Literaturtipp: Work-Life-Balance im 19. Jahrhundert

Work-Life-Balance, so neu wie dieser Begriff anmutet, so alt sind doch die Fragestellungen, die sich damit verbinden. Wie verzahnen sich Arbeitsalltag und Privatleben? Welche Rolle spielen die Arbeitgeber? Gab es früher mehr Freizeit und weniger Stress?

Die Frau umsorgt, der Mann arbeitet und einmal im Jahr wird gekurt. So oder ähnlich stellen wir uns das Familien- und Arbeitsleben im 19. Jahrhundert vor.

Die Beantwortung der Frage nach der Arbeitsgesundheit anno dazumal hat auch die WirtschaftsWoche neugierig gemacht. Im Interview mit Dr. Eva Ochs geht es hier um das straffe Pensum früherer Zeiten. Zittat: „Viele Männer arbeiteten bis zur Erschöpfung, einige waren anschließend Fälle fürs Sanatorium. Die Vorstellung eines verantwortlichen Arbeitgebers existierte nicht.“  Oder auch drastischer formuliert: “Viele Männer überlebten kaum ihre Pensionierung.“  Die „Rastlose Tätigkeit“, das ‚Nimmermüde Tun“.

Waren dies die geltenden Normen, die nicht angefochten werden durften?

 

Beruf als Berufung

Im Habilitationsprojekt „Beruf als Berufung? Die Work-Life-Balance bürgerlicher Männer im 19. Jahrhundert“ wird das berufliche Selbstverständnis und die Lebenspraxis von Bürgern des 19. Jahrhunderts untersucht.  Der Blick auf Unternehmenswerte, den Stellenwert von Bildung und die Anspruchshaltung des aufstrebenden Bürgertums zeigt uns auch: Schon lange, bevor die „Work-Life-Balance“ Forschungsthema verschiedener Disziplinen wurde, gab es Probleme und damit verbunden stellte sich die Frage: Wie können Arbeits- und Privatleben in Einklang gebracht werden? Welche Folgen hat es, wenn das Verhältnis zwischen beiden Bereichen nicht ausgeglichen ist?

Dr. Eva Ochs vom Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen ist diesen Fragen nachgegangen und zeichnet ein lebendiges Bild von Arbeitgebern, von Arbeits- und Familiensituationen der damaligen Zeit. Der Schwerpunkt der Analyse lag auf dem Verhältnis zwischen Arbeit und Familie.

Die Historikerin „begleitete“ bürgerliche Männer durch ihre Karriere und fragte, welchen Stellwert die Familie dabei hatte: Wie sahen sich die Bürger selbst in ihrem Bemühen, eine Balance zu finden zwischen Karriere und Familienleben? Verstanden sie sich als „Arbeitssoldaten“, die ihr Leben ausschließlich der beruflichen Sphäre widmeten?

Antworten auf diese Fragen und mehr zum Thema gibt es in der Publikation „Beruf als Berufung?“, die Ende Juli 2020 erscheint.

Literaturtipp: Eva Ochs: „Beruf als Berufung? Die Work-Life-Balance bürgerlicher Männer im 19. Jahrhundert“ (SOFIE. Schriftenreihe zur Geschlechterforschung, Band 25), Röhrig Universitätsverlag St. Ingbert.

Neugierig geworden? Wir verlosen zwei Exemplare unter allen Teilnehmern, die sich für den Newsletter der Corporate Health Initiative anmelden. Hier geht es zum Registrierungslink

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.