacherei» sind das Vertrauen in die medizinische Versorgung vor Ort sowie die Praktikabilität des Angebots wichtige Faktoren in der Herausforderung, möglichst viele Menschen mit Gesundheitsangeboten zu erreichen.