Anstieg der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz durch Corona

Eine sich stetig und schnell entwickelnde Arbeitswelt bringt neben vielen Chancen auch Risiken mit sich, auf die Unternehmen und Arbeitnehmer*innen reagieren müssen. Dazu gehört, dass die Krankheitstage wegen psychischer Belastungen oder Verhaltensstörungen allein zwischen 2008 und 2016 um 125% gestiegen sind. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin führt das in ihrem Stressreport» vor allem auf erhöhte Anforderungen an Arbeitszeit und Arbeitsort zurück, bei gleichzeitig geringem Einfluss der Arbeitnehmer*innen. Symptome sind insbesondere Schlafstörungen und häufige Erschöpfung. Dies zeigt, dass Unternehmen das Thema Mental Health noch besser in ihre Unternehmensstrategie integrieren müssen.

Die Corona-Pandemie und die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung haben die psychischen Herausforderungen für Mitarbeiter und Unternehmen an deutschen Arbeitsplätzen zusätzlich verstärkt. Weitere Belastungen sind hinzugekommen, beispielsweise soziale Isolation im Home Office, Angst um die eigene Gesundheit oder vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. In einer Studie von DearEmployee» ist der Anteil der Befragten, die ihre eigene psychische Gesundheit als „schlecht“ einschätzen, seit April um 2,2% auf nun 7,1% gestiegen; jede*r 5. Arbeitnehmer*in ist stark belastet, jede*r 14. stark gefährdet, den Belastungen nicht standzuhalten. Untersucht wurde das Item „emotionale Erschöpfung“, ein Burnout-Symptom.

Dennoch bleibt festzuhalten, dass die durchschnittliche Beanspruchung durch alle Arbeitsbereiche hinweg sich kaum verändert hat. Grund dafür ist, dass einige der Corona-Maßnahmen durchaus auch positive Veränderungen mit sich gebracht haben. Dazu gehören zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten, Ausfall von Projekten oder die grundsätzliche Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten. Während dies natürlich auch Belastungen wie besagte soziale Isolation oder Mehrbelastung durch zusätzliche Betreuungsaufgaben mit sich bringen kann, schätzen viele Arbeitnehmer*innen die Flexibilität und Selbstbestimmtheit.

Neben dem Anspruch auf Home Office für Arbeitnehmer*innen will die Bundesregierung noch in diesem Jahr eine Offensive für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz starten, wie Bundesarbeitsminister Hubertus Heil bereits im September ankündigte». Auch das Gesundheits- und das Familienministerium sowie über fünfzig Institutionen wie Krankenkassen und Berufsgenossenschaften sollen dabei involviert werden, um eine möglichst umfassende Strategie zu entwickeln.