Sonderpreise des Corporate Health Awards

Die Auditierung der Bewerber um den diesjährigen Corporate Health Award geht in die Schlussphase, im Anschluss werden die Unternehmen mit dem bundesweit besten Corporate Health Management ausgezeichnet. Neben den 17 Branchenpreisen werden auch 2021 wieder verschiedene Sonderpreise vergeben. Welche das sind und warum wir deren Themen als besonders wichtig erachten, möchten wir hier kurz vorstellen.

Sonderpreis für den Mittelstand

Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU) sind beim Gesundheitsmanagement in einer besonderen Situation: wo Großkonzerne oft eigene Abteilungen und Systeme haben und ihr Gesundheitsmanagement strategisch begreifen und weiterentwickeln, sind gerade präventive Maßnahmen in einem gesunden Arbeitsumfeld für mittelständische Betriebe essentiell, um ihre Mitarbeitenden langfristig und motiviert im Unternehmen zu halten. Flache Hierarchien und das aktive Einbringen der Geschäftsführung in den Unternehmensalltag ermöglichen zudem eine persönliche Bindung und Sorge um das Wohlbefinden der Beschäftigten. Auch ohne spezielles Budget für Gesundheitsmanagement zeichnet der Mittelstand sich Jahr für Jahr durch kreative und individuelle Lösungen und Projekte für die Gesundheit der Mitarbeiter*innen aus – eine Stärke, die vom Corporate Health Award durch den Sonderpreis Mittelstand in den verschiedenen Branchen ausgezeichnet wird.

Der Sonderpreis Mittelstand wird gemeinsam mit dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) verliehen.

Sonderpreis Gesunde Hochschule

Dieser Sonderpreis besteht tatsächlich aus zwei Awards: einmal für Betriebliches und einmal für Studentisches Gesundheitsmanagement. Hochschulen stehen nämlich vor der Herausforderung, die sehr unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer verschiedenen Statusgruppen auch in Angeboten zu Gesundheitsförderung und -prävention abzubilden. Die Ansprüche von Studierenden, Lehrenden, Beschäftigen und Auszubildenden müssen auf einen Nenner gebracht und nachhaltig umgesetzt werden. Bereits seit 2013 ist die Verleihung des Sonderpreises gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) fester Bestandteil des Corporate Health Awards, seit 2018 wird durch die Aufteilung in zwei Kategorien den unterschiedlichen Anforderungen und besonderen Leistungen der Hochschulen besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Sonderpreis Gesundes Handwerk

Im Handwerk treffen mit Fachkräftemangel und körperlicher Belastung zwei Faktoren aufeinander, die durch ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement abgemildert werden können: Beschäftigte mit entsprechenden Präventions- und Gesundheitsangeboten bleiben länger gesund und leistungsfähig, zudem sind Betriebe mit diesem Problembewusstsein deutlich attraktiver. Die individuell abgestimmten Lösungen, die von den Unternehmen entwickelt werden, überraschen uns jedes Jahr aufs Neue sehr positiv. Da Handwerksbetriebe zudem oft zu den Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) gehören, haben die Sonderpreisträger stets auch eine wichtige Vorbildfunktion: dass kreative und nachhaltige Gesundheitsförderung keine Frage der Größe ist, sondern persönliches Engagement und strategisches Bewusstsein voraussetzt.

Der Sonderpreis Gesundes Handwerk wird gemeinsam mit der größten deutschen Innungskrankenkasse IKK classic verliehen.

Sonderpreis Gesundheitskommunikation

Mans Health Womans health

„Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ – schon Ludwig Wittgenstein weist darauf hin, wie grundlegend Sprache und Kommunikation für die Vermittlung von Inhalten ist. Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit in der Kommunikation sind Kernelemente einer guten Unternehmensführung und gerade im Bereich der Vermittlung von Gesundheitsthemen essentiell. Eine zielgerichtete Gesundheitskommunikation zeichnet sich durch Transparenz und Mitarbeiternähe aus und ist gerade jetzt Grundlage für den Erhalt der Unternehmenskultur trotz komplizierter Arbeits- und Lebenswelten, für die Motivation der Mitarbeiter*innen mit unterschiedlichen Arbeitsweisen sowie die Vermittlung von nun regelrecht lebenswichtigen Hygieneregeln. Beschäftigte individuell anzusprechen, abzuholen und zu informieren ist nicht leicht – umso wichtiger die Vorbildfunktion der Unternehmen, die mit diesem Sonderpreis des Corporate Health Awards gemeinsam mit MEN’S HEALTH und WOMEN’S HEALTH ausgezeichnet werden.

Neu dabei: Sonderpreis für die Legal-Branche

Unser Bild von Beschäftigten in der Rechtsbranche ist oft medial geprägt: aufregende Fälle und der Einsatz für die Gerechtigkeit. Nicht gesehen werden die große Verantwortung, fallabhängigen Belastungsspitzen sowie die hohen Anforderungen an Kompetenz und Selbstdisziplin. Der neue Sonderpreis, der in diesem Jahr das erste Mal gemeinsam mit LECARE und dem Liquid Legal Institute verliehen wird, legt den Fokus auf die besonderen Gesundheitsrisiken dieser Branche und zeigt Best Practices, die dank der starken internen Vernetzung inspirieren und zur Nachahmung anregen sollen.

Weitere Sonderpreise

Während der Auswertung der Bewerbungen und Auditierungen werden immer wieder besondere Leistungen in bestimmten Bereichen festgestellt. Auch, wenn es vielleicht nicht für den Branchensieg reicht, sollen diese herausragenden Strategien natürlich trotzdem entsprechend gewürdigt werden. Deshalb werden jedes Jahr weitere Sonderpreise an Unternehmen verliehen, die sich in dieser Hinsicht um ihre Beschäftigten verdient gemacht haben. In den letzten Jahren gehörten dazu unter anderem Sonderpreis für Mental Health, Digitales, Internationales, Pandemie-Management, Check-Up oder Führung. Wir sind gespannt auf die diesjährigen Ergebnisse!

Alle Sonderpreise, Porträts der Sonderpreispartner sowie die Gewinner der letzten Jahre finden Sie auf der Seite des Corporate Health Awards: www.ch-award.de

Geringer Krankenstand – hohe psychische Belastung: Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse nach einem Jahr Corona-Pandemie

Mehr als ein Jahr hat die Corona-Pandemie Deutschland schon im Griff und beeinflusst maßgeblich das Leben der Bevölkerung. Auch wenn inzwischen wieder viele Einschränkungen des öffentlichen Lebens aufgehoben wurden, zeigt der Gesundheitsreport 2021 der Techniker Krankenkasse», dass der Dauerlockdown bei den Menschen Spuren hinterlassen hat.

Für die Ergebnisse des Gesundheitsreports wurden die Arzneimittelverordnungen und Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von 5,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten ausgewertet. Zudem wurden die Ergebnisse einer bundesweiten bevölkerungsrepräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstitut Forsa, welche 1.000 Menschen im Mai 2020 und März 2021 telefonisch zu ihrer Belastung durch Corona befragt haben, mit in die Auswertung einbezogen.

Im März dieses Jahres fühlten sich demnach 42 Prozent der Bevölkerung in Deutschland stark oder sogar sehr stark von der Corona-Situation belastet. Ein Jahr zuvor bei der Befragung im Mai 2020 waren es noch 35 Prozent.  Auffällig ist, dass sich vor allem die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen überproportional mehr durch die Corona-Pandemie belastet fühlten als die durchschnittliche Bevölkerung. Fehlende persönliche Treffen mit Verwandten oder Freunden und Angst, dass Angehörige oder Freunde an Corona erkranken, wurden als Hauptbelastungsfaktoren empfunden. Bei Berufstätigen wurde zudem auch häufig über vermehrten Stress am Arbeitsplatz berichtet.

Besonders gestresst fühlten sich Eltern mit mindestens einem Kind, die im Home Office arbeiten. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) dieser Gruppe gaben im März an, stark oder sehr stark durch die Pandemie belastet zu sein. Bei der ersten Erhebung im Mai 2020 waren es 45 Prozent. Berufstätige im Home Office ohne Kinder fühlten sich hingegen weniger gestresst. An beiden Befragungszeitpunkten gaben nur 31 Prozent der Beschäftigten an, stark oder sehr stark durch die Corona-Situation belastet zu sein. Von den Berufstätigen, welche in Präsenz arbeiten, gaben knapp die Hälfte (46 Prozent) der Befragten an durch die Pandemie belastet zu sein. Das gilt sowohl für die Beschäftigten mit als auch diejenigen ohne Kinder.

Essentiell ist daher weiterhin das Schaffen einer gesunden Arbeitsumgebung, ob im Büro oder im Home Office. Unternehmen können sich dabei auch von der TK Unterstützung im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements holen. Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK: „Dabei geht es nicht nur um einen ergonomischen Arbeitsplatz und eine reibungslose IT. Die viel größere Herausforderung ist es, auch auf die Entfernung eine wertschätzende, vertrauensvolle und transparente Arbeitskultur zur verankern. Das sind entscheidende Faktoren für Motivation, Zufriedenheit und Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Die zunehmende Belastung in der Bevölkerung im Verlauf der Corona-Pandemie wurde auch von einer Langzeitstudie des psychologischen Instituts der Technischen Universität Chemnitz, die in Kooperation mit der TK durchgeführt wurde, festgestellt. Die sozialen und beruflichen Herausforderungen haben den Stress der Menschen dauerhaft erhöht; gleichzeitig war es durch die Maßnahmen im Lockdown kaum möglich, die eigenen Ressourcen wieder aufzufüllen, beispielsweise durch Reisen, Sport- und Kulturveranstaltungen oder Treffen im Freundeskreis. Laut Studienleiter Professor Dr. Bertholt Meyer» kann dieses Ungleichgewicht auf Dauer zur Erschöpfung und in schweren Fällen zum Burnout führen. Auch Angebote zu Stressmanagement und individueller Ressourcennutzung sind Bestandteil eines umfassenden und nachhaltigen Gesundheitsmanagements in Unternehmen und helfen bei der Prävention von Erschöpfungszuständen.

Geteilte Meinungen zu unbezahlter Quarantäne für Ungeimpfte

Mehrere Bundesländer lehnen die weitere Lohnfortzahlung für Beschäftigte, die nicht gegen COVID-19 geimpft sind und in Quarantäne müssen, ab. Dazu gehören unter anderem Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Während Gewerkschaften eine inoffizielle Impfpflicht und viele innerbetriebliche Konflikte befürchten, begrüßen Arbeitgeber diesen Schritt als Weg zu Fairness und besserem Gesundheitsschutz.

Normalerweise erhalten Arbeitnehmer*innen eine Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz, wenn sie aufgrund des Kontakts zu Corona-Erkrankten in behördlich angeordnete Quarantäne müssen. Da mittlerweile ausreichend Impfstoff zu Verfügung steht, wollen die Länder den Druck auf Ungeimpfte erhöhen und keine Lohnfortzahlung mehr leisten. Ausnahmen sollen für medizinische Ausschlussgründe gelten.

„Wir bieten allen Bürgerinnen und Bürgern ein kostenloses Impfangebot. Möchte man dieses Angebot nicht wahrnehmen, so ist das für jede Person ihr Recht. Aber dann muss man auch die Verantwortung für sein Tun beziehungsweise sein Unterlassen tragen“, erklärt Clemens Hoch, Gesundheitsminister von Rheinland-Pfalz, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland».

Die Gewerkschaften stehen dieser Entwicklung kritisch gegenüber. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke», es werde offenbar versucht, eine „Impfpflicht durch die Hintertür“ einzuführen. Stattdessen solle weiterhin verstärkt für Impfungen geworben werden, so wie die Gewerkschaften es seit Monaten täten – auch durch die Arbeitgeber.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände wiederum verweist auf die Anstrengungen der Arbeitgeber, ihre Beschäftigten auch in der Pandemie bestmöglich zu schützen. Dafür seien allerdings die entsprechenden Instrumente nötig, beispielsweise die Abfrage des Impfstatus der Mitarbeiter*innen. Dies ist nach einem Kompromiss der Bundesregierung bisher nur in einzelnen Branchen möglich, um sensible Gesundheitsdaten zu schützen. Der Status anderer Impfungen, zum Beispiel gegen Infektionskrankheiten wie Masern, darf allerdings bereits jetzt für Beschäftigte in Gemeinschafts- oder medizinischen Einrichtungen abgefragt werden. Für sensible Bereiche wie Altenpflege und Kinderbetreuung soll diese Regelung auch für die Impfung gegen COVID-19 gelten. BDA-Präsident Dr. Rainer Dulger fürchtet», dass diese „Mini-Ausweitung des Fragerechts beim Arbeitgeber“ dem Gesundheitsschutz der Mitarbeiter*innen Steine in den Weg lege. Das Fragerecht solle auf alle Branchen und Betriebe ausgeweitet werden. In Bezug auf die wegfallende Lohnfortzahlung im Quarantänefall sagte Dulger dem RND», Menschen, die sich trotz entsprechender Möglichkeit nicht impfen ließen, müssten auch die entsprechenden Konsequenzen tragen. Er könne sich allerdings staatliche Anreize» wie Geldprämien oder Fußballtickets vorstellen, um das Impftempo zu erhöhen.

Bessere Prävention: Bundesweite Rahmenvereinbarung von BG Bau und Innungskrankenkassen

Die Innungskrankenkassen BIG direkt gesund, IKK Brandenburg und Berlin, IKK classic, IKK gesund plus und IKK Südwest und die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) haben eine Rahmenvereinbarung zur Kooperation auf Bundesebene geschlossen. Damit werden die jeweiligen Angebote in den Bereichen Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung im Betrieb langfristig besser verzahnt. Durch die Abstimmung von bisher getrennt angebotenen Maßnahmen sollen insbesondere kleinere Betriebe im Bau- und Reinigungsgewerk profitieren. Zudem sollen gegenseitig anschlussfähige Angebote gemeinsam entwickelt werden. Damit werden auch Vorgaben des 2015 in Kraft getretenen Gesetzes zur Stärkung der Gesundheitsförderung und Prävention verstärkt umgesetzt.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung» des IKK e.V., der Interessenvertretung der Innungskassen auf Bundesebene, und der BG Bau betonen beide die Wichtigkeit ihres gemeinsamen Anliegens, Präventionsangebote gerade für Kleinbetriebe aus dem Handwerk zielgenau zu entwickeln und durchzuführen. Die Form der Zusammenarbeit in der Rahmenvereinbarung der Innungskassen mit der Berufsgenossenschaft ermögliche hier ein starkes Bündnis.

Foto: IKK e.v. | Fotograf: Boris Trenkel
Hansjörg Schmidt-Kraepelin, Hauptgeschäftsführer BG BAU (li.) und Kai Swoboda, stellv. Vorstandsvorsitzender IKK classic (re.).

AOK-Pflege-Report 2021: Belastung von Pflegekräften durch Corona weiter gestiegen

Kranken- und Altenpflege sind auch unter normalen Umständen herausfordernde Berufe: große Verantwortung, Schichtdienst und hoher Arbeitsdruck verstärken vorhandene Belastungen, sodass krankheitsbedingte Fehlzeiten häufig sind. Der neue Pflege-Report der AOK» zeigt nun, wie diese während der COVID-19-Pandemie zugenommen haben.

Corona führte einerseits zu erhöhtem Pflegeaufwand für schwer gefährdete oder bereits erkrankte Personen, andererseits zu einem hohen Risiko, sich selbst zu infizieren. Krankheits- oder risikobedingte Ausfälle bedeuteten zusätzlich eine weiter erhöhte Arbeitsverdichtung und –belastung. Die sogenannte erste Welle der Pandemie ist daher auch an den Arbeitsunfähigkeitstagen abzulesen: im März 2020 lagen diese für Pflegekräfte durchschnittlich 4,7 Tage höher, im April immer noch etwa 2,1 Tage.

Die AOK nennt neben Berufen in der Kinderbetreuung und –erziehung, die trotz Lockdown-Maßnahmen weiterhin Kontakt zu vielen Menschen hatten, die verschiedenen Bereiche der Pflege als am meisten Betroffene von COVID-19-Diagnosen: für die Altenpflege vermerkt der Report 2.083 Erkrankte pro 100.000 Versicherte, für die Gesundheits- und Krankenpflege 2.016 und für die Fachkrankenpflege 1.905. Der Durchschnitt aller Berufe liegt bei 1.183 Erkrankten pro 100.000 Mitgliedern.

Auch die psychische Belastung der Pflegekräfte ist während der Pandemie weiter angestiegen, allerdings nicht so stark wie in den Vorjahren. Dennoch liegt sie weiterhin weit über dem Durchschnitt, wie sich anhand der Arbeitsunfähigkeitstage zeigt. Durchschnittlich fehlen Pflegekräfte 5,8 Tage pro Jahr aufgrund von psychischen Erkrankungen, für andere Berufe sind es nur 3,0 Tage.

In Bezug auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement in den Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern zeigt sich laut Pflege-Report ein deutlicher Unterschied zwischen größeren und kleineren Häusern: während erstere die entsprechenden Strukturen und Ressourcen vorhalten können und entsprechend aufbauen und weiterentwickeln, habe für kleinere Unternehmen das Tagesgeschäft oft Vorrang. Gerade während der Pandemie seien aber insgesamt viele Angebote zurückgestellt worden, wobei die Beschäftigten besonders BGF-Angebote zur Stressbewältigung oder Resilienz sowie psychosoziale Unterstützung nachfragen. Auch Führungskräfte wünschen sich laut Report mehr Unterstützung, unter anderem zu gesunder Führung, Kommunikation sowie Maßnahmen zur Förderung der Teamarbeit. Die Studie leitet daraus verschiedene Handlungsempfehlungen ab, darunter die vermehrte Form hybrider Formen der psychosozialen Entlastung, die bessere Unterstützung und Vorbereitung von Führungskräften sowie die Beteiligung von Pflegekräften an der Entwicklung digitaler oder hybrider Angebote, um diese passgenau aufzubauen. Angesichts des bereits jetzt bestehenden Fachkräftemangels im Gesundheitsbereich ist es umso wichtiger, Beschäftigte langfristig gesund, motiviert und leistungsfähig zu halten – das Betriebliche Gesundheitsmanagement spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die Branchenverteilung beim Corporate Health Award 2021

Nach dem Ende der Bewerbungsfrist für den diesjährigen Corporate Health Award und dem Start in die Auditierungen ergibt sich ein interessanter Überblick über die Beteiligung der verschiedenen Branchen. So sind Produktion und Verarbeitende Industrie mit 13 % Anteil an den Bewerbungen Spitzenreiter – diese Bereiche blicken bereits aufgrund hoher Arbeitsschutz-Standards auf gefestigte und erfolgreiche Corporate Health-Programme zurück, die stetig angepasst werden und der Branche offenbar viel Selbstbewusstsein geben. Auch die Öffentliche Verwaltung ist mit 12,4 % stark vertreten; hier zeigt sich die Gefahr des Fachkräftemangels in den nächsten Jahren besonders, sodass die Institutionen bereits seit längerem auf verschiedene Maßnahmen setzen, um ihre Beschäftigten zu halten und neue Bewerber*innen zu überzeugen.

Eine geringere Beteiligung ist in Branchen wie Automotive – die 2021 zum ersten Mal als eigene Branche ausgezeichnet werden – Konsumgüter oder Elektrotechnik zu sehen. Gemeinsam haben diese Bereiche mehr oder weniger starke Einschränkungen durch die Engpässe globaler Lieferketten während der Corona-Pandemie, sodass die Unternehmen mutmaßlich seltener auf externe Zertifizierungen wie den Corporate Health Award zurückgreifen.

Besonders erfreulich ist der mit 9,2% weiterhin hohe Anteil des Gesundheits- und Sozialwesens, dessen außergewöhnliche Belastung der letzten eineinhalb Jahre dennoch nicht zu einem Einbruch bei den Bewerbungen geführt hat – die Unternehmen, die sich für ihre Beschäftigten einsetzen, wollen dies gerade jetzt auch zeigen und als wichtige Vorbilder fungieren.

Die Auditierungen zeigen nun einmal mehr die unterschiedlichen Ansätze in Fürsorglichkeit, Kreativität und Förderung, mit denen Arbeitgeber ihre Mitarbeiter*innen unterstützen. Am Jahresende werden die Besten dieser Arbeitgeber mit dem Corporate Health Award ausgezeichnet – es bleibt spannend!

Holpriger Start: Viele Ausbildungsplätze bleiben unbesetzt

Am ersten August sind viele Auszubildende in ihre Lehre gestartet. Trotz entsprechender Bemühungen von Betrieben, Politik und Handelskammern bleiben jedoch viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Bereits 2020 fiel die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung, in diesem Jahr gibt es laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag» nur ein leichtes Plus von 1,4 Prozent.

Umfragen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)» zeigen, dass jeder zehnte Ausbildungsbetrieb sein Lehrstellenangebot aus finanziellen Gründen sowie aufgrund unsicherer Geschäftserwartungen einschränken oder sogar ganz beenden will. Zusätzlich nennt etwa ein Drittel der Unternehmen auch Rekrutierungsprobleme als Ausbildungshindernis, was das IAB einerseits auf die weiterhin zunehmende Studierneigung von Jugendlichen als auch mangelnde Praktikumsmöglichkeiten und Beratungsangebote aufgrund der Corona-Pandemie zurückführt. Die IG Metall» hingegen wirft Arbeitgebern vor, trotz Rekordgewinnen an der Ausbildung zu sparen und damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht nachzukommen.

Die Jugendberufsagentur Berlin erwartet in ihrem neuesten Bericht» zudem den Fachkräftemangel zurück, der einige Branchen bereits vor der Pandemie betroffen hat, darunter Gastronomie und Hotellerie. Herausfordernde Arbeitszeiten, verhältnismäßig niedrige Löhne und hohe Ansprüche an die eigene Belastbarkeit haben sowohl in diesen als auch in anderen Branchen zu einem Ausbleiben von Auszubildenden geführt. Neben der offensiven Ansprache und Beratung von Schulabgänger*innen ist also auch die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen in vielen Bereichen nötig, um für den Nachwuchs attraktiv zu bleiben und dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken.

Das Handwerk ist gesund

Eine aktuelle Studie der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigen, dass Handwerker*innen auch abseits vom Beruf aktiv und gesund leben. Der Ausgleich und gute Ressourcen im Arbeitsleben ermöglichen eine hohe Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden.

Seltenes Sitzen, gesundes Essen und viel Bewegung: Handwerker*innen sind auch abseits der Arbeit aktiv unterwegs und leben gesund. Das zeigt die aktuelle Studie» der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule Köln. Insgesamt 2.000 Personen deutschlandweit wurden dabei auf ihre psychische und körperliche Gesundheit untersucht. Die Ergebnisse» haben auch Studienleiter Professor Ingo Froböse überrascht: „Unbestritten ist das Handwerk einer der körperlich anspruchsvollsten Berufszweige – umso mehr hat es mich begeistert, dass dies nicht zu weniger Sport und körperlicher Aktivität in der Freizeit führt. Ganz im Gegenteil: Handwerkerinnen und Handwerker bewegen sich viel. Und sie nutzen Sport und Bewegung als Ausgleich zu ihrem bereits körperlich anstrengenden Alltag.“

So geben über 40% der Befragten an, sich zum Stressabbau sportlich zu betätigen oder an die frische Luft zu gehen, auch Familienzeit oder Hobbies wie Gartenarbeit stehen mit 25 bzw. 23% hoch im Kurs. Passive Erholungsarten wie Fernsehen, Lesen oder Computerspiele sind dagegen nicht so beliebt. Zusätzlich ziehen Handwerkerinnen und Handwerker Kraft aus einer hohen Arbeitszufriedenheit: 92% empfinden ihren Beruf als sinnhaft, 85% sind stolz auf ihren Beruf. Auch die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit sowie die starke Wertschätzung, die ihnen von Kund*innen entgegengebracht wird, tragen stark dazu bei. Insgesamt sind Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden deutlich höher als im Durchschnitt der deutschen Gesamtbevölkerung, auch mitten in der Corona-Pandemie.

Zusätzlich stellt die Studie ein hohes Gesundheitsbewusstsein der Befragten fest, dem allerdings selten entsprechende Angebote der Betriebe gegenüberstehen: 73% gaben an, dass keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung durchgeführt werden. IKK-Vorstand Kai Swoboda findet die Ergebnisse der Umfrage ermutigend: „Dieses Ergebnis motiviert uns, das Handwerk noch stärker für die Betriebliche Gesundheitsförderung zu sensibilisieren und zu zeigen, wie erfolgreich diese Maßnahmen sein können.“

Gastronomieöffnung – ohne Personal?

Bereits vor der Pandemie war die Personalfluktuation in der Gastronomie hoch: eher niedrige Löhne sowie Arbeit unter Zeitdruck und zu schwierigen Zeiten boten oft keine langfristige Perspektive für Beschäftigte. Während der verschiedenen Lockdowns haben sich viele Arbeitnehmer*innen der Branche daher umorientiert oder wurden sogar gezielt abgeworben, beispielsweise vom Einzelhandel. Angesichts der niedrigen Inzidenzen dürfen Restaurants, Bars und Kneipen nun wieder öffnen – oder würden gern, können aber mangels Personal nicht. So berichtet der NDR», dass zum Start der Hauptsaison den Betrieben an der Nordsee zwischen 30 und 50 Prozent Mitarbeiter*innen fehlen, letzteres insbesondere auf den Ostfriesischen Inseln. Teilweise werden trotz entsprechender touristischer Nachfrage Ruhetage eingeführt.

Dabei wird intensiv nach Fachkräften gesucht: so verzeichnet die Stellenbörse Indeed» ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vormonat in Bezug auf Stellenangebote in der Gastronomie, im Bereich Hotel und Tourismus sind es 23 Prozent. Fast 30 Prozent der Betriebe, die noch nicht öffnen können, nennen einer Blitzumfrage des Branchenverbandes DEHOGA zufolge» fehlende Mitarbeiter*innen als Grund. Tatsächlich mussten allerdings nur 26,3 Prozent der Unternehmen überhaupt Kündigungen aussprechen, der Großteil konnte mithilfe des Kurzarbeitergeldes ihr Personal halten.

Wie geht es nun weiter für die Gastronomie? DEHOGA-Präsident Guido Zöllick fordert eine dauerhafte Öffnungsgarantie, um Unternehmen und Beschäftigten eine Perspektive zu bieten. Grundsätzlich hilft nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, deren Grundpfeiler bereits seit langem klar sind: Lohnerhöhungen sowie Planbarkeit. Zu letzterem kann insbesondere die sich stetig weiterentwickelnde Digitalisierung beitragen, beispielsweise durch den Einsatz entsprechender Tools in der Personalplanung. Da ein häufiger Grund für Jobwechsel auch in der Reibung zwischen einem eher rauhen Umgangston, beispielsweise in der Küche, und dem anspruchsvollen Service mit Kundenkontakt liegt, ist auch die gezielte Entwicklung der Unternehmenskultur unabdingbar, um Beschäftigte langfristig nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Beruf zu halten sowie neu zu gewinnen.

Ende der Home Office-Pflicht

Zum heutigen 01. Juli endet die Pflicht für Unternehmen, nach Möglichkeit Home Office anzubieten, wie es in der sog. Bundesnotbremse festgelegt wurde. Bis zum 10. September gilt nun die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung». Darin ist beispielsweise geregelt, dass weiterhin betriebliche Hygienepläne und Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen werden müssen; bei fehlenden Abstandsmöglichkeiten oder Trennwänden müssen so beispielsweise medizinische Masken zur Verfügung gestellt werden. Die Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeiter*innen mindestens zwei Corona-Schnelltests pro Woche anzubieten, bleibt allerdings bestehen, sofern nicht andere Schutzmaßnahmen die Infektionsgefahr minimieren, zum Beispiel die vollständige Impfung aller Anwesenden. Kontakte sollen weiterhin reduziert werden, die gleichzeitige Nutzung von Räumen also auf das betriebsnotwendige Minimum reduziert bleiben.

Die neue Verordnung soll die betrieblichen Maßnahmen an die zur Zeit niedrigen Infektionszahlen anpassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bleibt vorsichtig»: „Eine vierte Welle muss unbedingt vermieden werden, zumal sich die besonders ansteckende Delta-Variante rasch ausbreitet. Die jetzt vorgenommenen Anpassungen der Corona-Arbeitsschutzverordnungen ermöglichen es, die betrieblichen Infektionsschutzmaßnahmen an die erfreulich gesunkenen Infektionszahlen anzupassen. Auch die zunehmende Impfquote der Beschäftigten kann künftig berücksichtigt werden. Damit schaffen wir bundesweit Sicherheit, Verlässlichkeit und Planbarkeit für Beschäftigte und Arbeitgeber.“

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» hatte zuletzt ergeben, dass eine Mehrheit der Arbeitnehmer*innen auch nach dem Auslaufen der Bundesnotbremse gerne im Home Office arbeiten möchte. Jedes dritte Unternehmen hatte jedoch auch während der Angebotspflicht auf Präsenzarbeit bestanden.