Das Handwerk ist gesund

Eine aktuelle Studie der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule in Köln zeigen, dass Handwerker*innen auch abseits vom Beruf aktiv und gesund leben. Der Ausgleich und gute Ressourcen im Arbeitsleben ermöglichen eine hohe Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden.

Seltenes Sitzen, gesundes Essen und viel Bewegung: Handwerker*innen sind auch abseits der Arbeit aktiv unterwegs und leben gesund. Das zeigt die aktuelle Studie» der IKK classic und der Deutschen Sporthochschule Köln. Insgesamt 2.000 Personen deutschlandweit wurden dabei auf ihre psychische und körperliche Gesundheit untersucht. Die Ergebnisse» haben auch Studienleiter Professor Ingo Froböse überrascht: „Unbestritten ist das Handwerk einer der körperlich anspruchsvollsten Berufszweige – umso mehr hat es mich begeistert, dass dies nicht zu weniger Sport und körperlicher Aktivität in der Freizeit führt. Ganz im Gegenteil: Handwerkerinnen und Handwerker bewegen sich viel. Und sie nutzen Sport und Bewegung als Ausgleich zu ihrem bereits körperlich anstrengenden Alltag.“

So geben über 40% der Befragten an, sich zum Stressabbau sportlich zu betätigen oder an die frische Luft zu gehen, auch Familienzeit oder Hobbies wie Gartenarbeit stehen mit 25 bzw. 23% hoch im Kurs. Passive Erholungsarten wie Fernsehen, Lesen oder Computerspiele sind dagegen nicht so beliebt. Zusätzlich ziehen Handwerkerinnen und Handwerker Kraft aus einer hohen Arbeitszufriedenheit: 92% empfinden ihren Beruf als sinnhaft, 85% sind stolz auf ihren Beruf. Auch die klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit sowie die starke Wertschätzung, die ihnen von Kund*innen entgegengebracht wird, tragen stark dazu bei. Insgesamt sind Lebenszufriedenheit und Wohlbefinden deutlich höher als im Durchschnitt der deutschen Gesamtbevölkerung, auch mitten in der Corona-Pandemie.

Zusätzlich stellt die Studie ein hohes Gesundheitsbewusstsein der Befragten fest, dem allerdings selten entsprechende Angebote der Betriebe gegenüberstehen: 73% gaben an, dass keine Maßnahmen zur Gesundheitsförderung durchgeführt werden. IKK-Vorstand Kai Swoboda findet die Ergebnisse der Umfrage ermutigend: „Dieses Ergebnis motiviert uns, das Handwerk noch stärker für die Betriebliche Gesundheitsförderung zu sensibilisieren und zu zeigen, wie erfolgreich diese Maßnahmen sein können.“

Gastronomieöffnung – ohne Personal?

Bereits vor der Pandemie war die Personalfluktuation in der Gastronomie hoch: eher niedrige Löhne sowie Arbeit unter Zeitdruck und zu schwierigen Zeiten boten oft keine langfristige Perspektive für Beschäftigte. Während der verschiedenen Lockdowns haben sich viele Arbeitnehmer*innen der Branche daher umorientiert oder wurden sogar gezielt abgeworben, beispielsweise vom Einzelhandel. Angesichts der niedrigen Inzidenzen dürfen Restaurants, Bars und Kneipen nun wieder öffnen – oder würden gern, können aber mangels Personal nicht. So berichtet der NDR», dass zum Start der Hauptsaison den Betrieben an der Nordsee zwischen 30 und 50 Prozent Mitarbeiter*innen fehlen, letzteres insbesondere auf den Ostfriesischen Inseln. Teilweise werden trotz entsprechender touristischer Nachfrage Ruhetage eingeführt.

Dabei wird intensiv nach Fachkräften gesucht: so verzeichnet die Stellenbörse Indeed» ein Plus von 21 Prozent im Vergleich zum Vormonat in Bezug auf Stellenangebote in der Gastronomie, im Bereich Hotel und Tourismus sind es 23 Prozent. Fast 30 Prozent der Betriebe, die noch nicht öffnen können, nennen einer Blitzumfrage des Branchenverbandes DEHOGA zufolge» fehlende Mitarbeiter*innen als Grund. Tatsächlich mussten allerdings nur 26,3 Prozent der Unternehmen überhaupt Kündigungen aussprechen, der Großteil konnte mithilfe des Kurzarbeitergeldes ihr Personal halten.

Wie geht es nun weiter für die Gastronomie? DEHOGA-Präsident Guido Zöllick fordert eine dauerhafte Öffnungsgarantie, um Unternehmen und Beschäftigten eine Perspektive zu bieten. Grundsätzlich hilft nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen, deren Grundpfeiler bereits seit langem klar sind: Lohnerhöhungen sowie Planbarkeit. Zu letzterem kann insbesondere die sich stetig weiterentwickelnde Digitalisierung beitragen, beispielsweise durch den Einsatz entsprechender Tools in der Personalplanung. Da ein häufiger Grund für Jobwechsel auch in der Reibung zwischen einem eher rauhen Umgangston, beispielsweise in der Küche, und dem anspruchsvollen Service mit Kundenkontakt liegt, ist auch die gezielte Entwicklung der Unternehmenskultur unabdingbar, um Beschäftigte langfristig nicht nur im Unternehmen, sondern auch im Beruf zu halten sowie neu zu gewinnen.

Ende der Home Office-Pflicht

Zum heutigen 01. Juli endet die Pflicht für Unternehmen, nach Möglichkeit Home Office anzubieten, wie es in der sog. Bundesnotbremse festgelegt wurde. Bis zum 10. September gilt nun die neue Corona-Arbeitsschutzverordnung». Darin ist beispielsweise geregelt, dass weiterhin betriebliche Hygienepläne und Maßnahmen zum Infektionsschutz ergriffen werden müssen; bei fehlenden Abstandsmöglichkeiten oder Trennwänden müssen so beispielsweise medizinische Masken zur Verfügung gestellt werden. Die Pflicht für Unternehmen, ihren Mitarbeiter*innen mindestens zwei Corona-Schnelltests pro Woche anzubieten, bleibt allerdings bestehen, sofern nicht andere Schutzmaßnahmen die Infektionsgefahr minimieren, zum Beispiel die vollständige Impfung aller Anwesenden. Kontakte sollen weiterhin reduziert werden, die gleichzeitige Nutzung von Räumen also auf das betriebsnotwendige Minimum reduziert bleiben.

Die neue Verordnung soll die betrieblichen Maßnahmen an die zur Zeit niedrigen Infektionszahlen anpassen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bleibt vorsichtig»: „Eine vierte Welle muss unbedingt vermieden werden, zumal sich die besonders ansteckende Delta-Variante rasch ausbreitet. Die jetzt vorgenommenen Anpassungen der Corona-Arbeitsschutzverordnungen ermöglichen es, die betrieblichen Infektionsschutzmaßnahmen an die erfreulich gesunkenen Infektionszahlen anzupassen. Auch die zunehmende Impfquote der Beschäftigten kann künftig berücksichtigt werden. Damit schaffen wir bundesweit Sicherheit, Verlässlichkeit und Planbarkeit für Beschäftigte und Arbeitgeber.“

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» hatte zuletzt ergeben, dass eine Mehrheit der Arbeitnehmer*innen auch nach dem Auslaufen der Bundesnotbremse gerne im Home Office arbeiten möchte. Jedes dritte Unternehmen hatte jedoch auch während der Angebotspflicht auf Präsenzarbeit bestanden.

Corona als Berufskrankheit in der Pflege

Von den bisher 160.000 Anzeigen zu COVID-19 als Berufskrankheit stammt ein Großteil aus der Pflegebranche: Fast 38.000 Fälle aus der Langzeitpflege sowie der Hospizversorgung sowie knapp 35.000 von Klinikbeschäftigten. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe DBfK fordert mehr Unterstützung». So weist Präsidentin Christel Bienstein auf die zu Beginn der Pandemie mangelnde Ausstattung mit Schutzausrüstung sowie eine fehlende Pandemie-Strategie hin. Auch zuverlässige Daten zur beruflichen Ansteckung – „Arbeitsort, Arbeitsbelastung und Qualifikation“ – seien nicht ausreichend erhoben worden, um daraus Sicherheitsstrategien für die Zukunft abzuleiten.

Als konkrete Hilfen fordert der Verband Politik und Arbeitgeber auf, allen beruflich Pflegenden psychosoziale Unterstützung anzubieten. Diese müsse niedrigschwellig und während der Arbeitszeit erreichbar sein. Auch weitere Therapiemöglichkeiten seien dringend notwendig, um Pflegende auch nach dieser stark belastenden Zeit langfristig im Beruf zu halten. Die Genesenen müssten auch bei möglichen Spätfolgen der Infektion möglichst gut unterstützt werden.

Trendstudie „Corporate Health Management in Deutschland“ 2021

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitswelt sind in den letzten Monaten immer deutlicher geworden. Auch in der jährlichen Trendstudie zu Corporate Health Management in Deutschland von EUPD Research zeigt sich der Einfluss des Pandemiejahres 2020 auf das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Allerdings auch in durchaus positiver Weise: So lässt sich erfreulicherweise auch in einem für viele Betriebe wirtschaftlich schwierigen Jahr ein branchenübergreifender Anstieg der Umsetzungsraten in allen in der Studie abgefragten Teilbereichen (Struktur, Strategie und Leistungsangebot) feststellen.

Zudem wird beispielsweise durch den Anstieg der Relevanzen in den Bereichen Arbeitssicherheit und -medizin die allgemeine Verlagerung der Prioritäten in den Betrieben deutlich. So wurden im Zuge der Mehrbelastungen vieler Arbeitnehmer*innen durch Home Office, Homeschooling oder Kurzarbeit die Angebote im Bereich der psychischen Gesundheit nochmals stärker ausgebaut. Auch die Durchführung einer psychischen Gefährdungsanalyse konnte eine branchenübergreifende Zunahme verzeichnen.

Seit 2013 sind die Umsetzungsgrade im Bereich Psychische Gesundheit um über 25% gestiegen. Auch die Relevanz befindet sich auf einem hohen Niveau. Zu den häufigsten Maßnahmen zählen hier Seminare oder Beratungen zu Stressmanagement und Programme zum Thema Konfliktprävention.
Bei der Qualitätssicherung der Arbeitsmedizin zeigt sich eine deutliche Diskrepanz zwischen der erfragten Relevanz und der tatsächlichen Umsetzung. Im Pandemiejahr zeigt sich für ersters ein deutlicher Anstieg, was den dringenden Handlungsbedarf aufzeigt.

Um den Herausforderungen der Arbeit auch in den eigenen vier Wänden möglichst nachhaltig gesund entgegentreten zu können, wurden die Mitarbeiter*innen zudem nochmals stärker für Gesundheitsthemen sensibilisiert. Trotz der Kontaktbeschränkungen gelang es außerdem einer großen Anzahl an Unternehmen, ihre Beratungsangebote leicht auszubauen und ihren Beschäftigten auch während der Pandemie den Zugang zu Ansprechpartner*innen für ihre Probleme zu ermöglichen.

Maßnahmen zur Sensibilisierung von Mitarbeiter*innen befinden sich bereits seit 2014 auf einem hohen Level. Die durchschnittliche Relevanz schwankt auf hohem Niveau. Am häufigsten wird die teilweise oder komplette Kostenübernahme für Gesundheitsleistungen zur Sensibilisierung genutzt. Weiterhin ausbaufähig sind Maßnahmen zum "Lebenslangen Lernen".

Die Trendstudie zeigt deutlich, dass auch in schwierigen Zeiten das Corporate Health Management eine zentrale Rolle in deutschen Unternehmen spielt und nicht ohne weiteres wirtschaftlichen Zwängen geopfert wird. Nicht zuletzt durch die flächendeckenden Impfungen durch Betriebsärzt*innen sowie der nachhaltigen Wiedereingliederung der Mitarbeiter*innen aus schwierigen Situationen während der Pandemie lässt sich in 2021 mit einer weiteren starken Zunahme der Bedeutung und Umsetzung von betrieblicher Gesundheit rechnen.

„Mittelstand im Mittelpunkt“: Studie zeigt aktuelle Herausforderungen

Eine repräsentative Umfrage» der DZ Bank und des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken hat die aktuellen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand erhoben. Zwar ist die Pandemie natürlich noch nicht vorbei, die Unternehmen schauen jedoch überwiegend positiv in die Zukunft: so ist die Investitionsneigung mit 77% mittlerweile höher als das Vorkrisenniveau, nachdem sie zwischenzeitlich auf ein Zehn-Jahres-Tief gefallen war.

Außerdem planen 27% der befragten Mittelständler im nächsten halben Jahr Einstellungen. Vorreiter sind die Elektroindustrie mit 44% und die Kunststoffindustrie mit 33%. Der gesamte Mittelstand hatte im letzten Jahr überwiegend Personal abgebaut, 9% der Betriebe planen das auch weiterhin; vor allem die Agrarbranche setzt weiterhin auf Stellenabbau. Dennoch ist hier eine deutlich optimistischere Zukunftsstimmung zu sehen.

Diese zieht allerdings weitere Herausforderungen nach sich, namentlich den Fachkräftemangel: 73% der mittelständischen Unternehmen sorgen sich um die Einstellungsmöglichkeiten qualifizierter Mitarbeiter*innen, insbesondere Baubranche, Chemie-, Kunststoff- und Elektroindustrie. Weitere Problemfelder sind die Bürokratie, deren Anstieg laut Studienautor*innen vor allem auf die aufwändige Beantragung der staatlichen Corona-Hilfen zurückgehen dürfte, sowie steigende Rohstoff-, Material- und Energiekosten. Verantwortlich dafür sind globale Verknüpfungen: steigende Preise, höhere Transportkosten und Engpässe bei Vorprodukten.

Auch der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert einen stärkeren Bürokratieabbau», zuletzt angesichts der Vorstellung der Konjunkturprognose durch das ifo-Institut.

©DZ Bank und BVR

Corona-Impfung im Betrieb: Gute Vorbereitung, wenige Impfdosen

Nachdem am 07. Juni die Betriebsärzt*innen in die Corona-Impfungen starten konnten, ergibt sich ein gemischtes Bild. Laut Tagesschau» haben viele Unternehmen eine großartige Infrastruktur aufgebaut, beispielsweise die Deutsche Telekom, die bundesweit 18 eigene Impfstraßen eingerichtet hat und damit etwa 10.000 Impfungen pro Woche durchführen könnte. Insgesamt haben 6.300 Betriebsärzt*innen Impfstoff bestellt, nach deren Anzahl pro Unternehmen sich auch die Verteilung der Dosen richtet. Allerdings berichtete bereits das Handelsblatt» über die geringen Lieferungen: so erhielt die Allianz statt der bestellten 12.500 Dosen nur 3.200, Bayer 3.000 anstatt der bestellten 20.000. BMW konnte in der ersten Woche immerhin etwa 5.000 Mitarbeiter*innen impfen. In der zweiten Woche kam noch weniger Impfstoff bei den Unternehmen an.

Die weiterhin starke Verknappung setzt das auch außerhalb der Betriebsimpfungen bestehende Verteilungsproblem nun fort und stellt die Unternehmen vor die Herausforderung, unter den impfwilligen Mitarbeiter*innen auswählen zu müssen. Der Präsident des Verbands Deutscher Betriebs- und Werksärzte, Wolfgang Panter, plädiert daher für die Orientierung anhand des individuellen Risikos, beispielsweise durch notwendige Reisen im Außendienst oder vielen Kontakten. Unternehmen wie die Deutsche Post oder RWE haben allerdings keine Priorisierung mehr vorgesehen. Der Immobilienkonzern Vonovia wiederum setzt auf einen Zufallsgenerator für die Impfangebote, der allerdings Mitarbeiter*innen mit direktem Kontakt hervorhebt.

Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) führt im Rahmen des Projekts „Gesund arbeiten in Thüringen“ gemeinsam mit der BARMER derzeit Impfaktionstage an drei Standorten durch, an denen kleine und mittlere Betriebe ihre Mitarbeiter*innen impfen lassen können, die nicht über eigene Betriebsärzt*innen verfügen. Insgesamt haben sich 30 Unternehmen und über 600 Beschäftige für die Aktion angemeldet. „Die deutsche Wirtschaft ist stark durch den Mittelstand mit vielen kleinen Betrieben und mittelgroßen Unternehmen geprägt. Umso wichtiger ist es, gerade die Beschäftigten dort in die Impfkampagne einzubeziehen und im größten Präventionssetting unserer Gesellschaft, der Arbeitswelt, durch niederschwellige Angebote einen großen Teil der Bevölkerung zu erreichen,“ kommentiert DGAUM-Hauptgeschäftsführer Dr. Thomas Nesseler».

Das hohe Interesse an der Impfung durch die Betriebsärzt*innen, ob im eigenen Unternehmen oder im Rahmen von Netzwerken wie in Thüringen, zeigt die hohe Relevanz von Gesundheitsbewusstsein und –kommunikation im betrieblichen Rahmen. Trotz aller Schwierigkeiten mit der ausreichenden Versorgung mit Impfstoffdosen oder beunruhigenden Einzelfällen von unseriöser Geschäftemacherei» sind das Vertrauen in die medizinische Versorgung vor Ort sowie die Praktikabilität des Angebots wichtige Faktoren in der Herausforderung, möglichst viele Menschen mit Gesundheitsangeboten zu erreichen.

Bitkom-Studie: Wunsch nach Home Office bleibt

Eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom» zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen sich eine Pflicht zum Home Office für geeignete Tätigkeiten bis zum vollständigen Ende der Pandemie wünscht. 51 Prozent wollen auch darüber hinaus ganz oder teilweise von zuhause aus arbeiten. Die verschärften Regelungen dazu, die im Januar im Zuge des Corona-Lockdowns beschlossen wurden, haben demnach nicht nur zu einer höheren Zahl an Home Office-Arbeitenden geführt – während es Ende 2020 noch 45 Prozent waren, waren es Ende Mai schon 58 Prozent – sondern auch die Akzeptanz bei den Beschäftigten verstärkt.

Die Untersuchung zeigt jedoch auch, dass die Unternehmen sich noch stärker in die Weiterentwicklung flexibler Arbeitsweisen einbringen können. So wird die technische Ausstattung des Home Office von 45 Prozent der Arbeitgeber nicht zur Verfügung gestellt, was zu Beginn der Pandemie für einen reibungslosen Ablauf der Umstellung die unkomplizierteste Lösung war, darüber hinaus aber eine finanzielle und organisatorische Mehrbelastung für Beschäftigte darstellt. Zudem besteht jedes dritte Unternehmen nachdrücklich auf Präsenzarbeit, trotz entsprechender Anordnung und technischer Möglichkeit.

Mit entsprechender organisationaler Einbindung in die Unternehmensabläufe, Unterstützung bei der Einrichtung und bei der Abgrenzung von Arbeit und Freizeit können Home Office und andere Formen von remote work auch über den konkreten Schutz in der Pandemie hinaus zu flexibleren Arbeitsformen und einer besseren Work-Life-Balance beitragen. Nicht nur Arbeitgeber und Beschäftigte müssen dafür vertrauensvoll zusammenarbeiten, auch steuerliche Anreize, wie von Bitkom-Präsident Achim Berg vorgeschlagen, können zu weiterer Akzeptanz und besseren Bedingungen beitragen.

Überstunden und Gesundheitsrisiko

Eine aktuelle Auskunft der Bundesregierung» zeigt die hohe Zahl an Überstunden, die Beschäftigte im letzten Jahr trotz der pandemiebedingten Einschränkungen für Unternehmen erbracht haben: nach Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kamen in 2020 1,67 Milliarden Überstunden zusammen, über die Hälfte davon – 892 Millionen – unbezahlt. Im Jahr 2019 waren es 1,86 Milliarden Überstunden.

Dabei zeigt eine weltweite Untersuchung der World Health Organization (WHO) und der International Labour Organization (ILO)», dass verschiedene Gesundheitsrisiken bei langen Arbeitszeiten merklich steigen. Im Vergleich zu Menschen mit 35-40 Wochenstunden erhöht eine Wochenarbeitszeit von 55 und mehr Stunden pro Woche das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, um 35 bzw. 17 Prozent. Insgesamt ist die gesamte Arbeitszeit seit dem Jahr 2000 um 29% angestiegen. Zwar gelten in Europa Arbeitsschutzgesetze, die zumindest in nichtselbstständiger Beschäftigung solche Arbeitszeiten gemeinhin ausschließen. Die Studie bezieht jedoch die sogenannte Care-Arbeit, also beispielsweise Hausarbeit, Kinderbetreuung oder die Pflege Angehöriger, nicht mit ein, die dennoch zur Belastung beiträgt.

Betrachtet man beide Untersuchungen, wird klar, dass Work-Life-Balance nicht nur ein Modewort sein kann, sondern – wie es in vielen Unternehmen bereits gelebt wird – Grundlage für eine nachhaltig gesunde Arbeitsweise ist. Nur motivierte Beschäftigte mit angemessenem Workload können langfristig den erforderlichen Einsatz für das Unternehmen bringen, ohne Burn-out oder innere Kündigung. Gerade im Home Office ist es daher wichtig, die Mitarbeiter*innen bei klaren Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu unterstützen, Rücksicht auf die individuelle Situation zu nehmen und Angebote zur Gesundheitsförderung, die unbedingt weitergeführt werden sollten, entsprechend anzupassen. Führungskräfte sollten sich regelmäßig fortbilden und überprüfen, ob Strukturen, Strategie, Arbeitsaufteilung und natürlich auch die Teamgröße den anfallenden Aufgaben noch gewachsen sind oder einer Weiterentwicklung bedürfen. Auch Maßnahmen zum Talentmanagement sowie die für viele Unternehmen gesetzlich vorgeschriebene Psychische Gefährdungsanalyse können helfen, übermäßige Belastungen zu identifizieren, abzufangen und Teams besser und resilienter aufzustellen.

Gesundheitskompetenz und Corona

Das Leben in einer modernen Informations- und Wissensgesellschaft erfordert die tägliche Filterung von relevanten Fakten aus einer riesigen Flut an Wissen und Informationsquellen. Nicht erst seit Beginn der Corona-Pandemie spielen die Informationen zu Gesundheitsthemen, wie beispielsweise gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, Krankheitssymptome oder Behandlungsmöglichkeiten und Therapien eine zunehmend größere Rolle. Das Interdisziplinäre Zentrum für Gesundheitskompetenzforschung (IZGK) und die Universität Bielefeld haben in diesem Zusammenhang eine repräsentative Bevölkerungserhebung zur Gesundheitskompetenz in Deutschland und eine Zusatzbefragung zur Gesundheitskompetenz vor und während der Corona-Pandemie durchgeführt.

Im Vergleich zu der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2014 konnte in der HLS-GER 2 und auch der Zusatzstudie HLS-GER 2 eine gesamtdeutsche Verschlechterung der Gesundheitskompetenz festgestellt werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung (58,8%) besitzt demnach eine geringe Gesundheitskompetenz. Allerdings konnte dieser Wert im Laufe der Corona-Pandemie leicht nach unten korrigiert werden.
Die Studie zeigt außerdem eine soziale Ungleichverteilung der Gesundheitskompetenz und bekräftigte die Bedeutung vulnerabler Gruppen. Besonders deutlich werden die Unterschiede im Bereich der navigationalen Gesundheitskompetenz, also dem Umgang mit der Organisation des Gesundheitssystems, der Verständlichkeit von Reformen, sowie Patientenrechten und Qualitätsfragen. Aufgrund dieser Ergebnisse steigt die Bedeutung von differenzierten und zielgruppengerechten Interventionskonzepten.

Im Zuge der Informationsverarbeitung stellt die Beurteilung von Informationen die Menschen vor die größte Herausforderung. Die zunehmende Anzahl an Gesundheitsinformationen, aber auch an Fehl- und Falschinformationen, bedeutet daher eine zunehmende Schwierigkeit. Im Laufe der Corona-Pandemie verbesserte sich die Einschätzung der Befragten in diesem Bereich am meisten, befindet sich jedoch immer noch auf einem kritischen Niveau. Neben der Beurteilung wird auch das Auffinden von Informationen zur Gesundheitsförderung, aber auch beispielsweise zu notwendigen Auffrischungen von Impfungen oder die Verständlichkeit von Beipackzetteln als schwierig eingeschätzt.

Einen großen Entwicklungsrückstand zeigte die Studie im Bereich der digitalen Gesundheitskompetenz. Während die Beurteilung von digitalen Informationen vor der Corona-Pandemie als sehr schwierig eingeschätzt wurde und die Nutzung digitaler Angebote nur einen kleinen Anteil ausmachte, verbesserte sich die digitale Gesundheitskompetenz durch die Pandemie leicht. Dennoch gilt es hier, Möglichkeiten der Intervention zu nutzen, um den Anforderungen der zunehmenden Digitalisierung gerecht zu werden.

Die HLS-GER 2 und die Zusatzstudie HLS-GER 2 zeigen einen dringenden politischen Handlungsbedarf hinsichtlich der Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Dabei wird besonders deutlich, dass die umfangreiche Nutzung verschiedenster Kanäle zur Streuung von Gesundheitsinformationen durchaus wirksam ist, sofern eine passgenaue Zielgruppenansprache erreicht wird. Diese Erkenntnisse aus der Pandemiezeit sollten auf die zukünftige barrierefreie, zielgruppengerechte, verständliche und zuverlässige Gestaltung von Maßnahmen übertragen werden.