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Der Blick ins Innere: Gesundheitssensibilisierung von Mitarbeiter*innen und Führungskräften durch Einblicke in den menschlichen Organismus

Ein Interview mit Dr. Angelina Whalley, Kuratorin KÖRPERWELTEN.

Q: KÖRPERWELTEN ist bekannt für die weltweit einzigartigen Präparate menschlicher Körper. Nach welchen Kriterien werden diese in der Ausstellung gezeigt?

Mein Anliegen ist es, aufzuklären und vor allem dem medizinischen Laien die Möglichkeit zu eröffnen, den Körper und seine Funktionen besser zu verstehen. Jede Ausstellung enthält daher eine Vielzahl von Präparaten – einzelne Organe, transparente Körperscheiben und auch ganze Körper – die es mir ermöglichen, alle wesentlichen Organfunktionen in leicht verständlicher Weise zu erläutern. Dabei zeige ich auch gesunde und kranke Organe in direktem Vergleich, so dass der Betrachter darüber hinaus ein besseres Gespür für die Verletzlichkeit des Körpers gewinnt und die langfristigen Auswirkungen bestimmter Lebensgewohnheiten, wie etwa Rauchen oder Bewegungsmangel, besser versteht.

Die gezeigten Ganzkörperplastinate vermitteln dabei vor allem die Komplexität des gesamten Organismus und veranschaulichen, wie Muskeln, Nerven, Blutgefäße und Organe auf engstem Raum ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt sind. Insbesondere ihre erhaltene menschliche Form verleitet den Betrachter dazu, sich selbst in den Präparaten zu entdecken. Die Ganzkörperplastinate sind deshalb bewusst ästhetisch und in lebensnaher Posen dargestellt.

Kuratorin Dr. Angelina Whalley, links, mit Gunther von Hagens, Erfinder der Plastination

Q: KÖRPERWELTEN zeigt unter anderem den Vergleich von gesunden und kranken Organen, bspw. eine Raucherlunge oder eine zirrhotische Leber. Denken Besucher*innen der Ausstellung nachher anders über ihr Gesundheitsverhalten? Welche Konsequenzen zieht das Laienpublikum für seine Lebensgewohnheiten?

Der Körper ist nicht nur Grundlage und Ausführungsort unserer Existenz, sondern auch Spiegel unserer Lebensführung. Was immer wir tun oder auch nicht tun – wie wir uns ernähren, ob wir uns körperlich bewegen, ob wir ein gesundes soziales Umfeld haben, ob wir uns anerkannt oder missachtet, glücklich oder unglücklich fühlen – alles wirkt auf ihn zurück, im Positiven wie im Negativen. KÖRPERWELTEN vergegenwärtigt all diese Zusammenhänge und die Einmaligkeit des menschlichen Lebens vor dem Hintergrund des Todes. Der Erkenntnisgewinn soll den Sinn für die eigene Verletzlichkeit und die eigene Gesundheit schärfen. Denn nur ein entsprechendes Wissen kann uns dazu befähigen, achtsam mit unserem Körper umzugehen.

Besucherreaktionen: langfristig beeindruckt

Dass dies tatsächlich gelingt, zeigen eindrücklich die Besucherreaktionen. So geben viele Menschen nach dem Ausstellungsbesuch an, einen völlig neuen Blick auf sich selbst gewonnen zu haben und fortan ihren Körper nicht mehr als etwas Selbstverständliches erachten zu wollen; sie wollen zukünftig mehr Acht auf ihren Körper geben. Besonders eindrücklich belegte auch eine Besucherumfrage der Universität Kassel in einer unserer frühen Ausstellungen in Wien (1998), dass die Ausstellungserlebnisse nachhaltig das Leben der Menschen verändert. Die Umfrage erfolgte ein halbes Jahr nach Ausstellungsende und ergab, dass 9% der Befragten seit dem Ausstellungsbesuch weniger geraucht oder gar mit dem Rauchen ganz aufgehört haben, rund 33 % hatten sich um gesündere Ernährung bemüht und etwa 25 % seither mehr Sport getrieben.

Q: Die gesundheitliche Aufklärung richtet sich an Schüler*innen und Studierende – die Perspektive Corporate Health spielt jedoch eine neue zentrale Rolle vor dem Hintergrund der Prävention und der Schaffung eines Gesundheitsbewusstseins für den einzelnen Menschen. Könnten Unternehmen dabei stärker auf deutliche Demonstrationen wie KÖRPERWELTEN setzen? Wo liegen die Vorteile der Konfrontation?

KÖRPERWELTEN bewegt sich in einem Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Da werden an toten Körpern Aspekte des Lebens dargestellt und thematisiert; scheinbar ein Widerspruch in sich.

Das Spannungsfeld zwischen Leben und Tod übt auf uns Menschen seit jeher eine ungeheure Faszination aus und hat eine erhebliche Irritationskraft. Wir fühlen uns angezogen, gleichzeitig empfinden wir Unbehagen. Die Konfrontation mit den Plastinaten berührt den Besucher emotional und lässt ihn nachdenklicher über sein eigenes Leben werden. Dabei erhöht die Echtheit die Intensität des Erlebnisses und bringt den Einzelnen sich selbst besonders nahe. Der Betrachter schaut in einen fremden Körper und entdeckt darin den eigenen auf neue Weise. Mit Kunststoffmodellen ließe sich eine solche Erlebnistiefe niemals erreichen, wie auch in der Kunst keine Kopie das Original oder ein Naturbildband keine Wanderung durch die Natur ersetzen könnte.

Wir laden jeden, unabhängig von Ausbildung oder beruflichem Hintergrund dazu ein, sich ein authentisches Bild von seiner inneren Leiblichkeit zu verschaffen. Denn nur was wir kennen, können wir auch wertschätzen. Auch im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ist ein KÖRPERWELTEN-Besuch als Ausgangspunkt oder Ergänzung geeignet, die Mitarbeiter für die Komplexität und Fragilität des eigenen Körpers zu sensibilisieren und zur Erhaltung der eigenen Fitness und Gesundheit zu motivieren, aber auch, um BGM-Maßnahmen wirkungsvoller umzusetzen. Die Gesundheit eines jeden Mitarbeiters ist ein hohes Gut für Unternehmen. Daher sollten gerade sie ein großes Interesse daran haben, das Gesundheitsbewusstsein ihrer Mitarbeiter zu stärken.

Weitere Informationen zu den KÖRPERWELTEN Museen in Berlin oder Heidelberg finden Sie unter www.koerperwelten.de. Bis 25. August gastieren die KÖRPERWELTEN auch in der Messe Freiburg.

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